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AOK Hessen: Mehr als jeder Achte in Hessen hat Diagnose Depression

AOK Hessen: Mehr als jeder Achte hat Diagnose Depression

In Hessen sind 13,2 Prozent der Bevölkerung ab zehn Jahren von einer ärztlich dokumentierten Depression betroffen. Besonders hoch sind die Fallzahlen bei Frauen zwischen 75 und 79 Jahren sowie im Landkreis Waldeck-Frankenberg.

In Hessen leben mehr als 750.000 Menschen mit einer ärztlich dokumentierten Depression. Das geht aus einer aktuellen Auswertung der Krankenkasse AOK Hessen für das Jahr 2024 hervor. Demnach sind 13,2 Prozent der Bevölkerung ab einem Alter von zehn Jahren betroffen – mehr als jeder Achte. Im Bundesvergleich liegen die hessischen Fallzahlen damit überdurchschnittlich hoch.

Die Auswertung zeigt deutliche Unterschiede nach Geschlecht und Alter. Frauen erhalten über alle Altersklassen hinweg rund doppelt so häufig die Diagnose einer Depression oder Angststörung wie Männer. Besonders auffällig ist die Gruppe der Frauen zwischen 75 und 79 Jahren: In dieser Altersspanne ist fast jede dritte hessische Frau betroffen, der Wert liegt bei 30,3 Prozent.

Die Zahlen variieren zudem stark zwischen den Landkreisen. Die höchste Depressionsrate verzeichnet der Landkreis Waldeck-Frankenberg mit 15,8 Prozent, dicht gefolgt von der Stadt Offenbach mit 15,7 Prozent. Am seltensten werden depressive Episoden im Hochtaunuskreis (9,6 Prozent) und in Darmstadt (9,7 Prozent) diagnostiziert.

Nach Angaben der AOK Hessen lassen sich diese regionalen Unterschiede nicht allein mit einer älteren Bevölkerung erklären. Rechne man Unterschiede in der Alters- und Geschlechtsstruktur heraus, ergebe sich für Offenbach sogar ein noch höherer Wert, während jener für den Hochtaunuskreis nahezu unverändert bleibe. Die Krankenkasse führt dies auf sozioökonomische Belastungsfaktoren zurück.

Die AOK Hessen wertet für ihre Analyse anonymisierte Abrechnungsdaten ihrer Versicherten aus. Die Ergebnisse geben damit einen Einblick in die tatsächliche Versorgungslage, nicht nur in das subjektive Empfinden der Betroffenen. Da nur ärztlich dokumentierte Diagnosen einfließen, ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer nicht erfasster oder nicht behandelter Depressionen höher liegt.

Die hohen Fallzahlen bei älteren Frauen könnten mit besonderen Lebensumständen zusammenhängen, etwa dem Verlust des Partners, nachlassender Gesundheit oder sozialer Isolation. Die AOK betont jedoch, dass die Auswertung keine Ursachenanalyse leistet, sondern lediglich die Häufigkeit dokumentierter Diagnosen abbildet.

Für die Gesundheitsversorgung in Hessen bedeutet der Befund eine anhaltende Herausforderung. Psychotherapeutische Angebote und hausärztliche Betreuung müssen sich auf eine alternde Gesellschaft mit steigendem Bedarf einstellen. Regionen mit ohnehin schwacher Infrastruktur könnten zusätzlich belastet werden, wenn sozioökonomische Faktoren die Erkrankungsraten erhöhen.

Die AOK Hessen veröffentlicht die Zahlen regelmäßig, um auf die Verbreitung psychischer Erkrankungen aufmerksam zu machen. Sie rät Betroffenen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und das Gespräch mit Hausärzten oder Beratungsstellen zu suchen. Eine frühzeitige Behandlung könne den Verlauf deutlich verbessern.

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Dominik Zimmermann

Autor

Wirtschaftsanalyst

Dominik Zimmermann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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