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Sonntag, 18. Oktober 2026

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Hessen sagt organisierter Gewalt auf Bestellung den Kampf an

Hessens Landeskriminalamt bündelt Ermittlungen gegen «Violence as a Service» in einer Taskforce. Chefermittlerin Uta Prenzel und Innenminister Roman Poseck setzen auf die Zerschlagung der Hintermänner – nach dem Vorbild der erfolgreichen Bekämpfung von Geldautomatensprengungen.

Hessens Landeskriminalamt (LKA) will die Strukturen hinter der als «Violence as a Service» bezeichneten Kriminalität gezielt aufdecken und zerschlagen. Das erklärte die Chefermittlerin Uta Prenzel in Wiesbaden. Als Vorbild dient der Kampf gegen Geldautomatensprengungen, bei dem Hessen nach Angaben von Innenminister Roman Poseck (CDU) erhebliche Erfolge erzielt hat. «Unser Ziel ist es, die Strukturen hinter Violence as a Service zu erhellen und zu zerschlagen, wie es schon bei den Sprengungen von Geldausgabeautomaten gelungen ist», sagte Prenzel.

Die Zahl der Geldautomatensprengungen in Hessen ist von 61 im Jahr 2023 auf sechs im Jahr 2025 gesunken. Im laufenden Jahr 2026 wurden bislang ebenfalls sechs Fälle registriert, davon drei Versuche und drei Sprengungen ohne Beute. Poseck führt den Rückgang auf Ermittlungserfolge und vorbeugende Maßnahmen wie Banknotenfärbe- und Vernebelungssysteme zurück. «Hessen hat bei den Geldautomatensprengungen gezeigt, wie man Organisierte Kriminalität wirksam bekämpft», sagte der Minister. Diese Strategie helfe nun auch bei der Bekämpfung von beauftragten Gewalttaten.

Bei «Violence as a Service» handelt es sich um eine Form der Organisierten Kriminalität, bei der Auftraggeber Gewalttaten wie Sprengstoff- und Brandanschläge oder Schusswaffengebrauch in Auftrag geben. Die Täter werden häufig im Ausland rekrutiert, oft über Messengerdienste und Gaming-Plattformen in den Niederlanden und anderen Ländern. Für vergleichsweise geringe Beträge übernehmen sie «Missionen», ohne ihre Auftraggeber zu kennen. Erst jüngst sorgten mutmaßlich derartige Anschläge im Rhein-Main-Gebiet für Schlagzeilen. Auch in Kassel kam es zu Brandattacken mit internationalen Bezügen, wobei die Polizei dort nach eigenen Angaben eher nicht von einer Rekrutierung unbekannter Straftäter ausgeht.

Poseck betonte, die Taten richteten sich meist gezielt gegen Personen aus dem Umfeld der Organisierten Kriminalität selbst und nicht gegen die Bevölkerung. Dennoch blieben sie gefährlich, da die Täter in Kauf nähmen, dass Unbeteiligte zu Schaden kommen. Im LKA wurde eine eigene Taskforce eingerichtet, die operative, analytische und präventive Kompetenzen bündelt. «Wir bleiben nicht bei den Tätern am unteren Ende der Kette stehen, sondern nehmen gezielt Auftraggeber, Rekrutierer und Logistiker ins Visier, denn dort liegt die eigentliche Bedrohung», erläuterte der Minister.

Chefermittlerin Prenzel geht davon aus, dass das Phänomen noch länger bestehen bleibt. Seit 2024 nimmt das LKA «Violence as a Service» gezielt in den Blick und bearbeitet derzeit Prüffälle im mittleren zweistelligen Bereich. Sehr wahrscheinlich habe es in Hessen bereits um 2021 erste Einzelfälle mit beauftragten Gewalttaten gegeben. Prenzel, seit 28 Jahren bei der Polizei, verweist auf landesweit standardisierte Tatortaufnahmen und Fahndungen. Über die Taskforce ließen sich leichter Querverbindungen zu anderen Straftaten aufdecken, auch europaweit. «Die besondere Herausforderung ist, viele Daten übereinanderzulegen, sodass wir die Strukturen erkennen», sagte sie.

Dabei setzt das LKA auch auf die Polizei-Software «Hessendata» des US-Konzerns Palantir, die große Datenbestände in Sekundenschnelle durchkämmen kann. Die Software ist wegen ihrer Dateiverknüpfungen und der politischen Einordnung ihrer Gründer umstritten; mehrere Bundesländer verzichten bewusst darauf. Hessen zeigt sich langfristig offen für eine europäische Lösung mit vergleichbaren Fähigkeiten, die laut Experten jedoch nicht in Sicht ist.

Die Täter sind häufig jung und werden nicht nur digital, sondern auch direkt von Bekannten angeworben, wenn sie für Straftaten geeignet erscheinen. «Sie kennen ihre Auftraggeber nicht, sie wissen nicht genau, was sie erwartet», erklärte Prenzel. Viele handelten aus Geltungssucht oder um sich luxuriöse Dinge leisten zu können. Die Motive der Auftraggeber reichen von Einschüchterung von Konkurrenten im Drogenhandel über die Bedrohung möglicher Zeugen in Gerichtsprozessen und Schutzgelderpressung bis hin zu Rache. Nicht immer erhalten die Täter den versprochenen Lohn, etwa wenn etwas schiefläuft. Ihre Tatausführung müssen sie meist mit der Handykamera dokumentieren. Da die oft unerfahrenen Täter keine Ortskenntnisse haben und nur eine Adresse oder Koordinaten des Zielobjekts kennen, sind ungeplante Sachbeschädigungen oder Verletzungen von Menschen nicht ausgeschlossen.

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Elena Mertens

Autor

Nachrichtenredakteurin

Elena Mertens berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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