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Landesfrauenrat kritisiert zu wenige Schutzplätze für Frauen in Mecklenburg-Vorpommern

Der Landesfrauenrat Mecklenburg-Vorpommern beklagt eine erhebliche Unterversorgung bei Frauenhausplätzen. Statt der nach Istanbul-Konvention nötigen 157 Familienplätze stünden nur etwa 60 zur Verfügung. Auch Beratungsstellen im ländlichen Raum seien unterversorgt.

In Mecklenburg-Vorpommern fehlen nach Einschätzung des Landesfrauenrates deutlich mehr Schutzplätze für gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder als bislang angenommen. Wie der Verband auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, müssen schutzsuchende Frauen regelmäßig abgewiesen werden, weil kein Zimmer frei ist. Die vorhandenen Kapazitäten reichten bei weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken.

Nach Angaben des Landesfrauenrates sind in den neun Frauenschutzhäusern des Landes derzeit 153 Plätze erfasst. Diese Zahl zähle jedoch Betten für Frauen und Kinder zusammen, ohne dies kenntlich zu machen. Tatsächlich stünden in den Einrichtungen aktuell nur etwa 60 Schutzplätze für gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder zur Verfügung. Die Diskrepanz zwischen der offiziellen Platzzahl und der tatsächlichen Kapazität führe zu einer verzerrten Wahrnehmung der Lage.

Die Istanbul-Konvention des Europarates zum Schutz von Frauen und Mädchen vor jeglicher Form von Gewalt sowie vor häuslicher Gewalt sieht vor, dass pro 10.000 Einwohner eine sichere Unterkunft für eine Familie bereitzuhalten ist. Bei rund 1,57 Millionen Einwohnern in Mecklenburg-Vorpommern wären demnach 157 Familienplätze erforderlich. Der Landesfrauenrat kritisiert, dass die Zählung von Betten den falschen Eindruck erwecke, die Vorgaben der Konvention seien nahezu erfüllt. Tatsächlich fehlen im Land 97 Familienplätze.

Neben der Unterversorgung bei Frauenhausplätzen gibt es auch bei den spezialisierten Beratungsstellen gegen Gewalt erhebliche Lücken. Vor allem im ländlichen Raum seien viele Regionen nicht ausreichend versorgt. Zugleich arbeiteten zahlreiche bestehende Einrichtungen personell und finanziell an der Belastungsgrenze. Ein Ausbau der Angebote müsse deshalb immer mit einer Stabilisierung der vorhandenen Strukturen einhergehen, fordert der Landesfrauenrat.

Der Verband verlangt neben einem Ausbau des gesamten Hilfenetzes und einer verlässlichen Finanzierung auch ein gesellschaftliches Umdenken. «Wir brauchen eine Gesellschaft, die alle Menschen als gleichwertig ansieht, die hinschaut, die aktiv wird und Gewalt nicht als Privatsache abtut», so der Landesfrauenrat. Die derzeitige Situation zwingt viele Frauen, in gewalttätigen Beziehungen zu verharren, weil ihnen keine sichere Zuflucht geboten werden kann.

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Franziska Thielmann

Autor

Reporterin

Franziska Thielmann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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