Polizei nimmt 15-Jährigen fest, der Anschlag auf Flüchtlingsunterkunft geplant haben soll
Ein 15-Jähriger aus Schleswig-Holstein sitzt in Untersuchungshaft, nachdem er in einer Chatgruppe Pläne für einen Anschlag auf eine Unterkunft für Geflüchtete geschmiedet haben soll. Ein antifaschistisches Recherchekollektiv hatte die Chats öffentlich gemacht und den Jugendlichen mit einem Benzinkanister gestoppt.
Die Polizei in Schleswig-Holstein hat einen 15-Jährigen festgenommen, der in einer Chatgruppe konkrete Pläne für einen Anschlag auf eine Unterkunft für Geflüchtete mit möglichen Todesopfern geschmiedet haben soll. Der Jugendliche aus Wahlstedt im Kreis Segeberg sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Ihm werden die Verabredung zu einem Verbrechen und die Vorbereitung einer terroristischen Straftat vorgeworfen.
Die Lage hatte sich am Freitag zugespitzt. Bereits am Donnerstag hatten die Behörden den 15-Jährigen und einen 19-Jährigen durchsucht und digitale Geräte sichergestellt. Offenbar wollte der Jüngere trotzdem an seinem Plan festhalten. Mit einem Benzinkanister in der Hand wurde er am Freitagabend von Personen aus dem Umfeld eines antifaschistischen Recherchekollektivs gestoppt. Laut dem Bericht folgte er der Aufforderung, auf das Eintreffen der Polizei zu warten. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Flensburg bestätigte, dass der Jugendliche an seinem Wohnort festgenommen wurde. Hinweise hätten darauf hingedeutet, dass er mit Benzin unterwegs war. Der Sprecher sagte: «Es war zu befürchten, dass er schwere Straftaten begehen könnte, wenn er auf freiem Fuß geblieben wäre.»
Die Chats waren von dem Recherchekollektiv EXIF Recherche und Analyse entdeckt worden, das die Pläne in einer WhatsApp-Gruppe fand und dem NDR Screenshots zur Verfügung stellte. Ein NDR-Redakteur schaltete daraufhin die Behörden ein. Nach den veröffentlichten Nachrichten schrieb ein Mitglied der Gruppe «Einer muss sterben» und erhielt die Antwort «Mindestens einer». Als Termin war der 30. Oktober verabredet. Der 19-Jährige aus Winsen (Luhe) sollte an diesem Tag den anderen den Treffpunkt schicken. Er ist weiterhin auf freiem Fuß. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft Lüneburg, die für Winsen zuständig ist. Die Neonazi-Gruppe «Terror 18» hatte seit Tagen über einen geplanten Anschlag in dieser Stadt geschrieben.
Mitglieder der Gruppe sollen sich auf Fotos mit Hitlergrüßen und Hakenkreuzen gezeigt und sich als «Nationalsozialist» oder «Untersturmführer 18» bezeichnet haben. Eine Nachricht im Chat behauptet zudem, der 19-Jährige habe am Montag mit einem Pflasterstein die Scheibe einer Unterkunft für geflüchtete Menschen eingeworfen. Die Staatsanwaltschaft Lüneburg konnte dies zunächst nicht bestätigen. Auch die Echtheit der Screenshots kann die Behörde bisher nicht bestätigen, die Auswertung der sichergestellten Geräte läuft. Der NDR erklärte, er habe die Authentizität der Chats soweit möglich überprüft und halte sie für echt.
Laut EXIF hatte der 15-Jährige wenige Stunden vor der Durchsuchung geschrieben: «Und wenn’s keiner macht, dann mach ich es halt.» Die Durchsuchung am Donnerstag hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft Lüneburg keine konkreten Anhaltspunkte ergeben, dass die Anschlagspläne umgesetzt werden sollten. Auch aus Schleswig-Holstein hieß es, man sei davon ausgegangen, dass sich die Beteiligten nach der Entdeckung der Tatpläne zurückziehen würden. Am Freitag verdichteten sich jedoch die Anzeichen, dass der Plan weiterverfolgt wurde. Der Jugendliche soll am Abend mit dem Fahrrad zu einer Tankstelle gefahren und mit Benzin zurückgekehrt sein. Nach Darstellung des Kollektivs wurde er gestellt, als er mit dem Kanister das Haus verließ. Ein Video zeigt eine Person, die Benzin auf den Boden schüttet. Laut Polizei Bad Segeberg konnte der 15-Jährige festgenommen werden, ohne dass er Widerstand leistete. Die Polizei war nach Hinweisen eines Journalisten und eines Anwohners zu der Adresse gefahren. Der Jugendliche schweigt inzwischen zu den Vorwürfen.
Quelle: t-online.de
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