Schätzerkreis: Zusatzbeitrag für Krankenkassen bleibt 2027 bei 2,9 Prozent
Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung soll 2027 unverändert bei 2,9 Prozent liegen. Gesundheitsminister Linnemann verweist auf Einsparungen durch das Spargesetz, mahnt aber strukturelle Reformen an.
Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz für die gesetzliche Krankenversicherung soll im kommenden Jahr stabil bei 2,9 Prozent bleiben. Das hat der GKV-Schätzerkreis nach zweitägigen Beratungen in Bonn mitgeteilt. Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) sprach von einer guten Nachricht für die rund 75 Millionen gesetzlich Versicherten und verwies auf die Wirkung des im Sommer beschlossenen Krankenkassen-Spargesetzes.
Das Bundesamt für Soziale Sicherung gab das Schätzungsergebnis offiziell bekannt. Demnach ergibt die Finanzprognose für 2027 einen rechnerischen durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz von unverändert 2,9 Prozent. Das Gesundheitsministerium legt den Durchschnittswert auf dieser Grundlage zum 1. November fest. Der Wert ist eine Orientierungsmarke: Ob die einzelnen Krankenkassen ihm folgen oder höhere Zusatzbeiträge von ihren Mitgliedern und deren Arbeitgebern verlangen, ist noch offen.
Linnemann führte die stabile Prognose vor allem auf das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz zurück. Danach haben die Kassen im kommenden Jahr bis zu 15 Milliarden Euro weniger Ausgaben zu schultern. Die Koalition hatte insbesondere den Kliniken einen hohen Sparbeitrag auferlegt. «Wir haben unser wichtigstes Ziel erreicht», sagte der Minister. Der SPD-Gesundheitsexperte Christos Pantazis nannte die Schätzung in der Funke Mediengruppe «eine gute Nachricht für die rund 75 Millionen gesetzlich Versicherten, für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Arbeitgeber und unseren Wirtschaftsstandort».
Der Schätzerkreis, dem Fachleute des Bundesamts für Soziale Sicherung, des Gesundheitsministeriums und des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung angehören, erwartet für 2026 Ausgaben von 370 Milliarden Euro in der gesetzlichen Krankenversicherung. Im kommenden Jahr sollen sie auf 378 Milliarden Euro steigen. Der Anstieg fällt damit deutlich geringer aus als in den Vorjahren: Seit 2024 war eine Rekordausgabensteigerung von knapp acht Prozent pro Jahr verzeichnet worden, für das laufende Jahr wird mit knapp sieben Prozent gerechnet. 2027 soll der Ausgabenanstieg nun voraussichtlich unter drei Prozent liegen.
Trotz der Entlastung bleibt die Finanzlage der Kassen nach Einschätzung des Ministers angespannt. «Wir müssen die strukturellen Probleme der gesetzlichen Krankenversicherung lösen und ihre Finanzierung dauerhaft auf eine solide Grundlage stellen», sagte Linnemann. Nach wiederholten Beitragserhöhungen wolle er die Situation nicht schönreden. Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz hatte sich seit 2022 von 1,3 Prozent auf 2,9 Prozent mehr als verdoppelt, weil die Ausgaben in fast allen Bereichen stärker gestiegen sind als die Beitragseinnahmen.
Der Verband der Ersatzkassen, der Deutschlands größte Krankenkassen vertritt, äußerte Zweifel, ob die geplanten Sparmaßnahmen ausreichen. «Die Politik hat einigen Leistungsbereichen – Pharma, Krankenhäuser, Psychotherapeuten, Haus- und Kinderärzte – finanzielle Zugeständnisse gemacht, die nun durch andere Maßnahmen gegenfinanziert werden müssen», sagte Verbandschefin Ulrike Elsner mit Blick auf Nachbesserungen am Spargesetz. Auch der AOK-Bundesverband forderte, «bei den Effizienzanstrengungen jetzt weiter Kurs zu halten und echte Strukturreformen voranzutreiben».
An diesem Donnerstag will die Koalition im Bundestag noch einmal über die Krankenkassenfinanzen beraten. Mit der abschließenden Debatte über eine Reform der Notfallversorgung sollen auch letzte Änderungen am Krankenkassen-Sparpaket beschlossen werden. Dabei geht es darum, einige Verschärfungen vom Sommer wieder abzumildern und dafür an anderer Stelle einzusparen.
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