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Donnerstag, 8. Oktober 2026

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Prunk -- Jan Prunk

Studie: Kurzvideo-Algorithmen verstärken ADHS-Probleme

Eine Studie der TU Graz zeigt, dass Menschen mit ADHS schwerer mit dem Scrollen auf Plattformen wie TikTok oder Instagram aufhören können und stärker unter den Folgen leiden.

Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) haben einer Studie der Technischen Universität Graz zufolge größere Schwierigkeiten, das Scrollen auf Kurzvideo-Plattformen wie TikTok oder Instagram zu beenden. Zudem seien die negativen Konsequenzen für sie gravierender als für Menschen ohne ADHS. Das berichtet der Deutschlandfunk unter Berufung auf die Untersuchung.

Die Forschenden führen das Problem auf zwei zentrale Merkmale der Störung zurück: Zeitblindheit und fehlende Impulskontrolle. Zeitblindheit bezeichnet die Schwierigkeit, Zeit richtig einzuschätzen und den eigenen Zeitverbrauch zu erfassen. Wer nicht bemerkt, wie viel Zeit vergeht, verliert leichter das Gefühl dafür, wann ein Ende erreicht ist. Die fehlende Impulskontrolle erschwert es, den Drang nach dem nächsten Video zu unterdrücken. Die Algorithmen der Plattformen sind darauf ausgelegt, die Aufmerksamkeit durch immer neue, kurze Inhalte zu binden. Für Menschen mit ADHS wird diese Kombination zur digitalen Falle.

Die Studie der TU Graz untersuchte, wie Betroffene mit dem Endlos-Scrollen umgehen. Demnach fällt es ihnen nicht nur schwerer, rechtzeitig aufzuhören. Sie berichten auch häufiger von negativen Folgen. Dazu zählen etwa verlorene Zeit, Vernachlässigung anderer Aufgaben, Schlafmangel oder ein schlechteres Gefühl nach der Nutzung. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Gestaltung der Plattformen die Symptome von ADHS verstärken kann.

Die Kurzvideo-Algorithmen sind darauf optimiert, Nutzerinnen und Nutzer möglichst lange auf der Plattform zu halten. Sie analysieren das Sehverhalten und spielen immer neue Clips aus, die zum Weiterschauen anregen. Für Menschen ohne ADHS ist es bereits schwierig, sich dem zu entziehen. Bei ADHS kommen die neurobiologischen Besonderheiten hinzu. Die ständige Verfügbarkeit neuer Reize trifft auf eine geringere Hemmschwelle und ein verändertes Zeitempfinden. So entsteht ein Kreislauf, der schwer zu durchbrechen ist.

Die Ergebnisse der TU-Graz-Studie werfen ein Schlaglicht auf den Umgang mit digitalen Medien und psychischer Gesundheit. Sie legen nahe, dass die Verantwortung nicht allein bei den Nutzenden liegt. Die Gestaltung der Plattformen und ihre Algorithmen tragen wesentlich dazu bei, wie stark bestimmte Gruppen gefährdet sind. Für Menschen mit ADHS können die Folgen bis in den Alltag reichen: weniger Konzentration für Arbeit oder Studium, weniger Zeit für soziale Kontakte und ein erhöhtes Risiko für Stress oder Schlafprobleme.

Die Studie ist an der TU Graz entstanden und wurde vom Deutschlandfunk aufgegriffen. Sie reiht sich in eine wachsende Zahl von Untersuchungen ein, die sich mit den Auswirkungen von Kurzvideo-Formaten auf die psychische Gesundheit befassen. Bislang konzentrierte sich die Debatte oft auf Kinder und Jugendliche. Die neue Arbeit zeigt, dass auch Erwachsene mit ADHS betroffen sind. Die Forschenden plädieren nicht für ein pauschales Verbot, sondern für ein besseres Verständnis der Mechanismen. Dazu gehören Funktionen, die den Zeitverbrauch sichtbar machen, Erinnerungen an Pausen oder Einstellungen, die das endlose Scrollen begrenzen.

Für Betroffene kann schon die Kenntnis der eigenen Schwäche helfen. Wer weiß, dass Zeitblindheit und Impulskontrolle die Hauptprobleme sind, kann gezielter gegensteuern. Dazu zählen feste Nutzungszeiten, das Ausschalten von Autoplay oder das bewusste Aufsuchen anderer Aktivitäten. Die Studie der TU Graz liefert damit nicht nur eine Erklärung für ein verbreitetes Phänomen, sondern auch Ansatzpunkte für den Alltag. Sie zeigt, dass die digitale Umgebung nicht neutral ist. Wer unter ADHS leidet, braucht mehr als nur guten Willen, um sich aus der Endlosschleife zu befreien.

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Dominik Zimmermann

Autor

Wirtschaftsanalyst

Dominik Zimmermann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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