Umfrage: Tag der Deutschen Einheit hat für 70 Prozent der Deutschen keine große Bedeutung
Eine repräsentative YouGov-Umfrage zeigt: Nur eine Minderheit der Deutschen misst dem Tag der Deutschen Einheit persönlich große Bedeutung bei. In Bremen wird das Fest dennoch mit 400.000 erwarteten Gästen gefeiert.
Der Tag der Deutschen Einheit wird an diesem 3. Oktober in Bremen mit einem dreitägigen Bürgerfest, Konzerten und Lesungen begangen. Rund 400.000 Gäste werden in der Hansestadt erwartet. Doch einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zufolge hat der Feiertag für 70 Prozent der Bundesbürger persönlich keine große oder gar keine Bedeutung. Nur knapp mehr als die Hälfte aller Befragten hält den Tag für das Land insgesamt für bedeutsam.
Die Umfrage wurde Ende September durchgeführt. Sie zeigt ein deutliches Muster: Je jünger und je niedriger der Bildungsgrad der Befragten, desto gleichgültiger blicken sie auf den Feiertag. Gerade für junge Menschen ist der 3. Oktober zwar ein historisches Datum, vielen fehlt jedoch der persönliche Bezug. YouGov-Meinungsforscher Frieder Schmid sagt: «Neben dem schwindenden persönlichen Bezug zeigen sich auch Vorbehalte gegenüber dem Einheitsprozess selbst.» Viele Bürgerinnen und Bürger glaubten nicht, dass die Deutschen zu einer Nation geworden seien – im Osten mehr als im Westen.
Obwohl zwischen Ost- und Westdeutschland mehr als 30 Jahre nach der Wende noch große wirtschaftliche und soziale Unterschiede bestehen, blicken beide Landesteile ähnlich gleichgültig auf die Wiedervereinigung. Allerdings überwiegt bei ostdeutschen Befragten die Enttäuschung mit 20 Prozent, während Westdeutsche eher keine Emotionen mit dem Tag verbinden (26 Prozent). Auch in den Wählergruppen gibt es kaum bemerkenswerte Unterschiede: Anhänger aller Parteien zeigen sich ähnlich desinteressiert. Am größten ist das Desinteresse bei den Wählern extremer Randparteien. Ausgerechnet im Lager der Linken, die kürzlich einen «Bürgerrat» gegen die Ungleichheiten zwischen Ost- und Westdeutschland ankündigten, ist die Wiedervereinigung am unwichtigsten. Auch unter den Wählern der AfD, die Parolen der friedlichen Revolution wie «Wir sind das Volk» regelmäßig aufgreift, halten sich die Emotionen für den Feiertag in Grenzen.
Zu der Frage, wie der Feiertag begangen werden sollte, gibt es unterschiedliche Meinungen. Etwas mehr als ein Drittel – und damit die größte Gruppe – ist der Ansicht, dass es bundesweit große Veranstaltungen geben sollte. Etwas mehr als ein Viertel findet, dass jeder für sich feiern sollte. Fast jeder Fünfte meint sogar, dass die Wiedervereinigung überhaupt nicht gefeiert werden sollte. Viele Menschen in Deutschland finden es zwar richtig, dass der Tag der Deutschen Einheit bundesweit mit großen Veranstaltungen begangen wird. Wie viele von ihnen allerdings wirklich an den Feierlichkeiten teilnehmen werden, ist fraglich.
Die Ergebnisse der Umfrage werfen ein Schlaglicht auf das Verhältnis der Deutschen zur Wiedervereinigung. Zwar wird der 3. Oktober 1990 als historischer Moment gefeiert, in dem die Mauer fiel und die Bundesrepublik ihre Einheit wiedererlangte. Doch die persönliche Verbundenheit mit dem Datum scheint in der Bevölkerung gering ausgeprägt. Die offiziellen Feierlichkeiten in Bremen mit ihrem umfangreichen Programm stehen daher im Kontrast zur Gleichgültigkeit vieler Bürger. Ob die erwarteten 400.000 Gäste tatsächlich kommen, wird sich zeigen. Die Umfrage legt nahe, dass ein Großteil der Bevölkerung dem Tag der Deutschen Einheit eher distanziert gegenübersteht.
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