Wechseljahre oft Tabu am Arbeitsplatz: Fachleute fordern bessere Unterstützung
Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes legt Handlungsempfehlungen vor: Elf Millionen Frauen in Deutschland sind in den Wechseljahren, jede dritte berichtet von starken beruflichen Belastungen. Vorgeschlagen werden eine nationale Strategie, mehr Ausbildung und Anpassungen am Arbeitsplatz.
Frauen in den Wechseljahren sollen in Deutschland am Arbeitsplatz besser unterstützt und vor Benachteiligung geschützt werden. Die Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes, Ferda Ataman, stellte in Berlin neue Handlungsempfehlungen vor und sagte: «Wechseljahre dürfen keine Diskriminierungsjahre sein.» Nach Angaben der Antidiskriminierungsstelle sind rund elf Millionen Frauen in Deutschland in den Wechseljahren. «Früher oder später betreffen die Wechseljahre die Hälfte der Bevölkerung», betonte Ataman.
Jede dritte betroffene Frau berichtet laut der Stelle von starken beruflichen Belastungen. Viele trauten sich nicht, am Arbeitsplatz offen über Beschwerden zu sprechen, sagte Ataman. Sie hätten Angst, als Belastung abgestempelt oder benachteiligt zu werden. Frauen mit Wechseljahresbeschwerden suchten zudem Anlaufstellen, fänden sie aber oft nicht. «Wir haben in diesem Land ein Versorgungsproblem», sagte die Chefärztin für Gynäkologie am Vivantes Klinikum, Mandy Mangler. Das Thema spiele in der medizinischen Ausbildung bislang nur eine geringe Rolle. Auch gebe es keine eigene Abrechnungsziffer für die ärztliche Wechseljahresberatung.
Fachleute aus Gynäkologie, Pflege, Zivilgesellschaft und Ökonomie haben nun Empfehlungen erarbeitet. Vorgeschlagen werden unter anderem eine nationale Wechseljahres-Strategie, mehr Wissen über das Thema in der medizinischen Ausbildung und bessere Unterstützung am Arbeitsplatz. Dazu könnten flexible Arbeitszeiten, geeignete Raumtemperaturen, ein guter Zugang zu Toiletten und betriebsärztliche Beratung gehören. Außerdem soll geprüft werden, ob der gesetzliche Schutz vor Benachteiligungen wegen der Wechseljahre ausreicht.
Ataman forderte zugleich, offener über das Thema zu sprechen: «Die Wechseljahre müssen endlich raus aus der Tabuzone.» Die Empfehlungen richten sich an Arbeitgeber, politische Entscheidungsträger und medizinische Einrichtungen. Sie sollen dazu beitragen, dass betroffene Frauen im Berufsleben nicht länger Nachteile befürchten müssen und dass das Gesundheitssystem passende Angebote bereitstellt.
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