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WHO hält Ausbreitung des Shamonda-Virus beim Menschen für unwahrscheinlich

Nach dem ersten dokumentierten Shamonda-Fall bei einem Menschen in Frankreich geht die WHO von einem Einzelfall aus. Der Verstorbene litt an einer schweren Immunschwäche. Übertragen wird das Virus vermutlich durch Gnitzen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet nach dem ersten bekannten Shamonda-Virus-Fall bei einem Menschen nicht mit einer größeren Ausbreitung. «Aufgrund der verfügbaren Informationen und der Kenntnisse über eng verwandte Viren handelt es sich bei der Infektion in Frankreich um einen Einzelfall beim Menschen», sagte WHO-Sprecher Christian Lindmeier in Genf. «Und es ist derzeit unwahrscheinlich, dass es zu einer weiteren Ausbreitung kommt.»

Lindmeier wies allerdings darauf hin, dass die WHO bislang keine formelle Risikoeinschätzung erstellt hat. Das Virus war zuvor ausschließlich bei Tieren wie Rindern und Pferden nachgewiesen worden. Der erste bekannte Shamonda-Patient starb nach Angaben des französischen Agrarministeriums Anfang Oktober. Er litt an einer schweren Immunschwäche.

Fachleute sehen in der geschwächten Abwehr des Patienten einen wesentlichen Faktor für den Krankheitsverlauf. «Bei einem stark geschwächten Immunsystem ist die Abwehr von Infektionserregern erheblich beeinträchtigt», sagte Martin Beer vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Greifswald. Es könne dann deutlich leichter zu einer Ansteckung und Virusvermehrung kommen. Dies sei bei der Bewertung des Falles von großer Bedeutung, betonte der Experte des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit.

Nach derzeitigen Erkenntnissen wurde die Infektion durch den Stich einer Gnitze im Osten Frankreichs verursacht. In der Region waren im Frühjahr und Sommer Infektionen von Tieren mit dem Shamonda-Virus gemeldet worden. Gnitzen sind kleine Stechmücken, die nach Angaben des FLI in Mitteleuropa heimisch und in der Regel von April bis November aktiv sind. Optimal vermehren sie sich bei Temperaturen zwischen 25 und 35 Grad Celsius; für die Virusvermehrung in den Insekten sind mehr als 12 bis 15 Grad nötig.

WHO-Sprecher Lindmeier verwies darauf, dass die Übertragbarkeit von Viren durch Gnitzen in den kühleren Jahreszeiten generell abnimmt. In Deutschland wurde das Shamonda-Virus erstmals in diesem Sommer bei Rindern nachgewiesen. Nachweise bei Nutztieren gab es inzwischen auch in Österreich, der Schweiz, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden, Spanien, Portugal, Italien und Irland.

Der Fall in Frankreich ist der erste dokumentierte Nachweis des Erregers bei einem Menschen. Für die Allgemeinheit sehen die Fachleute derzeit kein erhöhtes Risiko. Die Einschätzung der WHO stützt sich auf die verfügbaren Informationen und die Erfahrungen mit eng verwandten Viren. Eine formelle Risikobewertung der Organisation steht noch aus.

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Franziska Thielmann

Autor

Reporterin

Franziska Thielmann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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