Grenzah

Samstag, 3. Oktober 2026

© 2026 Grenzah

Teil der GruppeMosaic Media

Entwickelt vonSponge — digital & design

Entsetzen über Kostüm: Ähnelte KZ-Kleidung: Zara zieht Kostüm zurück

Zara zieht Halloween-Kostüm nach Kritik an KZ-Ähnlichkeit zurück

Die spanische Modekette Zara hat ein Halloween-Kostüm für Kinder aus dem Sortiment genommen, nachdem Kritiker Ähnlichkeiten mit der Kleidung von KZ-Häftlingen bemängelt hatten. Das Unternehmen bedauert Missverständnisse, lässt aber offen, warum die Ähnlichkeit bei internen Kontrollen nicht auffiel.

Die spanische Modekette Zara hat ein Halloween-Kostüm für Kinder aus dem Verkauf genommen. Das Unternehmen reagierte damit auf scharfe Kritik, das Design des Produkts erinnere an die Kleidung von Häftlingen in nationalsozialistischen Konzentrationslagern. Das Kostüm bestand aus einer Jacke und einer Hose mit blauen und weißen Längsstreifen, die beide bewusst abgetragen wirkten. Zudem waren Aufdrucke zu sehen, die an Stacheldraht erinnern konnten, sowie Aufnäher an den Ärmeln, die den Eindruck von Häftlingsnummern erweckten.

Die Ähnlichkeit mit der sogenannten Häftlingskluft löste in den sozialen Netzwerken und in den Medien Empörung aus. Der israelische Journalist Dov Gil-Har schrieb auf der Plattform X: «Die spanische Modekette Zara entsetzt ihre Kunden in Europa mit einer weiteren ihrer albtraumhaften Ideen – einem Kostüm im Stil der nationalsozialistischen Konzentrationslager.» Andere Nutzerinnen und Nutzer teilten ähnliche Kritik und forderten das Unternehmen zum Handeln auf. Im Online-Angebot des Moderiesen ist das Kostüm inzwischen nicht mehr zu finden.

Auf eine Anfrage erklärte die Pressestelle des Unternehmens: «Zara Home bedauert jedes Missverständnis, das dieses Halloween-Bräutigam-Kinderkostüm verursacht haben könnte. Es ist weder in unseren Filialen noch online weiterhin erhältlich.» Die Frage, warum die Ähnlichkeit zu KZ-Kleidung bei internen Kontrollen nicht aufgefallen war, ließ das Unternehmen jedoch unbeantwortet. Diese Lücke in der Kommunikation dürfte die Debatte über die Verantwortung von Modemarken bei der Gestaltung ihrer Produkte weiter anheizen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Zara mit Artikeln auffällt, die mit dem Nationalsozialismus assoziiert werden. Bereits 2014 musste die Kette ein blau-weiß gestreiftes Kinderhemd zurückziehen, das auf der linken Brust einen gelben sechszackigen Stern trug. Dieser erinnerte an die sogenannten Judensterne, die die Nazis jüdischen Menschen in Deutschland aufzwangen, um sie öffentlich sichtbar zu stigmatisieren. 2007 wurde in Zara-Filialen eine Stofftasche angeboten, die neben Blumenmustern auch mit Hakenkreuzen dekoriert war. Diese Vorfälle werfen Fragen nach den internen Prüfprozessen und dem Umgang mit sensiblen historischen Symbolen auf.

Der aktuelle Fall zeigt, wie schnell ein Produkt durch seine Gestaltung unbeabsichtigt historische Assoziationen wecken kann. Für ein international tätiges Modeunternehmen wie Zara, das zur spanischen Inditex-Gruppe gehört, sind solche Fehltritte besonders heikel, da die Marke in vielen Ländern präsent ist und ein breites Publikum anspricht. Die Kritik kam nicht nur aus Europa, sondern auch aus Israel und anderen Teilen der Welt. Die Entscheidung, das Kostüm aus dem Sortiment zu nehmen, erfolgte offenbar rasch nach Bekanntwerden der Vorwürfe.

Ob der Vorfall Konsequenzen für die internen Abläufe bei Zara haben wird, ist bislang unklar. Das Unternehmen äußerte sich nicht dazu, ob es seine Design- und Freigabeprozesse überprüfen will. Verbraucherorganisationen und jüdische Gemeinden hatten in der Vergangenheit wiederholt auf die Bedeutung einer sensiblen Gestaltung von Produkten hingewiesen, die an die NS-Zeit erinnern könnten. Der Fall dürfte daher auch künftig Teil der Diskussion über gesellschaftliche Verantwortung in der Modebranche bleiben.

6Aufrufe

Franziska Thielmann

Autor

Reporterin

Franziska Thielmann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

Weiter im RessortGesellschaft