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Bundeswehr und Rettungskräfte üben erstmals Nato-Bündnisfall in Sachsen

Auf dem Truppenübungsplatz Annaburger Heide in Sachsen haben rund 300 Einsatzkräfte aus Leipzig, Dresden und Chemnitz in einer 24-Stunden-Übung die Versorgung von bis zu 100 Verletzten nach einem militärischen Angriff auf Nato-Staaten geprobt. Es war die erste Übung dieser Art in Deutschland.

Auf dem Truppenübungsplatz Annaburger Heide in Sachsen haben Einsatzkräfte Ende September erstmals einen Nato-Bündnisfall in Echtzeit geprobt. Rund 300 Helfer der Medizinischen Taskforces Leipzig, Dresden und Chemnitz versorgten in einem 24-Stunden-Betrieb bis zu 100 simulierte Verletzte. Es war nach Angaben der Beteiligten eine der größten gemeinsamen Übungen dieser Art in Deutschland und die erste, die einen Bündnisfall zum Szenario hatte.

Das Übungsszenario ging von militärischen Angriffen auf mehrere östliche Nato-Staaten aus, bei denen zahlreiche Menschen verletzt wurden. Die deutschen Einsatzkräfte übernahmen die Verwundeten an einem zuvor definierten Übergabepunkt, der laut dem medizinischen Leiter der Leipziger Taskforce, Peter Appelt, ein Bahnhof, eine Übergabestelle oder die deutsch-polnische Grenze sein kann. Von dort wurden die Verletzten zum Behandlungsplatz gebracht, wo sie nach dem Sichtungssystem priorisiert und in Behandlungszelten weiter versorgt wurden.

Die Übung folgte einem straffen Zeitplan: Am Dienstag ging das simulierte Hilfegesuch eines Nato-Partners ein, am Mittwoch erging der Einsatzbefehl, am Donnerstag der Marschbefehl, und am Freitag wurde der Behandlungsplatz in Betrieb genommen. Drei Tage nach dem Hilfegesuch stand die Versorgung. Der 24-Stunden-Echtzeitbetrieb war deutschlandweit eine Premiere.

Peter Appelt, internistischer Intensivmediziner an der Uniklinik Leipzig und seit mehr als 20 Jahren im Katastrophenschutz aktiv, beschrieb die veränderte Sicherheitslage. Früher sei eine solche Übung kein Thema gewesen, heute werde der Zweck des Zivilschutzes offener benannt. Der Gedanke an einen Angriff auf das Bündnis sei für ihn zunächst befremdlich gewesen. «Krieg ist scheiße. Keiner will, dass es so weit kommt», sagte Appelt. Man müsse aber vorbereitet sein, um helfen zu können. Deshalb leisteten viele die Arbeit ehrenamtlich.

Bundesweit gibt es 61 Medizinische Taskforces, die aus verschiedenen Hilfsorganisationen zusammengesetzt und Teil des Bevölkerungsschutzes sind. Für die Übung in der Annaburger Heide bauten Appelt und sein Team den Behandlungsplatz auf, die Taskforces aus Dresden und Chemnitz übernahmen Schichten im Wechsel. Die Versorgung umfasste Verbrennungen, Knochenbrüche und Schussverletzungen. Die Abläufe hätten sich eingespielt, bilanzierte Appelt. Der Bund als zuständiger Akteur für den Zivilschutz habe die Übung unterstützt.

Hintergrund der Übung ist die veränderte Bedrohungslage seit dem russischen Angriff auf die Ukraine. Moskau nimmt westliche Unterstützer zunehmend ins Visier, es kommt zu Grenzverletzungen mit Kampfjets und Drohnenvorfällen, zuletzt am Leipziger Flughafen und beim Bundeswehrfliegerhorst Wunstorf. BND-Präsident Martin Jäger warnte am Montag, Deutschland könne in einen gewaltsamen Konflikt mit Russland geraten. Russland führe einen «Schattenkrieg» gegen Deutschland, die Gefahr von Anschlägen sei «weiter real und gegenwärtig».

Appelt berichtete auch von personellen Engpässen. «Ärztinnen und Ärzte fehlen ganz massiv», sagte er. Die Übung habe gezeigt, dass die Abläufe funktionieren, aber auch, wo Grenzen liegen. Die Einsatzkräfte schliefen teilweise in einem Innenraum, weil es zu kalt für die Zelte wurde. 15 Helfer teilten sich einen Schlafsaal. Trotz der Strapazen zog der medizinische Leiter eine positive Bilanz: Der Behandlungsplatz habe gut funktioniert, die Zusammenarbeit der Taskforces sei eingespielt. Die Übung dauerte drei Tage, der Echtzeitbetrieb 24 Stunden.

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Elena Mertens

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Nachrichtenredakteurin

Elena Mertens berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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