Drohnenalarm legt Moskauer Flughäfen lahm
Wegen eines Drohnenalarms mussten Passagiere am Flughafen Scheremetjewo Schutzräume aufsuchen. Auch der Betrieb an allen vier Hauptstadtflughäfen war vorübergehend eingeschränkt. Im Schwarzen Meer wurde unterdessen ein Frachtschiff von einer Drohne getroffen, ein Seemann starb.
Ein Drohnenalarm hat am Freitag den Betrieb am Moskauer Flughafen Scheremetjewo zeitweise lahmgelegt. Passagiere mussten nach Angaben des Flughafens Schutzräume aufsuchen, der Zugang zum Sicherheitsbereich aller Terminals war während der Evakuierung eingeschränkt. Mitarbeiter hätten Menschen dabei unterstützt, sich an sichere Orte zu begeben, und dafür auch Passagiere aus Flugzeugen geholt, hieß es. Der Alarm sei inzwischen wieder aufgehoben, die Passagiere verließen die Schutzräume.
Die russische Luftfahrtbehörde Rosawiazija teilte am Nachmittag mit, dass der Betrieb an allen vier Hauptstadtflughäfen vorübergehend eingeschränkt gewesen sei. Wegen ukrainischer Drohnenangriffe kommt es seit langem immer wieder zu Einschränkungen an russischen Airports. In den vergangenen Wochen häuften sich die Probleme jedoch. Flugzeuge kehren auf dem Weg nach Moskau um oder landen an anderen Flughäfen in Russland, Passagiere sitzen zeitweise fest.
Russland führt seit mehr als viereinhalb Jahren einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Ukraine greift als Teil ihres Abwehrkampfes regelmäßig Ziele im russischen Hinterland an. Anfang September hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, der russische Luftraum werde «faktisch» geschlossen. «Es wird einfach so viele Drohnen im russischen Luftraum geben, dass man dies berücksichtigen muss», sagte er damals.
Unterdessen ist vor der rumänischen Schwarzmeerküste unweit der Grenze zur Ukraine erneut ein Handelsschiff von einer Drohne getroffen worden. Nach Angaben von Rumäniens Präsident Nicusor Dan kam ein Seemann ums Leben, neun weitere wurden gerettet. Nach drei vermissten Seeleuten werde gesucht, berichteten rumänische Medien unter Berufung auf die für Rettungsaktionen zuständige Schifffahrtsbehörde in Constanta. Das Schiff sei gekentert und drohe zu sinken, teilte das Innenministerium in Bukarest mit.
Staatspräsident Dan bezeichnete den Vorfall als weiteren «Eskalationsversuch Russlands» im Zusammenhang mit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine. Ob eine russische Drohne das Schiff traf, sagte er nicht. Der Vorfall ereignete sich 13 Seemeilen von Constanta entfernt und damit knapp außerhalb der rumänischen Hoheitsgewässer. Die Besatzung – zehn Ukrainer und drei Aserbaidschaner – war unter der Flagge der Komoren unterwegs und konnte noch einen Notruf absetzen.
Es ist bereits das vierte Handelsschiff, das allein im Oktober vor der rumänischen Küste vermutlich durch Drohnentreffer verunglückte. Erst gut eine Woche zuvor waren im Abstand von wenigen Tagen zwei Frachter nahe Sulina an der Donaumündung getroffen worden. Anfang Oktober war zudem ein Schiff mit ukrainischem Getreide nahe dem rumänischen Ort Sfantu Gheorghe betroffen. Auch in den Wirtschaftszonen des Nachbarlands Bulgarien gerieten zuletzt mehrere Schiffe ins Visier. Beide Länder fordern deshalb von der Nato mehr Unterstützung für die Sicherheit im Schwarzen Meer.
Unterdessen verdichten sich Hinweise auf neue diplomatische Bemühungen der USA. Wie das britische Magazin «The Economist» berichtet, könnten die derzeit diskutierten US-Vorschläge für ein Ende des Krieges früheren Plänen ähneln. Vorgesehen sei demnach eine demilitarisierte Zone im Donbass. Russland könnte auf Wirtschaftsabkommen mit den USA, eine Lockerung von Sanktionen und eine Normalisierung der diplomatischen Beziehungen hoffen. Für die Ukraine seien ein Investitionspaket und der EU-Beitritt vorgesehen – wenn das Land im Gegenzug auf eine Mitgliedschaft in der Nato verzichtet.
In der seit Monaten abgeriegelten Frontstadt Oleschky im russischen Besatzungsgebiet im Süden der Ukraine hat unterdessen die US-Präsidentengattin Melania Trump nach Angaben des Weißen Hauses eine lokale Waffenruhe zwischen Moskau und Kiew vermittelt. Beide Konfliktparteien hätten vereinbart, alle Kampfhandlungen ab dem 29. Oktober vorübergehend einzustellen. Dadurch solle humanitäre Hilfe sowie eine Evakuierung der Zivilbevölkerung über einen sicheren Korridor ermöglicht werden. «Die Menschen in Oleschky haben nur eingeschränkten Strom, leben inmitten verminter Straßen und müssen regelmäßige Militärangriffe ertragen», sagte sie. Die Stadt am Ufer des Dnipro ist von der Versorgung abgeschnitten, nach ukrainischen Angaben hält Russland dort etwa 2.000 Menschen fest.
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