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Drohnenangriff auf Öltanker im Schwarzen Meer löst schweren Brand aus

Nach russischen Angaben wurde ein unter liberianischer Flagge fahrender Öltanker vor der Küste Südrusslands von Seedrohnen getroffen und in Brand gesetzt. Die 23-köpfige Besatzung wurde gerettet, die Strände bei Sotschi gesperrt. Beide Seiten verstärken ihre Angriffe auf zivile und industrielle Ziele.

Ein Öltanker ist nach russischen Behördenangaben vor der Küste Südrusslands von ukrainischen Seedrohnen angegriffen und in Brand gesetzt worden. Das unter liberianischer Flagge fahrende Schiff sei am Dienstagabend im Schwarzen Meer getroffen worden, teilte das russische Verkehrsministerium mit. Die 23-köpfige Besatzung, die ausschließlich aus indischen Staatsangehörigen bestand, sei gerettet worden. Verletzte gab es nach offiziellen Angaben nicht.

Nach Darstellung des Ministeriums brannte Rohöl offen auf der Wasseroberfläche des Schwarzen Meeres, unweit des Urlaubsorts Sotschi. Wegen des Ausmaßes des Feuers hätten die Einsatzkräfte den Brand zunächst nicht löschen können. Die Feuerwehr habe erst eingreifen können, als die Intensität des Feuers nachließ. Die Strände in der Ortschaft im Süden der Region Krasnodar wurden für die Öffentlichkeit gesperrt. Der Bürgermeister von Sotschi kündigte an, den Zugang zur Küste und zu den Stränden einzuschränken.

In den Onlinediensten verbreiteten sich zahlreiche Videos und Fotos aus der Region. Teile der rund 500.000 Einwohner zählenden Stadt Sotschi waren darauf von Rauch eingehüllt. Zudem waren orange lodernde Flammen auf dem Meer und eine dichte, schwarze Rauchsäule zu sehen, die von der Wasseroberfläche aufstieg.

Der Vorfall markiert eine weitere Eskalation im seit Monaten andauernden Krieg zwischen der Ukraine und Russland. Beide Seiten haben ihre gegenseitigen Angriffe auf zivile und industrielle Ziele verstärkt, darunter Energie-, Transport- und Hafeninfrastruktur sowie Schiffe im Schwarzen Meer. In den vergangenen Wochen kündigten beide Seiten an, ihre Angriffe weiter zu intensivieren. Russland greift vermehrt wichtige Brücken in der ukrainischen Hauptstadt Kiew an, die für Verkehr und Logistik von entscheidender Bedeutung sind. Bei früheren ukrainischen Angriffen auf Ölanlagen in Südrussland kam es zur Bildung von Ölteppichen und zur Schließung von Stränden.

Unterdessen warnte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj vor einem massiven russischen Angriff auf sein Land. In seiner abendlichen Videoansprache erklärte er, es lägen aktuelle Geheimdienstinformationen vor, die darauf hindeuteten, dass Russland einen massiven Angriff vorbereite. Die ukrainischen Sicherheitsdienste und die Luftwaffe seien bereit, im Rahmen der verfügbaren Verteidigungsmittel zu reagieren.

Im Osten der Ukraine kam bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Polizeiauto in Kramatorsk ein Polizist ums Leben. Drei weitere Polizeibeamte wurden verletzt, wie der regionale Polizeichef Olexander Biloschizkyj mitteilte. Kramatorsk liegt im sogenannten ukrainischen Festungsgürtel, der seit Monaten schweren Angriffen der russischen Militärs widersteht. Bei einem weiteren russischen Angriff auf eine belebte Landstraße bei Odessa im Süden der Ukraine wurden mindestens fünf Menschen verletzt. Mehrere Fahrzeuge, hauptsächlich Sattelschlepper, wurden beschädigt, berichtete der regionale Militärverwalter Oleh Kiper.

Die Ukraine kritisierte zudem Südkorea scharf wegen der Lieferung von Treibstoff an Russland. Die Lieferungen stünden in scharfem Kontrast zur Sanktionspolitik Südkoreas, sagte der ukrainische Präsidentenberater Wladyslaw Wlasjuk. Seoul habe Moskau damit geholfen, die durch ukrainische Angriffe ausgelöste Treibstoffknappheit auszugleichen. Laut einem Bericht des britischen Guardian, der sich auf Angaben von Häfen und Schiffstracking-Daten stützt, wurden im Juli und August 176.000 Tonnen Ölprodukte von Südkorea nach Russland verschifft. Aus den Unterlagen gehe demnach nicht hervor, wem der Treibstoff gehörte oder wer ihn verkaufte. Die Lieferungen machten im August fast ein Drittel der russischen Treibstoff-Importe auf dem Seeweg aus. Drei der sieben eingesetzten Tanker seien mit westlichen Sanktionen belegt.

Wlasjuk erklärte, diese Lieferungen hätten genau zu dem Zeitpunkt begonnen, als ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien die Verarbeitungskapazitäten verringerten und in der Russischen Föderation einen Treibstoffmangel verursachten. Mit anderen Worten: Importe aus Südkorea hätten Russland de facto dabei geholfen, die Folgen des Verlustes seiner eigenen Raffineriekapazitäten auszugleichen. Südkorea hatte nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine verschärfte Exportkontrollen gegenüber Russland und dessen Verbündetem Belarus verhängt und Geschäfte mit wichtigen russischen Einrichtungen eingeschränkt.

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Franziska Thielmann

Autor

Reporterin

Franziska Thielmann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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