Ex-BND-Chef August Hanning wegen Spionageverdachts festgenommen
Der frühere BND-Präsident August Hanning und sein ehemaliger Büroleiter Manfred D. sind unter dem Verdacht des versuchten Landesverrats und der geheimdienstlichen Agententätigkeit festgenommen worden. Die Ermittlungen deuten auf eine jahrelange Weitergabe geheimer Dokumente hin.
Der frühere Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, ist am Dienstagmorgen in seinem Haus festgenommen worden. Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) und der Bundesanwaltschaft vollstreckten einen Haftbefehl gegen den 80-Jährigen. Wie der Generalbundesanwalt in Karlsruhe mitteilte, steht Hanning unter anderem unter dem Verdacht des versuchten Landesverrats, der landesverräterischen Ausspähung, des Auskundschaftens von Staatsgeheimnissen und der geheimdienstlichen Agententätigkeit. Zeitgleich wurde in Bad Tölz sein früherer Büroleiter und Assistent, Manfred D., festgenommen. Ihm wird Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung vorgeworfen.
Den Ermittlungen zufolge soll Manfred D. seinen früheren Chef über mehr als zehn Jahre hinweg gegen Geld mit geheimen und wertvollen Informationen aus dem Nachrichtendienst versorgt haben. Insgesamt sollen auf diesem Weg rund 2.000 Dokumente bei Hanning gelandet sein. Die jüngsten Unterlagen stammen laut Ermittlern aus dem Jahr 2022 – zu einem Zeitpunkt, als Hanning bereits seit rund 17 Jahren nicht mehr für den BND tätig war. Unter den Dokumenten sollen sich besonders sensible Informationen befunden haben, die für die nachrichtendienstliche Lage relevant waren. Manfred D. arbeitete noch bis zum Frühjahr 2026 für den Leitungsstab des BND und hatte über die Jahre als Büroleiter für mehrere Präsidenten des Dienstes Zugriff auf zahlreiche geheimhaltungsbedürftige Informationen.
Hanning leitete den Bundesnachrichtendienst von 1998 bis 2005. Anschließend war er Staatssekretär im Bundesinnenministerium, bevor er in die Privatwirtschaft wechselte und als Sicherheitsberater tätig wurde. Nach Informationen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung gibt es keine Hinweise auf eine Verbindung zu Russland. Hanning soll in intensivem Austausch mit einem Angehörigen eines anderen staatlichen Nachrichtendiensts gestanden haben, den er mit politischen Informationen versorgte, die zum Teil auf Material des BND basierten. Der Verdacht lautet, dass er Informationen verkaufen wollte.
Zuletzt stand Hanning auch wegen einer möglichen Beteiligung an der Entführung der Kinder der Hamburger Unternehmerin Christina Block im Fokus. Der frühere BND-Präsident und ein pensionierter Beamter des Landeskriminalamts Hamburg stehen im Verdacht, als Verantwortliche einer Sicherheitsfirma im Jahr 2022 einen Auftrag von Christina Block zur Kindesentziehung angenommen zu haben. Das hatte die Staatsanwaltschaft im Herbst 2025 mitgeteilt. Die aktuellen Ermittlungen wegen Spionageverdachts sind von diesem Verfahren unabhängig.
Die Festnahme Hannings und seines ehemaligen Mitarbeiters wirft ein Schlaglicht auf die Sicherheitsvorkehrungen innerhalb des Bundesnachrichtendienstes. Die Bundesanwaltschaft prüft nun, ob sich der Verdacht des versuchten Landesverrats und der geheimdienstlichen Agententätigkeit erhärtet. Hanning und Manfred D. befinden sich in Gewahrsam. Über die weiteren Ermittlungen und mögliche Anklagen ist bislang nichts bekannt.
6




