Ex-BND-Präsident Hanning wegen Spionageverdachts in U-Haft
August Hanning, ehemaliger Präsident des Bundesnachrichtendienstes, ist wegen des Verdachts der geheimdienstlichen Agententätigkeit und des Landesverrats in Untersuchungshaft. Ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs setzte den Haftbefehl in Vollzug. Auch sein früherer Büroleiter Manfred D. wurde festgenommen.
Der frühere Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, ist wegen Spionageverdachts in Untersuchungshaft. Ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe habe den Haftbefehl gegen den 80-Jährigen in Vollzug gesetzt, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Die oberste Anklagebehörde wirft Hanning geheimdienstliche Agententätigkeit, landesverräterische Ausspähung, das Auskundschaften von Staatsgeheimnissen und versuchten Landesverrat vor.
Hanning war am Dienstag im Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen festgenommen worden. Zeitgleich nahmen Beamte des Bundeskriminalamts seinen früheren Büroleiter beim BND, Manfred D., im bayerischen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen fest. Gegen D. erging ebenfalls ein Haftbefehl; er befindet sich seit Dienstag wegen Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung in Untersuchungshaft.
Nach Angaben der Bundesanwaltschaft sollen die beiden Männer vermutlich im Jahr 2010 vereinbart haben, dass der Ex-Büroleiter dem fünf Jahre zuvor aus dem Amt geschiedenen Hanning gegen Bezahlung fortlaufend wertvolle BND-Erkenntnisse beschaffen sollte. Diese Informationen soll Hanning gewinnbringend für seine Beratertätigkeit genutzt haben. Die Ermittler prüfen, ob er die Informationen auch ins Ausland weitergab und an wen.
Möglicherweise über einen Zeitraum von zwölf Jahren verfügte Hanning damit über Informationen, die ausschließlich für interne Angelegenheiten des deutschen Auslandsgeheimdienstes bestimmt waren. In einem Fall soll er geheime Informationen genutzt haben, um für den Mitarbeiter eines fremden nachrichtendienstlichen Sicherheitsapparates eine Analyse zu erstellen. Ob das Produkt den Adressaten erreichte, ließ sich bislang nicht feststellen, so die Bundesanwaltschaft. Um welches Land es sich handelt, blieb offen.
Hanning leitete den BND von Dezember 1998 bis Ende November 2005. Anschließend wechselte er als Staatssekretär ins Bundesinnenministerium, wohin ihm Manfred D. laut Bundesanwaltschaft zwischen Dezember 2005 und November 2009 als Assistent folgte. Danach ging Hanning in die Privatwirtschaft und arbeitete als Sicherheitsberater. Manfred D. kehrte im März 2012 zum BND zurück und war dort bis März 2026 erneut als Büroleiter für mehrere BND-Präsidenten tätig. In dieser Funktion hatte er Zugriff auf geheimhaltungsbedürftige Informationen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ist Manfred D. mittlerweile pensioniert.
Die Vorwürfe wiegen schwer: Geheimdienstliche Agententätigkeit und Landesverrat zählen zu den schwersten Straftaten, die das deutsche Strafrecht kennt. Die Bundesanwaltschaft, die für die Verfolgung von Staatsschutzdelikten zuständig ist, führt die Ermittlungen. Der Fall wirft Fragen zum Umgang mit geheimen Informationen und zur Sicherheit der deutschen Nachrichtendienste auf. Die Untersuchungshaft gegen Hanning und D. dauert an; die Ermittlungen zu den Hintergründen und möglichen weiteren Beteiligten laufen.
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