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Ex-General Toveri warnt Ukraine vor härtestem Winter des Krieges

Der ehemalige finnische General Pekka Toveri erwartet den härtesten Winter des bisherigen Kriegsverlaufs. Russland verstärkt Angriffe auf Kiews Infrastruktur, Oligarchen finanzieren den Staatshaushalt, und Sicherheitsbehörden rechnen mit mehr hybriden Attacken in Europa.

Der ehemalige finnische General Pekka Toveri warnt die Ukraine vor dem härtesten Winter seit Beginn des russischen Angriffskriegs. In einem Gespräch mit dem «Münchner Merkur» erklärte der Militärexperte, der russische Präsident Wladimir Putin stehe unter erheblichem innenpolitischem Druck und wisse, dass er diesen Krieg gewinnen müsse. An der Front habe sich die Invasion in einen Stellungskrieg verwandelt, in dem Russlands Bodenangriffe weitgehend ins Leere liefen. Zuletzt habe die Ukraine mehr Territorium befreien können, als Russland erobere. «Deshalb wird Putin alles ins Feuer werfen, was er hat», so Toveri. Er erwartet nicht nur Auswirkungen auf die Ukraine, sondern auch auf deren Unterstützer in Europa in Form hybrider Angriffe.

Die russischen Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur haben sich zuletzt deutlich verschärft. In der Nacht zum Freitag wurde die Pivdennyi-Brücke über den Dnipro in Kiew erneut getroffen, nachdem bereits am Donnerstag mehrere Drohnen in der Nähe ihrer Stützkonstruktion und auf der Fahrbahn eingeschlagen waren. Bürgermeister Vitali Klitschko zufolge ist die Brücke derzeit in beide Richtungen gesperrt. Die Auswirkungen reichen über die unmittelbar getroffene Brücke hinaus: Auch die Paton-Brücke wurde zeitweise vollständig gesperrt, auf der Metro-Brücke wurde der Verkehr eingeschränkt. Mehrere Bus- und Trolleybuslinien müssen deshalb über andere Dnipro-Querungen ausweichen. Die Angriffe auf die Paton- oder die Metro-Brücke selbst wurden von den Behörden bislang nicht gemeldet.

Klitschko beschrieb die Lage in der ukrainischen Hauptstadt als «sehr dramatisch». «Der Feind reißt Kiew auseinander», schrieb er am Freitag im Onlinedienst Telegram. «Es ist nicht mehr möglich, so zu tun, als ob wir jetzt noch so wie in Friedenszeiten leben könnten.» Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte der «Financial Times», Putin habe seinem Militär angeordnet, bisherige Beschränkungen bei Luftangriffen auf die Ukraine fallen zu lassen. Er beruft sich dabei auf Erkenntnisse ukrainischer Geheimdienste und abgefangene Kommunikation aus dem Kreml. Putin habe im September deutlich gemacht: «Es gibt jetzt keine Regeln mehr.» Seitdem habe Russland seine Angriffe auf zivile Ziele deutlich ausgeweitet, darunter Schulen, Krankenhäuser, Rechenzentren und Energieanlagen. Die zugrunde liegenden abgehörten Gespräche wurden nicht veröffentlicht und lassen sich unabhängig nicht überprüfen. Russland bestreitet weiterhin, gezielt zivile Einrichtungen anzugreifen.

Unterdessen hat die Ukraine nach eigenen Angaben einen russischen Geheimplan erhalten, der die weitgehende Zerstörung der ukrainischen Energieinfrastruktur vorsieht. Kiew will den Plan eingesehen haben. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht.

Zur finanziellen Unterstützung des russischen Staatshaushalts haben die reichsten Geschäftsleute des Landes in diesem Jahr mehr als ein Prozent der Staatsausgaben über «freiwillige» Kriegsspenden gedeckt. Das geht aus Unterlagen zum russischen Staatshaushalt hervor. Im März hatte Präsident Putin Oligarchen laut der Nachrichtenagentur Reuters um Spenden gebeten. An dem nicht öffentlichen Treffen mit Putin nahmen führende russische Unternehmer teil, die meisten von ihnen stehen unter westlichen Sanktionen. Die vollständige Teilnehmerliste wurde nicht veröffentlicht. Putin sagte im September, nach dem Treffen seien «Hunderte Milliarden» Rubel gespendet worden.

Europäische Sicherheitsbehörden rechnen einem Medienbericht zufolge in den kommenden Monaten mit einer Zunahme russischer Sabotageakte. Ein hochrangiger Nato-Vertreter sagte der «Welt am Sonntag» und dem britischen «Telegraph», das Bündnis erwarte eine aggressivere Kommunikation aus Moskau und eine Ausweitung hybrider Angriffe in Europa. Auch Analysten der Bundesregierung gehen dem Bericht zufolge von einer Verschärfung aus. Als Beispiel gilt der versuchte Anschlag mit einer sprengstoffbeladenen Drohne am Flughafen Leipzig/Halle im August. Die Bundesregierung macht Russland für den Angriff verantwortlich und geht davon aus, dass Deutschland weiter Ziel russischer hybrider Operationen bleibt. Nach Einschätzung deutscher Sicherheitsbehörden spielt dabei vor allem der russische Militärgeheimdienst GRU eine zentrale Rolle. Die russische Botschaft weist Vorwürfe einer Beteiligung Moskaus an Sabotageakten zurück.

Unterdessen gibt es neue Bemühungen um eine Waffenruhe im Schwarzen Meer. Die Türkei und die Vereinten Nationen haben laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg neue Verhandlungen mit der Ukraine und Russland organisiert. Die Gespräche sollen Anfang Oktober stattfinden. Als Vermittler tritt demnach die Schweizer Nichtregierungsorganisation Centre for Humanitarian Dialogue auf. Die Initiative wurde bereits im September vorbereitet. Ob die Verhandlungen tatsächlich zu einer Deeskalation führen, ist offen.

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Elena Mertens

Autor

Nachrichtenredakteurin

Elena Mertens berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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