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Frankreich setzt 3.000 Vertretungslehrer ein

Nach anhaltenden Schulprotesten kündigt Premierminister Sébastien Lecornu den kurzfristigen Einsatz von über 3.000 Vertretungslehrern an. Die Regierung reagiert erstmals konkret auf die Forderungen der Schülerinnen und Schüler.

Die französische Regierung hat auf die seit knapp zwei Wochen andauernden Schulproteste reagiert und den kurzfristigen Einsatz von mehr als 3.000 Vertretungslehrern angekündigt. Premierminister Sébastien Lecornu teilte am Abend mit, ein Aktionsplan von Bildungsminister Édouard Geffray sehe vor, die zusätzlichen Lehrkräfte an den 114 Gymnasien einzusetzen, an denen der Lehrermangel am drängendsten ist. Die Vertretungslehrer sollen zwischen diesem Freitag und kommendem Dienstag ihre Arbeit aufnehmen, wie der Bildungsminister in den Abendnachrichten des Senders TF1 erklärte.

Darüber hinaus kündigte Lecornu die Einstellung von mehreren Hundert zusätzlichen Mitarbeitern an, um den Bedarf an den Schulen zu decken. Nach den Herbstferien sollen zudem mehr kurzfristige Vertretungen durch bereits an den Schulen tätige Lehrkräfte möglich werden. Der Premierminister stellte auch zusätzliche Finanzmittel in Aussicht: Die Regierung werde Änderungsanträge zum Haushalt 2027 einbringen, um bestimmte Vorschläge der Gymnasiasten in konkrete Maßnahmen umzusetzen, insbesondere im Bereich der Vertretungslehrer.

Mit diesen Ankündigungen geht die Regierung erstmals konkret auf die Forderungen der Schülerinnen und Schüler ein, die seit knapp zwei Wochen für eine bessere Ausstattung der Gymnasien, mehr Vertretungslehrer und Investitionen in das Bildungswesen demonstrieren. Dem Protest haben sich inzwischen auch Studierende angeschlossen. Für die kommenden Tage waren weitere Proteste angekündigt.

Am Donnerstag hatten sich an erneuten Demonstrationen nach Angaben des Innenministeriums 71.500 Menschen beteiligt. Allein in Paris gingen demnach 24.500 Menschen auf die Straßen. An Protest- und Blockadeaktionen direkt an Schulen beteiligten sich landesweit 55.000 Menschen. Zumeist verliefen die Demonstrationszüge sowie die Blockaden friedlich. Dennoch kam es im Zuge von Protestaktionen zu 504 Festnahmen, 48 Polizisten wurden verletzt. Empörung gibt es über die rabiaten Polizeieinsätze gegen die zumeist minderjährigen Demonstranten. Wegen mutmaßlicher Polizeigewalt wird gegen einige Beamte ermittelt.

Das Innenministerium berichtete unterdessen über zunehmende Ausschreitungen am Rande der friedlichen Demonstrationen. Betroffen seien insbesondere das Lehrpersonal und Schulen. So wurde in der Nacht in einem Gymnasium in Poitiers Feuer gelegt, das auf das Auto einer Lehrerin übergriff. In Saint-Étienne drangen am Morgen mehrere Dutzend Personen in das Gymnasium ein und verwüsteten die Kantine. In Toulouse wurde ein Schulleiter von einem erwachsenen Demonstranten geschlagen, und in Saint-Chamond erlitt der stellvertretende Schulleiter Verbrennungen im Gesicht durch einen Feuerwerkskörper. Außerdem sei es zu zahlreichen Angriffen auf die Ordnungskräfte und Polizeiwachen gekommen, teilte das Innenministerium mit. In Straßburg etwa wurde ein Polizeiauto in Brand gesetzt, und am Polizeipräsidium von La Rochelle kam es zu Sachbeschädigungen, während auf eine Polizeiwache in Bordeaux ein Brandanschlag verübt wurde.

Die Proteste hatten vor knapp zwei Wochen begonnen und richten sich gegen die unzureichende Ausstattung der Gymnasien und den Lehrermangel. Mit der Bereitstellung der zusätzlichen Vertretungslehrer und der Ankündigung weiterer Maßnahmen versucht die Regierung nun, die Situation zu entschärfen. Ob die Proteste dadurch beendet werden, ist offen. Für die kommenden Tage waren weitere Aktionen angekündigt.

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Christoph Reichert

Autor

Politischer Korrespondent

Christoph Reichert berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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