Friedensnobelpreis geht an südafrikanische Juristin Navanethem Pillay
Das Nobelkomitee in Oslo zeichnet die 85-jährige Menschenrechtlerin für ihren Einsatz für Frieden und Völkerrecht aus. Pillay leitete zuletzt eine UN-Untersuchungskommission, die Israel Völkermord im Gazastreifen vorwarf.
Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay. Das Nobelkomitee in Oslo würdigte damit ihren jahrzehntelangen Einsatz für Frieden und Völkerrecht. Die 85-Jährige habe «maßgeblich dazu beigetragen, dass Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord strafrechtlich verfolgt werden», sagte der Vorsitzende des Nobelkomitees, Jørgen Watne Frydnes, bei der Bekanntgabe.
Die Jury lobte Pillays Unabhängigkeit, ihren «außergewöhnlichen Mut», ihre Integrität und ihren «festen moralischen Kompass». Sie habe Regierungs- und Staatschefs zur Rechenschaft gezogen und Opfern von Gewalt und Konflikten Hoffnung gegeben. In einer Zeit, in der das internationale Recht unter enormem Druck stehe und seine Institutionen angegriffen würden, brauche es Menschen wie Pillay, so das Komitee.
Pillay war bereits als junge Anwältin in Südafrika gegen die Apartheid aktiv und verteidigte Anti-Apartheid-Aktivisten. Später wurde sie Richterin am Obersten Gerichtshof Südafrikas, am Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda und am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Sie amtierte zudem als Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte.
Zuletzt leitete Pillay die Unabhängige Internationale Untersuchungskommission der UN zu den besetzten palästinensischen Gebieten. Diese Kommission warf Israel 2025 Völkermord im Gazastreifen vor. Der leitende WELT-Redakteur Klaus Geiger erklärte, das Nobelkomitee habe sich damit «überraschend stark» in die aktuelle Debatte um den Nahostkonflikt eingemischt.
Von der Auszeichnung erfuhr die Preisträgerin zunächst nichts. «Leider haben wir Navi Pillay nicht erreicht», sagte Frydnes. Er richtete einen Appell an sie: «Wenn du eine norwegische Nummer anrufen siehst, geh bitte dran, wir würden liebend gerne mit dir sprechen.» Pillay hielt sich zum Zeitpunkt der Verkündung in Nürnberg auf, wo sie als Rednerin bei einer Fachkonferenz zum Völkerstrafrecht aufgeführt war.
Der Direktor des Friedensforschungsinstituts Sipri, Karim Haggag, sprach von einer «extrem wichtigen und mächtigen Botschaft zur Verteidigung des Völkerrechts», während mächtige Staaten internationales Recht ignorierten und Institutionen bedrohten. Auch Ole von Uexküll, Direktor der Right Livelihood Stiftung, äußerte sich anerkennend.
Die Auszeichnung ist mit zwölf Millionen schwedischen Kronen dotiert, was rund einer Million Euro entspricht. Der Friedensnobelpreis wird am 10. Dezember in Oslo überreicht, dem Todestag des schwedischen Industriellen Alfred Nobel, der die Preise 1895 in seinem Testament stiftete.
In diesem Jahr waren insgesamt 287 Kandidaten für den Friedensnobelpreis nominiert, darunter 208 Personen und 79 Organisationen. Vorschläge können unter anderem von Kabinettsmitgliedern, Universitätsprofessoren, Staatsoberhäuptern oder früheren Preisträgern eingereicht werden.
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