IOM warnt vor erneuter Vertreibung Millionen ukrainischer Rückkehrer im Winter
Die Internationale Organisation für Migration warnt, dass Millionen in die Ukraine zurückgekehrte Menschen im kommenden Winter erneut vertrieben werden könnten. Beschädigte Wohnungen, Angriffe auf die Energieinfrastruktur und unbezahlbare Heizkosten treiben viele Familien zu neuer Flucht. Fast 3,6 Millionen Menschen sind weiterhin im Land vertrieben, rund 3,8 Millionen sind zurückgekehrt.
Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer, die nach ihrer Flucht vor dem Krieg in ihre Heimat zurückgekehrt sind, könnten in diesem Winter erneut vertrieben werden. Davor warnt die Internationale Organisation für Migration (IOM). Für viele Menschen stelle sich «nicht mehr nur die Frage, ob sie nach Hause zurückkehren können, sondern ob sie dort sicher bleiben können», erklärte der IOM-Regionaldirektor für Europa und Zentralasien, Arthur Erken.
Als Gründe nennt die UN-Organisation beschädigte Wohnungen, wiederholte Angriffe auf die Energieinfrastruktur und unerschwingliche Heizkosten. Diese Faktoren veranlassen demnach viele Familien, eine erneute Flucht aus ihrem Zuhause in Erwägung zu ziehen. Besonders ausgeprägt ist die Unsicherheit bei den Menschen, die erst in den vergangenen drei Monaten zurückgekehrt sind. «Die Absicht, erneut aufzubrechen, ist bei den in den vergangenen drei Monaten Zurückgekehrten am höchsten», teilte die IOM mit.
Nach Angaben der Organisation sind weiterhin fast 3,6 Millionen Menschen innerhalb der Ukraine vertrieben. Etwa 3,8 Millionen Menschen sind seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 an ihren Wohnort zurückgekehrt. Rund 1,45 Millionen von ihnen leben nun in Gebieten nahe der Frontlinie, darunter 565.000 in der Region Charkiw. Diese Region ist besonders häufig Ziel russischer Angriffe und leidet unter schweren Schäden an der Infrastruktur.
Die Warnung der IOM fällt in eine Phase, in der sich die militärische Lage weiter zuspitzt. In der Nacht zum Freitag hat Russland nach Angaben des ukrainischen Energieministeriums ein Objekt der kritischen Energieinfrastruktur in der Region Kiew angegriffen. In Teilen der Hauptstadt und des Umlands fiel der Strom aus. Mit der Wiederherstellung werde begonnen, sobald die Sicherheitslage es zulasse, hieß es. In der Hauptstadt, ihrem Umland und weiteren Regionen des Landes war Drohnenalarm ausgelöst worden.
Der Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, berichtete zudem, dass der Wasserdruck in mehreren Stadtteilen niedrig sei. Drohnentrümmer seien auf das Grundstück eines Privathauses gestürzt, im Erdgeschoss sei ein Feuer ausgebrochen. Die Schäden an der Energieanlage verschärfen die ohnehin prekäre Versorgungslage vor dem Winter.
Unterdessen hat Bulgarien nach Drohnenangriffen auf Handelsschiffe im Mittelmeer eine Verstärkung der Nato gefordert. Verteidigungsminister Dimitar Stojanow erklärte, das Land benötige Kampfflugzeuge, Seeüberwachungsflugzeuge, Luftverteidigungsraketensysteme, Anti-Drohnen-Systeme sowie zusätzliche alliierte Truppen und eine stärkere Nato-Präsenz. Gemeinsam mit Rumänien strebe man eine koordinierte Reaktion an. Die Nato hat bislang nicht reagiert.
Zuvor waren innerhalb von etwa zwölf Stunden zwei Tanker nahe der rumänischen Schwarzmeerküste von Drohnen getroffen worden. Bei dem Angriff vor der rumänischen Küste gerieten zwei Chemikalientanker in Brand, sieben Seeleute werden vermisst. Einem Nato-Militärvertreter zufolge stammten die Drohnen aus Russland. Der rumänische Präsident Nicusor Dan bestätigte die Angriffe, vermied es jedoch, Russland direkt als Verantwortlichen zu benennen. Die Schiffe ankerten nahe der Mündung des Sulina-Kanals, einer für die Ukraine wichtigen Exportroute über die Donau. Eines der Schiffe befand sich in rumänischen Hoheitsgewässern.
In Russland hat ein ukrainischer Drohnenangriff nach Angaben des Gouverneurs der Region Rostow, Juri Sljussar, Industrie- und Lageranlagen getroffen und einen Brand ausgelöst. Ein Mann sei verletzt worden, schrieb Sljussar auf Telegram. Wegen eines Drohnenangriffs stellte zudem der Flughafen der russischen Millionenstadt Sankt Petersburg den Betrieb ein. Auf der Website Flightradar24 war zu sehen, dass mehrere Flugzeuge, die eigentlich in der Stadt an der Ostsee landen sollten, Warteschleifen im Luftraum östlich der Metropole flogen. Finnland schränkte den Luftverkehr über dem östlichen Golf von Finnland ein. Eine offizielle Bestätigung des Angriffs oder möglicher Schäden steht noch aus.
US-Präsident Donald Trump kritisierte die Wiederaufnahme ukrainischer Angriffe auf russische Raffinerien scharf. «Ich halte das für eine Schande», sagte Trump dem Sender Newsmax. Durch die Attacken würden die weltweiten Energiepreise in die Höhe getrieben. Trump bekräftigte seine Kritik an dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und warf ihm vor, weniger Verhandlungsbereitschaft zu zeigen als Kremlchef Wladimir Putin. Der Krieg müsse bald enden, betonte Trump. «Ich glaube, eigentlich möchten beide, dass er endet», fügte er hinzu. «Aber ich finde, dass der Umgang mit Selenskyj schwieriger ist als der mit Putin.»
In Lettland sind bewaffnete Männer auf Nato-Gebiet eingedrungen. Die Armee spricht von einer hybriden Bedrohung. Welche Rolle Russland dabei spielt, ist bislang unklar.
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