Israel kritisiert Friedensnobelpreis für Navanethem Pillay scharf
Die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay erhält den Friedensnobelpreis. Israel reagiert mit scharfer Kritik, auch Donald Trump beschwert sich über die Entscheidung des norwegischen Nobelkomitees.
Die Entscheidung des norwegischen Nobelkomitees, den diesjährigen Friedensnobelpreis an die südafrikanische Juristin und Menschenrechtlerin Navanethem «Navi» Pillay zu vergeben, hat international unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Während das Komitee die 85-Jährige für ihren Einsatz für Frieden und Völkerrecht ehrt, kritisierte Israel die Wahl scharf. Auch US-Präsident Donald Trump äußerte sich ablehnend.
Pillay war in ihrer Laufbahn unter anderem Richterin am Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) und UN-Menschenrechtskommissarin. Zuletzt leitete sie die UN-Untersuchungskommission zu den besetzten palästinensischen Gebieten, die im vergangenen Jahr zu dem Schluss kam, dass Israel im Gazastreifen einen Völkermord begangen habe. Israel wies den Bericht damals als «skandalös» zurück. Die erneute Ehrung einer Person, die an dieser Untersuchung beteiligt war, stößt in Jerusalem auf scharfe Ablehnung. Ein israelischer Regierungsvertreter wird mit den Worten zitiert, «Goebbels applaudiert bestimmt aus der Hölle» – eine drastische Formulierung, die die tiefe Verärgerung über die Entscheidung unterstreicht.
Das norwegische Nobelkomitee hatte die Vergabe am Freitag in Oslo bekannt gegeben. Pillay werde für ihren lebenslangen Einsatz für Frieden und Völkerrecht geehrt, hieß es zur Begründung. Die Juristin genießt international hohes Ansehen, insbesondere für ihre Arbeit an internationalen Gerichten und für die Vereinten Nationen. Die Entscheidung fiel jedoch in eine Zeit wachsender Spannungen zwischen Israel und internationalen Institutionen, die sich kritisch mit der israelischen Politik in den besetzten Gebieten auseinandersetzen.
Auch Donald Trump kritisierte die Vergabe des Friedensnobelpreises erneut scharf. Bei einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat New York bezeichnete er die Entscheidung des Nobelkomitees als «schändlich und peinlich». Er sprach von einem «unauslöschlichen Schandfleck» für Norwegen und die Verantwortlichen. Trump behauptete, er habe Kriege zwischen Nord- und Südkorea, Japan und Nordkorea sowie China und Taiwan verhindert, ohne dafür Belege zu nennen. Der Friedensnobelpreis sei durch «eine Handvoll radikaler Ideologen» für immer diskreditiert worden, sagte er. Norwegen werde er das nicht vergessen.
Von der Preisträgerin selbst habe er noch nie gehört, betonte Trump. Er nannte Pillay eine «mysteriöse Person». «Ich habe noch nie von dieser Person gehört», sagte er und fügte hinzu: «Trotzdem: Glückwunsch.» Trump hat in jedem Jahr seiner Präsidentschaft seine Enttäuschung darüber geäußert, den Friedensnobelpreis nicht erhalten zu haben. Bereits vor der aktuellen Entscheidung hatte er sich mehrfach als verdienten Preisträger dargestellt.
Pillay hatte zuvor mit einem scherzhaften Seitenhieb auf Trump reagiert. Bei einer Fachtagung zum Völkerstrafrecht in Nürnberg sagte sie unter dem Applaus ihrer Kollegen: «Wenn ihr noch ein bisschen lauter klatscht, teile ich den Preis vielleicht mit Trump.» Das Publikum lachte. Die Szene ist in einem Video zu sehen, das Amnesty-International-Generalsekretärin Agnès Callamard auf der Plattform X veröffentlichte. Der Kommentar fiel noch vor Trumps jüngsten Beschwerden.
Die Kritik aus Israel und den USA überschattet die eigentliche Ehrung. Das Nobelkomitee in Oslo verteidigte seine Entscheidung nicht öffentlich, betonte aber die Verdienste Pillays um das Völkerrecht und die Menschenrechte. Die Preisverleihung findet traditionell am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, in Oslo statt. Ob und wie Israel und die USA auf die Zeremonie reagieren werden, ist bislang nicht bekannt.
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