Israel kündigt vollständige Abriegelung des Westjordanlands an
Nach einem Schusswaffenangriff nahe Hebron will Israel das gesamte Westjordanland abriegeln. Ministerpräsident Netanjahu spricht von einem verhinderten schweren Terroranschlag. Die Maßnahme fällt wenige Tage vor der Parlamentswahl.
Israel bereitet nach einem Schusswaffenangriff nahe der Stadt Hebron eine vollständige Abriegelung des besetzten Westjordanlands vor. Regierungschef Benjamin Netanjahu erklärte am Freitag, Israel habe einen «schweren Terroranschlag» verhindert, nachdem Soldaten zwei mutmaßliche palästinensische Angreifer getötet hatten. Er habe das Militär angewiesen, einen Sperrgürtel um Hebron zu errichten und sich ab Freitag auf eine «vollständige Abriegelung des gesamten Westjordanlandes» vorzubereiten.
Bei dem Vorfall wurden nach Angaben des Rettungsdienstes fünf Menschen verletzt, zwei von ihnen schwebten in Lebensgefahr. Das israelische Militär teilte mit, Soldaten seien nach dem Angriff in die Nähe der umkämpften Stadt geeilt. Sie hätten «zwei Terroristen eliminiert» und würden die Durchsuchungen in dem Gebiet fortsetzen. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP beobachtete, wie zwei Palästinenser mit einer Pistole und einem automatischen Gewehr bewaffnet waren und es an einem Kontrollpunkt in der Nähe von Hebron zu Schusswechseln mit israelischen Streitkräften kam. Die Soldaten erschossen die Angreifer schließlich.
Netanjahu sprach den «heldenhaften Kämpfern», die den Anschlag verhindert hätten, seine Anerkennung aus und wünschte den Verletzten eine schnelle Genesung. In Gruppen des Onlinedienstes Telegram hieß es, in der Region seien bereits viele Kontrollpunkte geschlossen. Die Abriegelung fällt wenige Tage vor der Parlamentswahl in Israel, bei der sich Netanjahu zur Wiederwahl stellt. Der Schritt verschärft die Spannungen in dem Gebiet zusätzlich.
Israel hält das Westjordanland seit dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 besetzt. Dort leben rund drei Millionen Palästinenser und mehr als 500.000 israelische Siedler, deren Siedlungen nach Völkerrecht illegal sind. Die angekündigte Abriegelung würde die Bewegungsfreiheit der palästinensischen Bevölkerung erheblich einschränken und könnte die Lage in der Region weiter anspannen.
Unterdessen warnte Bundesaußenminister Johann Wadephul, man werde nicht hinnehmen, dass Iran und die Huthi den Welthandel erpressen. Die Äußerung fiel am Rande von Beratungen der Außenminister in Istanbul. Zugleich berichten israelische Medien, Kampfflugzeuge seien an die iranische Grenze geflogen. Bei einem Angriff auf einen Flughafen in Saudi-Arabien wurde zudem ein Mensch getötet. Die Entwicklungen zeigen, wie eng die Sicherheitslage im Nahen Osten mit den Spannungen im Westjordanland verknüpft ist.
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