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Mutmaßlicher Russland-Spion in Brandenburg festgenommen

Die Bundesanwaltschaft wirft einem ukrainischen Staatsbürger geheimdienstliche Agententätigkeit für Russland vor. Er soll Informationen über Panzer, Munition und Militärstandorte gesammelt haben, unter anderem durch Kontakte in die europäische Rüstungsindustrie.

Die Bundesanwaltschaft hat in Brandenburg einen mutmaßlichen russischen Spion festnehmen lassen. Bei dem Beschuldigten handelt es sich um einen ukrainischen Staatsbürger, der für einen russischen Nachrichtendienst militärisch relevante Informationen gesammelt haben soll. Die Festnahme erfolgte nach Angaben der Behörde am Donnerstag im Landkreis Oder-Spree durch Beamte des Bundeskriminalamts.

Dem Mann wird geheimdienstliche Agententätigkeit vorgeworfen. Er soll spätestens seit Juli 2025 über einen Mittelsmann in Kontakt mit dem russischen Nachrichtendienst gestanden haben. Zu den Informationen, die er mutmaßlich zusammentrug, gehörten Erkenntnisse über die Produktion von Panzern, Munition und Explosivstoffen sowie über Personal und militärische Anlagen an Standorten zur Sicherung der Nato-Ostflanke. Einige dieser Informationen seien öffentlich zugänglich gewesen, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Für andere habe der Beschuldigte gezielt Personen aus der europäischen Rüstungsbranche abgeschöpft.

Der Beschuldigte soll am Freitag einem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe vorgeführt werden, der über die Untersuchungshaft entscheidet. Hintergrund der Ermittlungen sind Erkenntnisse des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Die Festnahme reiht sich in eine Serie von Spionagefällen ein, die in diesem Jahr in Deutschland bekannt geworden sind.

Bereits im Januar ließ die Bundesanwaltschaft in Berlin eine Frau festnehmen, die für einen Mitarbeiter der russischen Botschaft Informationen beschafft und ihm beim Aufbau von Kontakten geholfen haben soll. Gegen die Deutsch-Ukrainerin wurde inzwischen Anklage am Kammergericht in Berlin erhoben. In der ersten Jahreshälfte folgten weitere Festnahmen mutmaßlicher Agenten, die vor allem Informationen mit Bezug auf den Krieg in der Ukraine beschafft haben sollen. Eine Rumänin und ein Ukrainer sollen eine Person ausgespäht haben, die von Deutschland aus Drohnen und Bauteile in die Ukraine lieferte. Ein weiterer Verdächtiger soll einen in Deutschland lebenden ehemaligen Kämpfer der ukrainischen Streitkräfte ausspioniert haben.

Generalbundesanwalt Jens Rommel hatte im Juni betont, dass russische Spione nicht nur Informationen sammeln sollen. «Vielmehr dürften Aktionen in der Regel zur Vorbereitung weiterer geheimdienstlicher Maßnahmen dienen – namentlich Sabotage oder womöglich sogar Angriffe auf ausgespähte Zielpersonen», erklärte Rommel damals. Ziel scheine oft zu sein, die deutsche Unterstützung für die Ukraine zu untergraben.

Nicht nur russische Geheimdienste haben Deutschland im Visier. Im Mai ließ die Bundesanwaltschaft ein Ehepaar festnehmen, das für den chinesischen Geheimdienst an deutschen Hochschulen spioniert haben soll. Kurz darauf erhob die Behörde Anklage gegen einen Spion des Irans, der Juden und Freunde Israels für Mord- und Brandanschläge ausspähte. Der Mann wurde kürzlich in Hamburg zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Besonderes Aufsehen erregte zudem die Festnahme des ehemaligen Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes, August Hanning, dem die Bundesanwaltschaft ebenfalls unter anderem Agententätigkeit vorwirft. Er soll geheime Erkenntnisse des BND für seine Beratertätigkeit genutzt haben. Hanning sitzt ebenso wie sein mitbeschuldigter ehemaliger Büroleiter in Untersuchungshaft.

Der Fall in Brandenburg zeigt, wie gezielt ausländische Nachrichtendienste versuchen, an Informationen über militärische Produktion und Standorte in Deutschland zu gelangen. Die Ermittlungen dauern an. Über die Untersuchungshaft für den Beschuldigten wird in Karlsruhe entschieden.

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Christoph Reichert

Autor

Politischer Korrespondent

Christoph Reichert berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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