Grenzah

Mittwoch, 21. Oktober 2026

© 2026 Grenzah

Teil der GruppeMosaic Media

Entwickelt vonSponge — digital & design

Ukraine-Krieg News: Russland entlässt US-Amerikaner aus Haft

Russland lässt US-Amerikaner Hubbard nach Gesprächen mit Witkoff frei

Der in Russland wegen angeblichen Söldnertums verurteilte US-Bürger Stephen Hubbard ist aus der Haft entlassen worden. Die Freilassung folgt auf ein Treffen zwischen US-Sondergesandtem Steve Witkoff und Präsident Wladimir Putin. Unterdessen steigt in der Ukraine das Vertrauen in Präsident Selenskyj deutlich an.

Der in Russland inhaftierte US-Staatsbürger Stephen Hubbard ist freigelassen worden. Das berichten die staatlichen russischen Nachrichtenagenturen Interfax und Ria Nowosti. Demnach befindet sich der 2022 festgenommene Amerikaner bereits am Flughafen von Sankt Petersburg. Die Freilassung erfolgt kurz nach einem Treffen zwischen dem US-Sondergesandten Steve Witkoff und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Hubbard war im Oktober 2024 in Moskau wegen angeblichen «Söldnertums» für die Ukraine zu einer Haftstrafe von fast sieben Jahren verurteilt worden. Der Lehrer im Ruhestand hatte nach Darstellung der russischen Justiz als Söldner für Kiew gekämpft. US-Präsident Donald Trump hatte nach eigenen Angaben Putin persönlich um die Freilassung gebeten. Es sei an der Zeit, Hubbard zurückzuholen, sagte Trump am Dienstag in Washington. Er habe «ausführlich» mit Putin über den Fall gesprochen und angedeutet, dass sich in Kürze etwas bewegen könne. In der Vergangenheit hatten die USA und Russland wiederholt Gefangene ausgetauscht.

Die Freilassung fällt in eine Phase intensiver diplomatischer Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs. Witkoff war nach einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und europäischen Spitzenpolitikern in Oslo weitergereist, um in Sankt Petersburg Gespräche mit der russischen Führung zu führen. Der norwegische Regierungschef Jonas Gahr Støre, Gastgeber der Gespräche in Norwegen, sagte, Witkoff werde «die Vorschläge, die europäische und amerikanische Kollegen erarbeitet haben», in Russland vorlegen. In Oslo wurden nach Angaben aus norwegischen Medien Sicherheitsgarantien für die Ukraine, territoriale Fragen, Sanktionen sowie die europäische Sicherheit nach dem Krieg erörtert. Neben Witkoff war auch US-Unterhändler Jared Kushner zugeschaltet, ebenso Vertreter mehrerer europäischer Länder, darunter Deutschland, sowie der EU und der Nato.

Selenskyj betonte in Oslo: «Wir sind bereit für Verhandlungen. Wir verlieren den Krieg nicht, aber wir verlieren Menschenleben. Und weil Russland angreift, verlieren wir Menschenleben und Zeit.» Zugleich dankte er den USA dafür, dass die Weitergabe von Geheimdienstinformationen und Frühwarnungen vor russischen Angriffen mit ballistischen Raketen wiederaufgenommen worden sei. Er bekräftigte die Hoffnung der Ukraine, bei einem trilateralen Spitzentreffen Schlüsselfragen für ein Ende des Krieges zu erörtern.

Unterdessen zeigen sich die Ukrainer wieder stärker hinter ihrem Präsidenten vereint. Einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Kyiv International Institute of Sociology (KIIS) zufolge vertrauten 43 Prozent der Befragten, die am 8. und 9. Oktober interviewt wurden, dem Staatschef. Unter jenen, die erst nach dem verstärkten Druck aus Washington zwischen dem 10. und 16. Oktober befragt wurden, waren es 57 Prozent – ein Plus von 14 Prozentpunkten. Zwischen den Befragungszeiträumen lag die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, mit Russland eine Vereinbarung über russischen Diesel getroffen zu haben. Zudem forderte Trump die Ukraine auf, ihre Angriffe auf russische Ölraffinerien einzustellen. Mit diesen Attacken will Kiew Moskaus Möglichkeiten schwächen, den Krieg zu finanzieren.

Das Institut schränkt allerdings ein, methodische Faktoren könnten den Anstieg teilweise erklären. Ob das gestiegene Vertrauen anhalte, sei noch nicht absehbar. Über den gesamten Befragungszeitraum vom 8. bis 16. Oktober vertrauten 54 Prozent der Befragten Selenskyj, 41 Prozent misstrauten ihm. Zugeständnisse an Moskau lehnt eine klare Mehrheit ab: 73 Prozent sprachen sich gegen ein nachgiebigeres Vorgehen Kiews in Verhandlungen mit Russland aus, 20 Prozent dafür.

Trump hatte die Ukraine zuvor aufgefordert, einem Abkommen zur Beilegung des Krieges zuzustimmen. «Die Ukraine muss diesen Krieg beenden wollen», sagte er vor Journalisten im Oval Office. Russland sei im Vorteil, da das Land wie «eine große Maschine» unaufhaltsam vorrücke und bereits «ein sehr großes Stück Land» eingenommen habe.

Unterdessen geht die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Pina Picierno, in einen Hungerstreik. Sie will nach eigenen Angaben «internationale Aufmerksamkeit» auf die Situation in Oleschky lenken, einer Stadt im besetzten Teil der ukrainischen Region Cherson. Picierno fordert einen sofortigen humanitären Waffenstillstand, die Einfuhr von Lebensmitteln und Medikamenten sowie die Möglichkeit der sicheren Evakuierung von Zivilisten.

4Aufrufe

Franziska Thielmann

Autor

Reporterin

Franziska Thielmann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

Weiter im RessortNachrichten