Schülerproteste in Frankreich: Blockaden und Gewalt an über 400 Schulen
Die Proteste französischer Schülerinnen und Schüler für bessere Lernbedingungen gehen in die zweite Woche. An über 400 Gymnasien kam es zu Blockaden, Bränden und Ausschreitungen. Premierminister Sébastien Lecornu will auf die Sorgen der Jugendlichen eingehen und kündigte konkrete Verbesserungen an.
Die Proteste französischer Schülerinnen und Schüler für eine bessere Ausstattung der Schulen und bessere Lernbedingungen sind in die zweite Woche gestartet. Nach vorläufigen Angaben des Bildungsministeriums waren am Montag 413 Schulen von Protest- und Blockadeaktionen betroffen. An landesweit 400 bis 500 Schulen wurde der Unterricht aus Sicherheitsgründen ganz oder teilweise ausgesetzt. Wie bereits in der Vorwoche kam es dabei teils zu Ausschreitungen und Gewalt.
An einem Pariser Gymnasium wurde am Morgen mehrfach versucht, Feuer zu legen. Rund 100 Schülerinnen und Schüler mussten evakuiert werden. Auch die Polizeipräfektur im ostfranzösischen Nancy meldete Brandstiftungen sowie Angriffe mit Feuerwerkskörpern und Molotowcocktails. In Reims wurde der Straßenbahnverkehr wegen der Proteste eingestellt. Die vergangenen Tage waren von teils drastischen Gewaltszenen geprägt: Lehrer wurden angegriffen, Polizisten verletzt, Mülltonnen und Fahrzeuge in Brand gesetzt. Es gab viele Verletzte. Die Ausschreitungen verursachten erhebliche Sachschäden, deren Kosten auf Millionenhöhe geschätzt werden.
Premierminister Sébastien Lecornu rief die Ministerien am Sonntagabend auf, konkrete Verbesserungen an den Schulen des Landes einzuleiten. Der Staat verlange von den Schülerinnen und Schülern der Oberstufe, ihre Zukunft vorzubereiten, hieß es in einem Schreiben des Premiers. «Sie müssen sich darauf verlassen können, dass wir ihnen die dafür notwendigen Mittel zur Verfügung stellen, unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund, ihrem Wohnort oder ihrem Bildungsweg», so Lecornu. Es gehe um Unterrichtsausfall, heruntergekommene Räumlichkeiten, zu lange Schultage, Unsicherheit hinsichtlich der beruflichen Orientierung und ein über die Schule hinausgehendes allgemeines Gefühl, nicht gehört zu werden. Auch viele Schulbeschäftigte teilten diese Sorgen. Die Schülerinnen und Schüler müssten mit ihren legitimen Sorgen Gehör finden, Gewalt und eine Instrumentalisierung der Proteste seien jedoch inakzeptabel.
Für diesen Dienstag haben Schülervertretungen zu landesweiten Protesten aufgerufen. Unterstützung kommt von mehreren großen Bildungsgewerkschaften, die auf ihren Internetseiten zur Beteiligung an den Aktionen und teils auch zum Streik aufrufen. Damit könnte der Protest über die Schülerbewegung hinaus an Breite gewinnen. Die Regierung gerät wegen der Kosten der Ausschreitungen zunehmend unter Druck. Die Entwicklung der kommenden Tage dürfte zeigen, ob die angekündigten Verbesserungen die Lage beruhigen können.
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