Starlink-Ausfälle treffen ukrainische Drohnen
SpaceX hat die militärische Nutzung von Starlink für ukrainische Drohnen eingeschränkt. Ein Berater Selenskyjs bestätigt Verbindungsabbrüche bei hohen Geschwindigkeiten. Polen fordert eine Erklärung von Elon Musk, während Kiew einen politischen Zusammenhang mit dem Druck aus Washington vermutet.
Die ukrainischen Streitkräfte können ihr Satelliteninternet Starlink bei militärischen Drohneneinsätzen nicht mehr uneingeschränkt nutzen. Wie der Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für Militärtechnologie, Serhij Beskrestnow, auf Telegram mitteilte, hat der US-Raumfahrtkonzern SpaceX die Verbindung bei höheren Fluggeschwindigkeiten eingeschränkt. Betroffen ist vor allem Starshield, die für militärische Zwecke entwickelte Version von Starlink. Seit der Nacht zum Mittwoch breche die Verbindung bei Geschwindigkeiten von mehr als 160 Kilometern pro Stunde teilweise ab. Mehrere Einsätze der ukrainischen Streitkräfte seien deshalb nicht durchführbar gewesen. Eine Vorabinformation über die Einschränkung habe es nicht gegeben.
Das ukrainische 7. Korps bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters ebenfalls Probleme bei Drohneneinsätzen. Demnach fiel die Verbindung teilweise bereits bei Geschwindigkeiten zwischen 110 und 120 Kilometern pro Stunde für zehn bis 20 Sekunden aus. Die Drohnen flogen zwar weiter, ließen sich während der Unterbrechungen aber nicht zuverlässig steuern. Der ukrainische Aktivist und frühere Berater des Verteidigungsministeriums, Serhij Sternenko, hatte die Einschränkungen zuerst öffentlich gemacht. Er vermutet, dass SpaceX auf Druck der US-Regierung gehandelt haben könnte. Auch Beskrestnow sieht einen möglichen politischen Zusammenhang. Die Entscheidung könne angesichts der aktuellen politischen Lage kein Zufall sein, erklärte er.
Belege für eine Anweisung von US-Präsident Donald Trump gibt es bislang allerdings nicht. Auch ist nicht geklärt, weshalb SpaceX die Beschränkungen eingeführt hat. Das Unternehmen reagierte auf eine Anfrage von Reuters zunächst nicht. Unterdessen nahmen zuletzt die Spannungen zwischen Washington und Kiew zu. Trump drängt die Ukraine, Angriffe auf russische Ölraffinerien einzustellen. Die US-Regierung hat deshalb ihren Druck auf Kiew erhöht. Allerdings nutzen ukrainische Drohnen für Angriffe auf russische Raffinerien nach Reuters-Informationen andere Kommunikationssysteme.
Inzwischen hat sich auch der polnische Außenminister Radosław Sikorski eingeschaltet. Er wandte sich auf X direkt an SpaceX-Chef Elon Musk und fragte, ob dieser seine Produkte erneut für politische Zwecke einsetze. Die europäischen Kunden würden ihn genau beobachten, schrieb Sikorski. Polen beteiligt sich an der Finanzierung der Starlink-Nutzung durch die Ukraine. Für das ukrainische Militär sind die Einschränkungen ein ernstes Problem. Seit Beginn der russischen Großinvasion 2022 nutzt es Starlink zur Kommunikation an der Front. Später wurde das System auch für Drohnen unverzichtbar, die weit hinter den russischen Linien Nachschubwege und militärische Ziele angreifen. Die Satellitenverbindung gilt als vergleichsweise widerstandsfähig gegen elektronische Störmaßnahmen. Auch größere Versorgungsdrohnen, die Munition und andere Güter zu ukrainischen Stellungen transportieren, sind auf stabile Verbindungen angewiesen. Fallen diese während des Fluges aus, können Einsätze scheitern. Eine vollständige Abschaltung von Starlink in der Ukraine liegt allerdings nicht vor. Nach Angaben Sternenkos funktionieren gewöhnliche Terminals weiterhin. Wie lange die Einschränkungen für militärische Anwendungen bestehen bleiben, ist bislang offen.
6




