Studie: 50.000 Hitzetote in Europa im Sommer 2026
Britische Forscher schätzen, dass der Sommer 2026 in europäischen Städten rund 50.000 Menschen das Leben kostete – so viele wie nie zuvor. Deutschland liegt im Ranking weit oben, fast zwei Drittel der Todesfälle gehen auf den Klimawandel zurück.
Der Sommer 2026 hat in europäischen Städten schätzungsweise 50.000 Menschen das Leben gekostet. Das ist das Ergebnis einer Analyse von Wissenschaftlern des Imperial College London und der London School of Hygiene & Tropical Medicine. Nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen sei die hitzebedingte Sterblichkeit in weiten Teilen Europas so hoch gewesen, teilte das Forschungsteam mit.
Die Forscher führen fast zwei Drittel der Todesfälle – 65 Prozent – direkt auf den vom Menschen verursachten Klimawandel zurück. «Wir können mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass der Sommer 2026 der schlimmste seit Beginn der Aufzeichnungen war, was die hitzebedingte Sterblichkeit in weiten Teilen Europas angeht», sagte Clair Barnes, Forscherin für Extremwetter und Klimawandel am Imperial College. «Hinter diesen Statistiken stecken echte Menschen, die ihr Leben verloren haben, und Familien, die um sie trauern.»
Für die Analyse untersuchten die Wissenschaftler Daten aus gut 850 urbanen Zentren in der EU, Großbritannien, Norwegen und der Schweiz. In diesen Gebieten leben etwa 40 Prozent der Bevölkerung der genannten Länder. Zum Vergleich: Für das Jahr 2022 wird in derselben Region von etwa 29.000 Hitzetoten ausgegangen. Der Anteil der Todesfälle, die dem Klimawandel zugerechnet wurden, lag damals noch bei 59 Prozent.
Besonders drastisch wirkte sich der Juni 2026 aus. Fast ein Drittel aller Todesfälle durch Hitze entfiel auf den Zeitraum vom 17. Juni bis 1. Juli. In diesen zwei Wochen lagen die Temperaturen im Schnitt fünf Grad über dem Mittel der Vergleichszeiträume der Jahre 1991 bis 2020. Die Forscher betonen zudem, dass nicht nur ältere Menschen betroffen waren: Schätzungsweise 6.000 der 50.000 Hitzetoten waren unter 65 Jahre alt.
Deutschland steht in dem Ranking überraschend weit oben und verzeichnet mit die meisten Hitzetoten in Europa. Genaue Länderzahlen nannte die Studie nicht, doch die hohe Zahl unterstreicht die besondere Betroffenheit der Bundesrepublik. Die Wissenschaftler sehen in der hohen Sterblichkeit auch ein Warnsignal für die Anpassung an steigende Temperaturen.
«Es wird immer deutlicher, dass unsere Städte schlecht an die steigenden Temperaturen angepasst sind, und es ist entscheidend, dass wir unsere Anpassungsbemühungen verstärken», betonte der Epidemiologe Pierre Masselot von der London School of Hygiene & Tropical Medicine. «Das bedeutet, die Städte durch mehr Grünflächen und weniger Umweltverschmutzung zu kühlen und die Bevölkerung medizinisch zu versorgen.»
Für ihre Schätzung entwickelten die Forscher eine Methode, mit der sie Hitzetote aus historischen Daten seit dem Jahr 2000 berechnen und mit tatsächlich gemeldeten Statistiken vergleichen. Mit derselben Methode ermittelten sie eine hypothetische Zahl der Hitzetoten ohne die Effekte des anthropogenen Klimawandels. Aus der Differenz ergibt sich die Übersterblichkeit, die durch die Erwärmung infolge von Treibhausgasemissionen verursacht wurde.
Die Ergebnisse reihen sich in eine Reihe von Untersuchungen ein, die auf die zunehmende Belastung durch extreme Hitze hinweisen. Bereits in den vergangenen Jahren hatten Forscher wiederholt vor steigenden Hitzetoten in Europa gewarnt. Die aktuelle Analyse zeigt nun, dass die Zahl der Todesfälle innerhalb weniger Jahre deutlich gestiegen ist – von rund 29.000 im Jahr 2022 auf etwa 50.000 im Sommer 2026. Der Anteil, der dem Klimawandel zugeschrieben wird, wuchs im gleichen Zeitraum von 59 auf 65 Prozent.
Die Wissenschaftler fordern daher verstärkte Anstrengungen beim Hitzeschutz. Dazu gehören neben mehr Grünflächen in Städten auch der Ausbau der medizinischen Versorgung und die Reduzierung von Luftverschmutzung. Die Ergebnisse der Studie wurden von britischen Forschern veröffentlicht und stützen sich auf Schätzmodelle, die auf historischen Daten basieren.
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