Zugkollision in Spanien fordert mindestens 64 Todesopfer
Bei der Kollision zweier Hochgeschwindigkeitszüge nahe Urda in der Provinz Toledo sind mindestens 64 Menschen gestorben. Verkehrsminister Oscar Puente führt das Unglück auf eine falsche Entscheidung der Bahnleitstelle zurück.
Bei einem schweren Zugunglück in Spanien sind mindestens 64 Menschen ums Leben gekommen. Zwei Hochgeschwindigkeitszüge stießen am Morgen nahe Urda in der Provinz Toledo, rund 130 Kilometer südlich von Madrid, zusammen. Nach Angaben der Regionalregierung von Kastilien-La Mancha gibt es außerdem zahlreiche Verletzte, eine genaue Zahl wurde zunächst nicht genannt.
Verkehrsminister Oscar Puente sprach von einer „unerklärlichen“ und „falschen“ Entscheidung der Bahnleitstelle. Das automatische Zugsicherungssystem habe nach einem Computerausfall noch nicht wieder funktioniert, dennoch sei einem der Züge grünes Licht zur Weiterfahrt gegeben worden. Die Zeitung „El País“ hatte zuvor unter Berufung auf erste Ermittlungen menschliches Versagen als mögliche Ursache genannt.
Nach Angaben des Fernsehsenders RTVE entgleisten zwei Waggons eines Zuges des privaten Bahnunternehmens Iryo nach dem Zusammenstoß und stürzten einen Bahndamm hinunter. Laut der Regionalregierung befanden sich 146 Passagiere und ein Baby im Iryo-Zug. Im Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe saßen 397 Menschen. Der Iryo-Zug war offenbar aus bislang unbekannten Gründen zum Stehen gekommen. Aus Kreisen des Bahnnetzbetreibers Adif hieß es, der nachfolgende Renfe-Zug sei kurz vor neun Uhr auf ihn aufgefahren. Beide Züge waren in Richtung Süden nach Andalusien unterwegs.
Der Bahnverkehr zwischen Madrid und Andalusien wurde in beide Richtungen unterbrochen. Am Unglücksort waren Feuerwehrleute aus den nahe gelegenen Orten Alcázar de San Juan und Orgaz sowie Zivilschutzkräfte mehrerer umliegender Gemeinden im Einsatz. Drei Rettungshubschrauber und zwei mobile Intensivstationen versorgten die Verletzten. Das Innenministerium in Madrid ordnete zudem den Einsatz der Militärischen Nothilfeeinheit UME an.
Ein Überlebender schilderte der Zeitung „El País“ die dramatischen Momente. Jesús Jerónimo saß in einem Waggon des Renfe-Zuges auf dem Weg nach Sevilla und arbeitete an seinem Laptop. „Ich spürte plötzlich eine heftige Beschleunigung und wurde mit voller Wucht gegen den Vordersitz geschleudert. Menschen flogen durch die Luft“, sagte der 54-Jährige. Zunächst hätten die Passagiere geglaubt, der Zug sei entgleist. Als sie nach und nach ausstiegen, sahen sie, dass der Zug schräg stand. Jerónimo half anschließend den Rettungskräften, unter anderem beim Halten von Infusionen.
Ministerpräsident Pedro Sánchez zeigte sich auf X „bestürzt über das schwere Zugunglück in Toledo“ und sprach den Betroffenen sein Mitgefühl aus. Auch in Deutschland löste das Unglück Betroffenheit aus. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schrieb, die Nachricht mache ihn „tief betroffen“. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, Europa trauere mit den Familien und Angehörigen der Opfer.
Das Unglück weckt Erinnerungen an die schwere Zugkatastrophe im Januar bei Adamuz in Andalusien. Damals entgleiste ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug und stieß mit einem entgegenkommenden Zug von Renfe zusammen. Bei jenem Unglück kamen 46 Menschen ums Leben, mehr als 150 wurden verletzt. Die Ursache des aktuellen Unglücks ist noch Gegenstand der Ermittlungen.
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