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AfD-Leak: Im Netz werden gefälschte Mails verbreitet

AfD-Leak: Gefälschte Mails verbreiten sich im Netz

Nach der Veröffentlichung Hunderttausender gestohlener AfD-Mails kursieren im Netz gefälschte Screenshots, die angeblich aus dem Leak stammen. Die Partei spielt den Vorfall herunter, intern herrscht jedoch Aufregung. Auch Politiker von Grünen und CDU fielen auf die Fälschungen herein.

Nach der Veröffentlichung Hunderttausender gestohlener E-Mails aus der AfD verbreiten sich im Internet zunehmend gefälschte Screenshots, die angeblich aus dem Datenbestand stammen. Die Partei bemüht sich öffentlich, den Vorfall als unbedeutend darzustellen, doch intern ist die Lage angespannter als von führenden Funktionären eingeräumt. In der Parteizentrale müssen Fragen von Journalisten und verunsicherten Mitgliedern beantwortet werden, während noch unklar ist, wie groß der Schaden tatsächlich ist.

AfD-Schatzmeister Hannes Gnauck bezeichnete den Leak am Dienstag als «ein paar Gigabyte unwichtiges Zeug» aus «längst nicht mehr genutzten Mail-Konten». Eine E-Mail des AfD-Geschäftsführers Hans-Holger Malcomeß an alle Mitglieder und Förderer zeichnet jedoch ein anderes Bild. Darin ist von einem Hackerangriff auf einen technischen Hosting-Dienstleister der Partei «vor wenigen Wochen» die Rede, bei dem zwei Dutzend Postfächer kompromittiert worden seien. Ein Teil dieser Daten sei nun veröffentlicht worden. Betroffen seien Schriftverkehr von drei alten E-Mail-Adressen des AfD-Bundesverbands, drei Adressen der AfD Nordrhein-Westfalen, zwei Adressen der AfD Mecklenburg-Vorpommern sowie zwei Adressen des AfD-Fanshops. Besonders betroffen sei der Landesverband NRW. Man befinde sich «weiterhin in der Auswertung der kopierten Daten», weshalb noch keine abschließende Einschätzung möglich sei.

Für die AfD ist der Leak aus zwei Gründen problematisch. Zum einen stellt sich die Frage, ob die Parteizentrale bei Datenschutz und IT-Sicherheit Fehler gemacht hat, die noch Konsequenzen haben könnten. Zum anderen bergen die E-Mails parteiinternen Sprengstoff. Bereits nachweisbar ist, dass mit dem Mailverkehr teilweise Listen mit Tausenden sensiblen Datensätzen veröffentlicht wurden, darunter eine Liste von mehr als 3.000 AfD-Mitgliedern in Nordrhein-Westfalen.

Noch bevor der riesige Datensatz von Journalisten und Experten umfassend ausgewertet werden konnte, kursieren bereits Screenshots vermeintlich skandalöser E-Mails von AfD-Funktionären, die jedoch nicht im Leak zu finden sind. Diese Fälschungen wurden am Dienstag und Mittwoch in sozialen Netzwerken häufig geteilt, teils verbunden mit der Aufforderung nach einem Parteiverbot. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Johannes Wagner erhielt auf Instagram 140.000 Likes für einen Beitrag mit drei angeblichen Zitaten. «Die Enthüllungen um die AfD-E-Mails zeigen und belegen unfassbare Aussagen», kommentierte Wagner, obwohl die Zitate frei erfunden waren. Von AfD-Unterstützern werden die Fakes genutzt, um die Glaubwürdigkeit des gesamten Leaks infrage zu stellen. Die ersten tatsächlich echten Belege hatten am späten Montagabend das Portal «International Cyber Digest» veröffentlicht; die später auftauchenden Screenshots lehnen sich stark an diese Optik an.

Eine dieser Fälschungen trug am Mittwoch auch der Vorsitzende des Innenausschusses im Landtag von Baden-Württemberg, Bastian Schneider (CDU), vor. Als Beleg für seine Aussage, die AfD dulde «braunen Schmutz» in ihren Reihen, nutzte er eine gefälschte E-Mail. Darin wurde dem AfD-Landtagsabgeordneten Andreas Keith die Aussage zugeschrieben, Geburtstage großer deutscher Männer wie Adolf Hitler gehörten zur deutschen Geschichte und sollten nicht tabuisiert werden. Keith stellte klar, er habe diese Aussage nicht getroffen. Es handele sich um den Versuch, ihm persönlich zu schaden. «Adolf Hitler war ohne jeden Zweifel ein Verbrecher», so Keith. Die Mail mit dem Wortlaut findet sich nicht im Datensatz.

In einem zweiten Fall wurde Christer Cremer, Vorsitzender der AfD Köln, untergeschoben, Äußerungen eines anderen AfD-Mitglieds in einer E-Mail stark verharmlost zu haben. In der gefälschten Mail hieß es, der Mann habe den Hitlergruß gezeigt und davon gesprochen, «fremde Frauen» zu vergewaltigen. Cremer «spreche doch nur aus, was viele denken», wurde er fälschlicherweise zitiert. Tatsächlich hat Cremer an dem Datum der Mail eine Nachricht geschrieben, allerdings mit anderem Wortlaut: Er lieferte belastendes Beweismaterial gegen den Parteikollegen und forcierte in weiteren E-Mails dessen Parteiausschluss. Ein dritter Beitrag stellt eine Mail eines Hotelbetreibers im sächsischen Oybin völlig überspitzt dar. Der Mann erlebt nun Anfeindungen für eine unterstützende Nachricht, die er bereits 2016 an die damalige AfD-Chefin Frauke Petry zum Waffeneinsatz an der Grenze geschrieben hatte – jedoch in ganz anderem Wortlaut als dargestellt.

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Dominik Zimmermann

Autor

Wirtschaftsanalyst

Dominik Zimmermann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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