Altkanzler Schröder tritt überraschend bei Forum in China auf
Gerhard Schröder ist bei einem Kongress in China aufgetreten und nahm in der ersten Reihe des Global Governance Forums Platz. Der Auftritt folgt auf seinen umstrittenen Besuch bei Wladimir Putin und sorgt für neue Kritik.
Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder hat überraschend an einem Kongress in China teilgenommen. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, nahm er in der ersten Reihe des Global Governance Forums Platz, das sich mit Fragen der globalen Ordnungsgestaltung befasst. Der Auftritt des Altkanzlers war im Vorfeld nicht angekündigt worden und sorgte bei Beobachtern für Aufmerksamkeit.
Schröder war zuletzt wegen seiner Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin heftig in die Kritik geraten. Erst vor wenigen Tagen soll er mit Putin dessen Geburtstag gefeiert haben. Der Besuch in Moskau wurde von politischen Beobachtern als Zeichen der anhaltenden Verbundenheit Schröders mit dem Kreml gewertet. Nun folgt der Auftritt in Peking, wo der Altkanzler als Ehrengast an der Eröffnungsfeier des Forums teilnahm.
Das Global Governance Forum dient der chinesischen Regierung als Plattform, um ihre Vorstellungen von einer multipolaren Weltordnung zu verbreiten. Peking wirbt dabei für eine internationale Ordnung, in der der Einfluss der USA deutlich geringer ausfallen soll. Schröders Teilnahme an dieser Veranstaltung wird in diesem Kontext als symbolische Unterstützung der chinesischen Position interpretiert. Der Altkanzler selbst hat sich zu den Gründen seines Besuchs bislang nicht öffentlich geäußert.
Die Reise nach China ist Teil einer Reihe von Auslandsauftritten Schröders, die seit dem russischen Angriff auf die Ukraine immer wieder für Kontroversen gesorgt haben. Der ehemalige SPD-Vorsitzende und Bundeskanzler von 1998 bis 2005 steht seit Jahren wegen seiner Tätigkeiten für russische Energieunternehmen in der Kritik. Nach dem Ende seiner Kanzlerschaft hatte er führende Positionen bei Nord Stream und Rosneft übernommen. Diese Engagements wurden nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine zu einem erheblichen politischen Streitpunkt in Deutschland.
Innerhalb der SPD und in der breiten Öffentlichkeit wird Schröders Verhalten seit Langem kritisch gesehen. Der Auftritt in China dürfte die Debatte über den Umgang mit dem Altkanzler erneut anfachen. Während seiner Amtszeit hatte Schröder die wirtschaftlichen Beziehungen zu China ausgebaut und galt als Befürworter einer engen Zusammenarbeit mit Peking. Diese Haltung hat er auch nach seinem Ausscheiden aus dem Kanzleramt beibehalten.
Das Global Governance Forum findet in diesem Jahr unter besonderer Beobachtung, da die geopolitischen Spannungen zwischen China, Russland und dem Westen zugenommen haben. Die chinesische Führung nutzt solche Veranstaltungen, um internationale Unterstützung für ihre Positionen zu demonstrieren. Schröders Teilnahme in der ersten Reihe des Forums wird daher nicht nur als privater Besuch, sondern auch als politisches Signal gewertet.
Ob der Altkanzler im Rahmen des Forums weitere Gespräche führen wird, ist nicht bekannt. Sein Auftritt in Peking reiht sich in eine Serie von Reisen ein, die Schröder in den vergangenen Monaten unternommen hat. Beobachter in Berlin sehen darin den Versuch, seine internationalen Kontakte trotz der Kritik in Deutschland aufrechtzuerhalten. Eine offizielle Stellungnahme der Bundesregierung zu dem Besuch lag zunächst nicht vor.
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