China führt Lizenzpflicht für Drohnen-Exporte ein und trifft damit die Nato-Beschaffung
Ab dem 18. November benötigen Exporteure in China für leistungsstarke Drohnenkomponenten eine Genehmigung aus Peking. Die Nato-Staaten sind bei Motoren, Sensoren und Seltenen Erden stark von chinesischen Lieferungen abhängig – die neue Regel könnte die europäische Drohnenproduktion ausbremsen.
Die Nato-Staaten investieren Milliarden in den Aufbau ihrer Drohnenflotten. Doch ein erheblicher Teil der dafür benötigten Bauteile stammt aus China. Nun verschärft Peking die Ausfuhrregeln: Ab dem 18. November benötigen Exporteure für bestimmte Drohnen und Drohnenteile eine Genehmigung der chinesischen Behörden. Das haben das Handelsministerium, die Zollbehörde und die Ausrüstungsabteilung der Zentralen Militärkommission gemeinsam bekannt gegeben.
Auf der Liste stehen unter anderem leistungsstarke Elektromotoren samt Steuergeräten, große Propeller, Autopiloten, Funktechnik sowie Software für Drohnenschwärme und autonome Navigation. Ein Sprecher des Handelsministeriums versicherte, Anträge, die die Vorgaben erfüllten, würden genehmigt. Für die europäische Rüstungsindustrie ist die Entscheidung dennoch mehr als eine handelspolitische Randnotiz. Sie legt offen, wie stark die Produktion von Drohnen von Lieferketten abhängt, die unter chinesischer Kontrolle stehen. Mit jeder neuen Lizenzpflicht wächst Pekings Einfluss darauf, ob die Fertigung in Europa läuft oder ins Stocken gerät. Kurzfristig gibt es keinen gleichwertigen Ersatz.
An Kapital mangelt es der Branche nicht. Europäische Rüstungs-Start-ups dürften in diesem Jahr rund 10,5 Milliarden US-Dollar an Risikokapital einsammeln, schätzt der Datenanbieter Dealroom. Von den bis September eingeworbenen 7,4 Milliarden Dollar flossen 4,7 Milliarden an Drohnenhersteller. Ein Zentrum der Branche ist die Region München mit Firmen wie Helsing und Quantum Systems. Viele Bauteile und die für den Bau nötigen Rohstoffe kommen jedoch aus China. Darauf weist der frühere OECD-Handelsexperte Nathan Alan-Lee in einem Beitrag für die US-Denkfabrik Center for European Policy Analysis hin. Halbleiter benötigen teils Gallium, Ziel- und Wärmebildoptiken Germanium, bürstenlose Motoren Seltene Erden, Akkus je nach Bauart Kobalt und Graphit.
China hat seine Exportkontrollen für Drohnen und Bauteile seit 2023 mehrfach verschärft. Ende 2024 begannen chinesische Hersteller, Lieferungen von Motoren, Akkus und Flugsteuerungen an Kunden in den USA und Europa zu begrenzen oder einzustellen. Im Mai 2025 berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf einen EU-Beamten, Peking drossele die Ausfuhr von Magneten für Drohnenmotoren in den Westen, während die Lieferungen nach Russland stiegen. China wies das zurück. Im April 2026 setzte das Handelsministerium erstmals europäische Firmen auf seine Exportkontrollliste, darunter den deutschen Rüstungselektronikkonzern Hensoldt – nach chinesischer Darstellung wegen Waffengeschäften mit Taiwan.
Wie hart die Regeln die Branche treffen, hängt vom Einzelfall ab. Bestimmte Motoren sind erst ab einer Leistung von 48 Volt und 3 Kilowatt lizenzpflichtig, wie das Fachportal DroneXL aus dem Verordnungstext ableitet. Das betrifft vor allem schwere Lastdrohnen, kaum aber die billigen FPV-Drohnen, die an der ukrainischen Front massenhaft eingesetzt werden. Exporteure mit nachgewiesenen Kontrollsystemen können Sammelgenehmigungen beantragen, außer für Lieferungen in die USA. Entscheidend ist daher weniger ein Lieferstopp als der Mechanismus: Wer Lizenzen erteilt, kann sie auch verweigern.
Noch grundlegender ist die Abhängigkeit bei Rohstoffen. Laut dem im Juli veröffentlichten Rohstoffbericht der Internationalen Energieagentur entfallen 84 Prozent der Raffination jener Seltenen Erden, die für Dauermagnete gebraucht werden, auf China. Ohne solche Magnete dreht sich kein Drohnenmotor. Bei raffiniertem Graphit für Akkus liegt Chinas Anteil bei rund 90 Prozent. Für Gallium, Germanium und bestimmte Seltene Erden zahlten Käufer in Europa das Drei- bis Fünffache der chinesischen Preise. Seit April 2025 verlangt Peking für sieben schwere Seltene Erden Exportlizenzen. Ein schärferes Paket vom Oktober 2025, das auch im Ausland gefertigte Produkte mit chinesischen Seltenen Erden erfasst hätte, setzte China im Zuge des Handelsfriedens mit den USA bis zum 10. November 2026 aus. Ende September erklärte das Handelsministerium, die zugrunde liegende Vereinbarung gelte bis zum 10. Januar 2027. Eine formelle Verlängerung, die Seltene Erden ausdrücklich nennt, ist bislang nicht veröffentlicht. Der EU sagte Peking Anfang Oktober zu, Lizenzen für Seltene Erden und Magnete weiter beschleunigt zu erteilen. Abgeschafft sind die Kontrollen damit nicht.
Wie sich die Abhängigkeit auswirkt, zeigt sich in der Ukraine. Anfang 2024 kamen fast 90 Prozent der von der Ukraine importierten Drohnenteile direkt aus China, in den ersten acht Monaten 2026 nur noch 28 Prozent, berichtet die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf ukrainische Zolldaten. Insbesondere Polen und Tschechien liefern der Ukraine mittlerweile viele Drohnenteile. Doch auch diese Bauteile dürften größtenteils in China hergestellt worden sein. Magnete, Motoren, Chips, Wärmebildsensoren und Akkuzellen stammen laut AP weiterhin überwiegend aus China. Ein Komplettumstieg auf westliche Teile könnte die Kosten nach Angaben eines ukrainischen Rüstungsmanagers erheblich erhöhen.
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