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Keine Fortschritte bei Haushaltsverhandlungen auf EU-Gipfel

EU-Gipfel vertagt Haushaltsverhandlungen – Deutschland und Frankreich einigen sich im Auto-Streit

Die EU-Staats- und Regierungschefs haben ihre Verhandlungen über den nächsten Sieben-Jahres-Haushalt ohne Ergebnis vertagt. Deutschland und Frankreich erzielten am Rande des Gipfels eine vorläufige Einigung, die das Verbrenner-Aus aufweichen könnte. Am Freitag beraten die EU-Chefs mit Wolodymyr Selenskyj über weitere Ukraine-Hilfen.

Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union haben ihre Verhandlungen über den nächsten Sieben-Jahres-Haushalt der Gemeinschaft ohne Ergebnis vertagt. Nach stundenlanger, heftig geführter Debatte am Donnerstag in Brüssel trafen die unterschiedlichen Positionen unversöhnlich aufeinander. Aus deutschen Regierungskreisen hieß es, die Diskussion sei «kontrovers» verlaufen. Ein neuer Anlauf ist für den EU-Gipfel im Dezember geplant.

Die Fronten waren bereits vor dem Treffen klar: Auf der einen Seite stehen die Mitgliedstaaten, die ein größeres Budget fordern, auf der anderen die Sparsamen. Neben Deutschland zählen Österreich, Schweden, Dänemark, die Niederlande und Finnland zu dieser Gruppe. Die EU-Kommission hatte im Sommer einen Entwurf in Höhe von fast zwei Billionen Euro vorgelegt. Die irische Ratspräsidentschaft präsentierte am Wochenende einen Gegenvorschlag, der im Vergleich zur Kommission Kürzungen von rund 140 Milliarden Euro vorsieht. Bei der Debatte am Donnerstag zeigten sich die Befürworter eines «ambitionierten» Budgets mit den Kürzungsvorschlägen nicht einverstanden. Für die Sparsamen bezog der niederländische Ministerpräsident Rob Jetten Position.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) rief vor Beginn des Gipfels dazu auf, den Vorschlag der EU-Kommission für den Haushalt «deutlich» zu reduzieren. Zusätzliche Mittel sehe er «dezidiert nicht, insbesondere nicht für Kohäsion und Agrarpolitik». Mit Blick auf den schwierigen weiteren Verlauf der Verhandlungen riet er, «ein paar Oberhemden mehr» einzupacken. Frankreich setzt dagegen auf neue EU-weite Abgaben, um den Haushalt aufzustocken, ohne die Mitgliedsbeiträge zu erhöhen. Paris verweist unter anderem auf Vorschläge des EU-Parlaments, das Abgaben auf digitale Dienstleistungen, Krypto-Vermögenswerte und Online-Glücksspiele vorgeschlagen hat.

Viele der 27 Mitgliedstaaten wollen den EU-Haushalt für die Jahre 2028 bis 2034 bis Ende des Jahres verabschieden – rechtzeitig vor dem Superwahljahr, das mehrere euroskeptische Staats- und Regierungschefs ins Amt bringen könnte, unter ihnen womöglich die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen. Auch wenn der Ausgang der Präsidentschaftswahl im Frühjahr in Frankreich nicht sicher sei, werde Le Pen bei den anstehenden Verhandlungen «im Raum» sein, sagte ein EU-Diplomat. Der französische Präsident Emmanuel Macron sagte am Donnerstag Diplomatenangaben zufolge den anderen Staats- und Regierungschefs, es werde im Vorlauf der Wahlen in mehreren europäischen Ländern «schwierig», eine Einigung beim EU-Haushalt zu erzielen. Der österreichische Bundeskanzler Christian Stocker schloss nicht aus, dass sich die Verhandlungen bis ins nächste Jahr ziehen.

Am Rande des Gipfels erzielten Deutschland und Frankreich eine vorläufige Einigung im Streit um Kohlendioxidemissionen von Neuwagen und das Prinzip «made in Europe». Ein Sprecher der Bundesregierung sagte, das Abkommen befinde sich auf der Zielgeraden, die abschließende Zustimmung aus Deutschland stehe noch aus. Damit würden die beiden Länder einen Streit beilegen, der zwei Gesetzgebungsverfahren in Brüssel zu blockieren drohte. Die Umsetzung der deutsch-französischen Vereinbarung würde die CO2-Vorschriften für die Autoindustrie ab 2035 weiter aufweichen. Gleichzeitig würde eine striktere Auffassung des Prinzips «made in Europe» gelten. Unternehmen in als strategisch geltenden Sektoren werden so verpflichtet, sich mit in der EU oder bestimmten Partnerländern hergestellten Komponenten zu versorgen, wenn sie öffentliche Gelder erhalten. Deutschland hatte sich lange dafür eingesetzt, dass «made in Europe» eine deutlich größere Zahl von Partnerländern miteinbezieht.

Am Freitag beraten die Staats- und Regierungschefs über die weitere Unterstützung der Ukraine. Dazu ist auch ein Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj angesetzt, der bereits am Donnerstag in Brüssel eintraf und sich unter anderem mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte und Macron traf. Der französische Präsident erklärte nach dem Treffen, es sei «entscheidend», dass die Ukraine «alle notwendigen Mittel erhält, um sich zu schützen». Bundeskanzler Merz sagte, er habe am Rande des Gipfels dafür plädiert, «dass wir alles tun, um der Ukraine auch über den Winter zu helfen, und auch im nächsten Jahr zu helfen». Dafür müssten die Mittel aufgestockt werden.

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Franziska Thielmann

Autor

Reporterin

Franziska Thielmann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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