Johannes Winkel mit 94,3 Prozent als JU-Vorsitzender wiedergewählt
Beim Deutschlandtag der Jungen Union in Bonn ist Johannes Winkel mit 94,3 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt worden. Der 34-jährige Jurist rief die Parteijugend zu Selbstbewusstsein auf und rechnete scharf mit der AfD und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig ab. Am Wochenende treten Bundeskanzler Friedrich Merz und CSU-Chef Markus Söder vor den Delegierten auf.
Johannes Winkel bleibt Vorsitzender der Jungen Union. Beim Deutschlandtag der CDU/CSU-Nachwuchsorganisation in Bonn erhielt der 34-jährige Jurist nach Angaben der Zählkommission 265 von 283 gültigen Stimmen. Ohne die zwei Enthaltungen, die bei der Union anders als bei anderen Parteien nicht mitgezählt werden, kommt Winkel damit auf 94,3 Prozent Zustimmung. Bei seiner ersten Wahl im November 2022 hatte er 87,0 Prozent erreicht, 2024 waren es 90,5 Prozent.
Das Ergebnis fällt in eine Phase, in der die Union nach der Niederlagenserie bei den Landtagswahlen im September und schwachen Umfragewerten um ihren Kurs ringt. Winkel nutzte den Auftakt des Deutschlandtags, um die Junge Union als selbstbewusste Kraft innerhalb der angeschlagenen Volkspartei zu positionieren. «Unsere Generation hat mit dieser Union noch einiges vor», sagte er. «Und wir werden diejenigen sein, die die Geschichte der Volkspartei von CDU und CSU erfolgreich weiterschreiben.»
In seiner Rede griff Winkel Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig scharf an. Mit Blick auf deren früheren Einsatz für die deutsch-russische Pipeline Nord Stream 2 warf er ihr vor, sie habe sich «von Russland kaufen lassen». Vorwürfe Schwesigs, die CDU sei «unmenschlich» mit der nach dem Tod ihrer Stieftochter zurückgetretenen Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) umgegangen, wies er zurück. «Wir lassen uns ganz bestimmt nicht von Manuela Schwesig belehren, wenn es um Anstand und Haltung in der deutschen Politik geht», betonte Winkel.
Klar grenzte er sich auch von der AfD ab. Solange diese «völkische Positionen bezieht und Extremisten in ihre Reihen holt», werde es keine Zusammenarbeit geben, sagte er. «Das ist für mich eine Frage des Charakters und nicht der Umfragewerte.»
Vor Winkel hatte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) als erster prominenter Gast beim Deutschlandtag vor politischen Extremisten von links und rechts gewarnt. Besonders scharf kritisierte er die Sondierungen von Linken, Grünen und SPD nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin. «Die Verhandlungen in Berlin mit dem Ziel, die Linke an die Macht zu bringen, sind eine Schande für die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland», rief Wüst den Delegierten zu. «Das Gift des Antisemitismus ist tief eingesickert in die Berliner Linke. Es liegt jetzt an SPD und Grünen, diese Schande zu beenden.» Wüst, der als möglicher Nachfolger von Bundeskanzler Friedrich Merz im Kanzleramt gehandelt wird, erhielt für seine Rede eineinhalb Minuten Applaus im Stehen.
Mit Spannung wird nun der Auftritt von Merz am Samstagvormittag erwartet. Der Kanzler war im vergangenen Jahr heftig mit den Delegierten aneinandergeraten, als sich die JU gegen das Rentenpaket der schwarz-roten Regierung stellte. Seitdem hat Merz in seiner Partei durch die Wahlniederlagen und schlechte Umfragewerte deutlich an Autorität verloren. Am Sonntag spricht dann CSU-Chef Markus Söder, der ebenfalls als möglicher Nachfolger im Kanzleramt gilt und den Vorteil hat, auf die Vorredner reagieren zu können.
Winkel betonte auf einer Pressekonferenz in Bonn, der Deutschlandtag werde kein Schaulaufen möglicher Kanzlerkandidaten. «Wir sind hier nicht der Applausometer für irgendwelche Dezibel-Messer. Das ist hier kein Kanzler-Casting», sagte er. «Wir machen unser eigenes Ding.»
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