Musk soll Trump Drosselung von Starshield vorgeschlagen haben
Neue Berichte belasten das Verhältnis zwischen Kiew und Washington: Elon Musk soll Donald Trump vorgeschlagen haben, die militärische Starshield-Verbindung der Ukraine zu drosseln. Während das Weiße Haus und Musk jede Verantwortung bestreiten, bestätigen europäische und ukrainische Quellen die Darstellung. Die Einschränkung traf die ukrainische Drohnenabwehr empfindlich.
Die Einschränkungen bei der militärischen Satellitenverbindung Starshield haben die ukrainische Drohnenabwehr erheblich beeinträchtigt und das Verhältnis zwischen Kiew und Washington zusätzlich belastet. Nun widersprechen sich Berichte, öffentliche Dementis und Aussagen aus dem Umfeld der US-Regierung. Im Zentrum steht der Vorwurf, SpaceX-Gründer Elon Musk habe US-Präsident Donald Trump vorgeschlagen, die Verbindung für die Ukraine zu verlangsamen.
Nach Informationen der britischen Zeitung «Telegraph», die sich auf vier mit den Gesprächen vertraute Quellen beruft, soll Musk den Präsidenten auf eine Drosselung angesprochen haben. Eine dieser Quellen gab an, Trump habe dem Vorschlag zugestimmt. Das US-Verteidigungsministerium habe die Einschränkungen anschließend umgesetzt. Starshield ist eine militärische Version des Satellitennetzwerks Starlink, das die Ukraine unter anderem zur Steuerung von Drohnen und zur Abwehr anfliegender russischer Drohnen nutzt.
Zuvor hatten die US-Regierung und der Tech-Milliardär unterschiedliche Darstellungen zur Verantwortung verbreitet. Musk wies jede Schuld von sich und erklärte am Mittwoch, Änderungen an Geschwindigkeit oder Nutzung seien vom US-Militär und letztlich von Trump beschlossen worden. Dem «Telegraph» zufolge bestätigten jedoch ein hochrangiger europäischer Beamter und zwei ukrainische Quellen die Darstellung, dass Musk die Drosselung angestoßen habe. Ein Gesprächspartner der Zeitung sagte, Musk sei nach dem Ausfall der Starlink-Verbindung in Kiew wegen möglicher negativer Reaktionen europäischer Kunden alarmiert gewesen. «In Wirklichkeit waren beide daran beteiligt», sagte die Quelle mit Blick auf Trump und Musk.
Trump bestritt am Freitag im Weißen Haus, dass er oder Musk für den Verlust des Starlink-Zugangs verantwortlich seien. Ein US-Regierungsvertreter erklärte zudem, der Präsident habe keine Reduzierung der Starshield-Dienste angeordnet. Auch das Pentagon hat die Einschränkungen bislang nicht öffentlich erläutert. Die Begrenzung soll ukrainische Drohnen auf eine Geschwindigkeit von rund 160 Kilometer pro Stunde beschränkt haben. Damit konnten sie russische, düsengetriebene Drohnen und Raketen kaum noch abfangen, die mindestens doppelt so schnell sind.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nannte die Einschränkung am Freitag bei einem EU-Gipfel eine «sehr gefährliche und unangenehme Überraschung». Er sagte, die Signale würden wiederhergestellt. Seine Partner hätten aus dem Weißen Haus mitgeteilt, dass die Fähigkeiten zurückkehrten. Die früheren Geschwindigkeitsbegrenzungen seien aber noch nicht wieder erreicht.
Der Konflikt fällt in eine ohnehin angespannte Phase der Beziehungen. Trump hatte Selenskyj wiederholt wegen ukrainischer Angriffe auf russische Ölraffinerien kritisiert. US-Beamte hatten Kiews Verhandlern laut «Telegraph» zuvor gewarnt, Washington könne den Austausch von Geheimdienstinformationen und weitere Unterstützung einstellen, falls die Angriffe nicht endeten. Bereits 2023 hatte Musk Anfragen aus Kiew abgelehnt, Starlink für Drohnenangriffe auf die von Russland annektierte Krim zu nutzen. Zugleich hatte er in diesem Jahr ukrainische Nutzer dabei unterstützt, den unerlaubten Zugang russischer Soldaten zu Starlink zu blockieren.
Angesichts der jüngsten Einschränkungen warnte Polens Außenminister Radek Sikorski vor Europas Abhängigkeit von Musk und SpaceX. Die EU plant mit Iris2 ein eigenes Satellitennetzwerk, das bis 2030 einsatzbereit sein soll. Die jüngsten Ereignisse dürften die Debatte über eine europäische Alternative zur US-amerikanischen Satelliteninfrastruktur weiter befeuern.
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