Grenzah

Freitag, 9. Oktober 2026

© 2026 Grenzah

Teil der GruppeMosaic Media

Entwickelt vonSponge — digital & design

"Schande" : Massive Kritik am Putin-Besuch von Schröder

Schröder bei Putin-Geburtstag: Massive Kritik aus Deutschland

Altkanzler Gerhard Schröder hat in Moskau am 74. Geburtstag von Wladimir Putin teilgenommen. Politikerinnen und Politiker aus Deutschland reagieren mit scharfer Kritik. Schröder war zuvor in den Aufsichtsrat der russischen Handelskette Hyperglobus berufen worden.

Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder hat in Moskau am 74. Geburtstag des russischen Präsidenten Wladimir Putin teilgenommen. Nach Kreml-Angaben erfuhr Putin am Mittwochmorgen aus den Medien von der Anwesenheit Schröders in der russischen Hauptstadt und lud ihn daraufhin zu sich nach Hause ein. Fotos zeigen die beiden Männer lächelnd bei einem festen Händedruck. Der Besuch hat in Deutschland heftige Reaktionen ausgelöst.

Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt schrieb auf der Plattform X, der Besuch sei «eine Schande für Deutschland. Ein Verrat an Europa. Ein Bärendienst für Frieden». Sie fügte hinzu, sie habe von Schröder nichts anderes mehr erwartet. Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Europaparlaments, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), nannte Schröder auf X «Deutschlands frechsten Rentner». Sie kritisierte, er sei «zu krank für Untersuchungsausschüsse (ganz schlimmer Burnout), aber für gut dotierte Mandate in Russland und Geburtstagsparty zuhause bei Kriegsverbrecher Putin reichts dann doch noch». Sie sprach von einer «Schande sondergleichen».

Auch der Chef des CDU-Sozialflügels, Dennis Radtke, äußerte sich auf X. Schröder sei für einen Untersuchungsausschuss zu krank, aber fit genug für Moskau, Putin und «eine frische Ladung Rubel». Er fügte hinzu: «Wunderheilung à la Rasputin bei Gerhard Schröder». Hintergrund ist, dass Schröder im Jahr 2025 mehrfach Zeugenaussagen vor einem Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern im Zusammenhang mit dem Bau der Erdgasleitung Nord Stream 2 wegen einer Burnout-Erkrankung abgesagt hatte.

Vor der Geburtstagsfeier hatte Schröder am Morgen eine Filiale des russischen Ablegers der deutschen Supermarktkette Globus in Moskau besucht und eine Begrüßungsrede vor den Mitarbeitern gehalten. Zuvor war er in den Aufsichtsrat des Unternehmens berufen worden. Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. Der 82-Jährige ist mit Putin eng befreundet und steht wegen dieser Verbindung sowie seines Engagements für russische Energieunternehmen seit Jahren in der Kritik. Auch seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat er sich wiederholt mit Putin getroffen.

Am Mittwoch, dem Tag von Putins Geburtstag, griff Russland die Ukraine erstmals in diesem Herbst mit einem kombinierten Angriff aus ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen an. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von mindestens 25 Toten und über 100 Verletzten und bezeichnete den Angriff als ein «Geburtstagsgeschenk für Putin».

Bereits im Mai hatte Putin Schröder als möglichen Vermittler im Krieg zwischen Russland und der Ukraine ins Gespräch gebracht. In der Bundesregierung stießen diese Äußerungen auf deutliche Skepsis. Putin hatte die großangelegte Invasion in der Ukraine am 24. Februar 2022 befohlen und seine Kriegsziele bisher nicht erreicht. Schröder war nach seinem Ausscheiden aus der Politik lange für russische Energiekonzerne tätig, unter anderem als Präsident des Verwaltungsrats der Nord Stream 2 AG, einer Tochtergesellschaft des russischen Energiekonzerns Gazprom. Die Pipeline wurde Ende 2021 fertiggestellt, ging aber wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine im Februar 2022 nicht in Betrieb. Die damalige Bundesregierung unter Kanzler Olaf Scholz (SPD) verweigerte die Betriebsgenehmigung.

6Aufrufe

Dominik Zimmermann

Autor

Wirtschaftsanalyst

Dominik Zimmermann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

Weiter im RessortPolitik