Wellhäußer und Schmitt führen Baden-Württembergs Grüne
Die Südwest-Grünen haben auf ihrem Parteitag in Offenburg Clara Wellhäußer und Jan-Lukas Schmitt zu neuen Landesvorsitzenden gewählt. Das Duo erhielt hohe Zustimmung, Gegenkandidaten gab es nicht.
Die Grünen in Baden-Württemberg haben eine neue Doppelspitze. Auf dem Parteitag in Offenburg wählten die Delegierten Clara Wellhäußer und Jan-Lukas Schmitt zu den neuen Landesvorsitzenden. Wellhäußer erhielt knapp 93 Prozent der Stimmen, Schmitt kam auf 81 Prozent. Gegenkandidaten traten nicht an.
Die beiden folgen auf Lena Schwelling und Pascal Haggenmüller, die die Partei seit 2021 geführt hatten und nicht erneut antraten. Die Wahl markiert einen personellen Neuanfang an der Spitze der Regierungspartei von Ministerpräsident Cem Özdemir.
Wellhäußer ist 27 Jahre alt, studierte Juristin und wird dem linken Flügel der Partei zugerechnet. Die gebürtige Schwäbin lebt in Freiburg und ist dort als Stadträtin aktiv. Von 2020 bis 2023 arbeitete sie für den Europaabgeordneten Michael Bloss. Zudem engagierte sie sich als Sprecherin der Grünen Jugend, im Kreisvorsitz in Freiburg und im Landesparteirat. Aktuell schreibt die Stipendiatin der Heinrich-Böll-Stiftung ihre Promotion im Verfassungsrecht.
In ihrer Rede in Offenburg kündigte Wellhäußer an, Frauen stärker dabei zu fördern, ihren Weg in kommunale Räte, Parteifunktionen oder Parlamente zu gehen. «Denn genau da gehören wir hin», sagte die 27-Jährige. Außerdem sprach sie sich für die Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens aus.
Schmitt ist 31 Jahre alt, ehemaliger Wirtschaftsjournalist und gehört zum Realo-Flügel der Partei. Er gilt als enger Vertrauter von Ministerpräsident Cem Özdemir. Während seiner Laufbahn bei den Grünen war er Vorstandsreferent für Finanz- und Haushaltspolitik in der damaligen Grünen-Bundesgeschäftsstelle unter Ricarda Lang und Omid Nouripour. 2025 kandidierte er in seinem Heimatkreis Waldshut für den Bundestag, jedoch ohne Erfolg. Zuletzt arbeitete er als strategischer Leiter des Wahlkampfs von Özdemir.
Bei seiner Rede betonte Schmitt: «Ich werde darauf achten, dass klar bleibt: Wir regieren mit der CDU, aber wir sind nicht mit denen fusioniert. Man muss klar erkennen können, welchen Unterschied das macht, wenn Grün regiert.»
Mit der Wahl der neuen Doppelspitze endet eine Ära: Schwelling und Haggenmüller hatten die Südwest-Grünen seit 2021 geführt. Die Partei regiert in Baden-Württemberg gemeinsam mit der CDU unter Ministerpräsident Özdemir. Die neuen Vorsitzenden müssen nun das Profil der Grünen in der Koalition schärfen und zugleich die Partei für kommende Wahlkämpfe aufstellen.
Die hohen Zustimmungswerte für beide Kandidaten gelten als Zeichen der Geschlossenheit. Wellhäußer und Schmitt stehen für unterschiedliche Flügel der Partei – links und realpolitisch – und sollen so verschiedene Strömungen integrieren. Beobachter werten die Wahl auch als Signal für die künftige Ausrichtung der Grünen im Südwesten.
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