Berliner Sport nach Olympia-Aus: Neue Machtverhältnisse, alte Baustellen
Nach dem Rückzug der Olympia-Bewerbung bleiben Berlins Sportprobleme: marode Hallen, sanierungsbedürftige Bäder und fehlende Trainingsflächen. Ein möglicher Regierungswechsel mit der Linken könnte die Sportpolitik verändern, doch zentrale Projekte wie der Jahn-Sportpark und das Hertha-Stadion sind umstritten.
Der Berliner Sport steht nach dem Rückzug der Hauptstadt aus dem Rennen um die Olympischen und Paralympischen Spiele vor einer ungewissen Zukunft. Zwar ist mit der Bewerbung ein sportliches Großprojekt Geschichte, doch die kostspieligen Probleme bleiben: marode Sporthallen, sanierungsbedürftige Schwimmbäder und fehlende Trainingsflächen machen den Vereinen weiterhin zu schaffen. Gleichzeitig könnten sich die Machtverhältnisse in der Landespolitik verschieben – mit möglichen Folgen für den Breiten- und Spitzensport.
Landessportbund-Präsident Thomas Härtel hatte bereits vor dem Olympia-Rückzug auf eine hohe Übereinstimmung mit der Wahlsiegerin Elif Eralp (Linke) verwiesen, was Sportförderung und -entwicklung angeht – mit Ausnahme der Olympia-Bewerbung. Ein grundlegender Kurswechsel scheint demnach nicht zwangsläufig. Dennoch bleiben zentrale Streitpunkte, allen voran der Umbau des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks und ein möglicher Stadionneubau für Hertha BSC.
Beim Jahn-Sportpark favorisiert die Linke eine kostengünstigere Lösung als die bisher geplante. Statt eines Stadions mit rund 20.000 Plätzen, einer neuen Sporthalle und einem Begegnungszentrum für Verbände – Gesamtkosten laut SPD-Bausenator Christian Gaebler: 263,4 Millionen Euro – schlägt die Partei Konzepte zwischen 40 und 100 Millionen Euro vor. Der Fokus liege auf einer inklusiven Anlage für den Breitensport, die Menschen mit Behinderungen uneingeschränkte Teilhabe ermögliche.
Für Hertha BSC ist die Situation ebenfalls offen. Eine Expertenkommission hatte das Grundstück an der Jesse-Owens-Allee im Olympiapark im September grundsätzlich für geeignet erklärt und dem Zweitligisten empfohlen, eine Bauvoranfrage für eine Arena mit rund 50.000 Plätzen zu stellen. Eine Baugenehmigung ist damit nicht verbunden; das Stadion soll vollständig privat finanziert werden. Die Linke hatte sich 2021 gegen einen zusätzlichen Stadionneubau ausgesprochen, das Thema aber nicht in ihr Wahlprogramm aufgenommen. Claudia Engelmann, sportpolitische Sprecherin der Linken, begründete dies mit fehlender Akteneinsicht: Mehrere Anfragen an die Senatsverwaltung seien unbeantwortet geblieben. Sollte es zu einem Regierungswechsel kommen, würden zunächst die Parameter geprüft und Gespräche mit allen Beteiligten geführt. Engelmann schloss nicht aus, dass der Stadionneubau – wie bei der schwarz-roten Regierung – auch in einem neuen Koalitionsvertrag verankert werden könnte.
Im Bereich Schul- und Breitensport verspricht die Linke ein «Jahrzehnt der Investitionen». Geplant sind schrittweise tägliche Bewegungszeiten und zusätzliche Sportangebote im Ganztag, eine Stärkung der Kooperationen zwischen Schulen und Sportvereinen sowie verstärkte Investitionen in Sanierung und Neubau von Sportstätten. Zudem sollen zusätzliche Sportlehrkräfte ausgebildet und eingestellt werden. Eine zentrale Baudienststelle für den Sportstättenbau soll eingerichtet und gemeinsam mit dem Landessportbund ein Fonds aufgelegt werden, der direkt in die Basis des Breitensports investiert – insbesondere zur Sicherung von Personal und zur Instandhaltung der Infrastruktur.
Der bisherige Senat hatte Olympia als Chance gesehen, Sportförderung und Stadtentwicklung zu verbinden. Härtel verwies auf einen spürbaren Schub durch die Bewerbung: In den kommenden Jahren würden 600 Millionen Euro in die Berliner Bäder investiert, damit Kinder schwimmen lernen können. Ob diese Dynamik ohne Olympia erhalten bleibt, ist offen.
Das Sportforum Hohenschönhausen soll nach den Plänen der Linken zum «Herz des Berliner Leistungssports» ausgebaut werden – zu einem «europäischen Vorzeigecampus», der Spitzensport auf Weltniveau ermöglicht. Der Übergang vom Leistungs- zum Kiezsport soll transparent gestaltet werden. Denn auch für die Linke bildet der Breitensport das Fundament für den Spitzensport und bringt Menschen zusammen.
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