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Dienstag, 22. September 2026

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Infantino bietet Reformgespräche an, schließt Rückzug aus

FIFA-Präsident Gianni Infantino hat in einem Brief an die 211 Mitgliedsverbände und den FIFA-Council eine unabhängige Überprüfung der Governance und Konsultationen über die Stärkung der Entscheidungsprozesse vorgeschlagen. Einen persönlichen Rückzug schließt er aus, während UEFA und CONCACAF weiter auf Oppositionskurs bleiben.

FIFA-Präsident Gianni Infantino hat im anhaltenden Führungsstreit des Weltfußballverbands erstmals Gesprächsbereitschaft über Reformen signalisiert. In einem Brief an die Chefs der 211 Mitgliedsverbände und die Mitglieder des FIFA-Councils kündigte der Schweizer eine unabhängige externe Überprüfung der FIFA-Governance sowie strukturierte Konsultationen über eine Stärkung der Entscheidungsprozesse an, einschließlich der Rolle des Präsidenten. Ein persönlicher Rückzug ist für ihn kein Thema.

Konkret will Infantino den FIFA-Rat fragen, ob dieser eine unabhängige externe Untersuchung des derzeitigen Governance-Systems für große strategische Projekte in Auftrag geben möchte. Zudem schlägt er eine direkte, strukturierte und zeitlich begrenzte Konsultation mit Konföderationen, Mitgliedsverbänden und relevanten Interessengruppen vor. Dabei solle diskutiert werden, wie die Entscheidungsprozesse der FIFA weiter verbessert werden können und wie die Institutionen früher in große Projekte einbezogen werden. Der 56-Jährige steht seit einem Vorstoß zur Vermarktung der WM-Rechte durch externe Investoren im Sommer massiv unter Druck.

Infantino machte zugleich deutlich, dass er die FIFA weiter anführen will. Von einem Verzicht auf eine Kandidatur für eine vierte Amtszeit beim Kongress im März 2027 ist in dem Schreiben nicht die Rede. Seine Kritiker, angeführt von UEFA-Präsident Aleksandar Ceferin, fordern genau diesen Verzicht. Auch der Deutsche Fußball-Bund um DFB-Chef Bernd Neuendorf, der zugleich im FIFA-Council sitzt, hat sich klar gegen Infantino positioniert. Eine Reaktion der Gegner auf den Brief gab es bislang nicht.

In dem Schreiben betonte Infantino: «Ich bleibe voll und ganz dazu verpflichtet, die FIFA zu führen, und bin zuversichtlich, was wir gemeinsam erreichen können. Unsere Verantwortung ist größer als jeder einzelne Vorschlag oder jede Meinungsverschiedenheit. Sie besteht darin, die Unabhängigkeit der FIFA zu schützen, ihre Institutionen zu stärken und sicherzustellen, dass der Fortschritt des Fußballs dem gesamten Fußball zugutekommt, überall auf der Welt.»

Die Europäische Fußball-Union UEFA und die Verbände aus Nord- und Mittelamerika verfolgen seit mehreren Wochen einen harten Oppositionskurs gegen Infantino. Einen Gegenkandidaten für die Präsidentschaftswahlen haben sie aber noch nicht benennen können. Ende August eskalierte der Streit mit der Androhung eines Strafantrags vor Schweizer Gerichten im Zusammenhang mit den WM-Investorenplänen gegen Infantino. Dafür wurden bei US-Gerichten Informationen über die geplanten Geschäfte angefragt.

Mit dem Brief reichte Infantino seinen Gegnern symbolisch die Hand. «Die Behandlung eines Verbands wird nicht von seiner Position zu einem Vorschlag oder einer institutionellen Angelegenheit abhängen. Ich stehe weiterhin jedem von euch zur Verfügung. Jeder Mitgliedsverband hat das Recht, gehört zu werden. Einigkeit ist keine Voraussetzung für Dialog, und Meinungsverschiedenheiten sollten niemals den gegenseitigen Respekt verhindern», schrieb der Schweizer.

Vorschläge, die bis zur Sitzung des FIFA-Rates am 15. Oktober eingehen, können dort bereits berücksichtigt werden. Ob der Vorstoß den Machtkampf entschärft oder lediglich taktisch motiviert ist, bleibt offen. Klar ist: Infantino will im Amt bleiben und die Führung des Weltverbands nicht abgeben.

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Christoph Reichert

Autor

Politischer Korrespondent

Christoph Reichert berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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