Grenzah

Montag, 28. September 2026

© 2026 Grenzah

Teil der GruppeMosaic Media

Entwickelt vonSponge — digital & design

BigBrotherAwards 2026: Digitalcourage kritisiert US-Tech-Abhängigkeit

Der Verein Digitalcourage hat die BigBrotherAwards 2026 vergeben. Ausgezeichnet wurden Fielmann, Apollo, Bundesinnenminister Dobrindt, die Nordkirche, die EU-Kommission und die Deutsche Telekom für ihren Umgang mit Daten und Privatsphäre.

Der Verein Digitalcourage hat am Donnerstag die BigBrotherAwards 2026 verliehen. Mit dem Datenschutz-Negativpreis rügt die Bürgerrechtsorganisation Akteure aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, die aus ihrer Sicht besonders nachlässig mit Daten und Privatsphäre umgehen. In diesem Jahr stehen vor allem Großnutzer und Vertriebspartner von US-Technologiekonzernen im Fokus.

In der Kategorie Technik wurden die Optikerketten Fielmann und Apollo Optik ausgezeichnet. Digitalcourage kritisiert den Vertrieb von Smart Glasses wie den kamerabestückten Modellen von Meta. Solche Brillen erleichterten heimliche Bild- und Tonaufnahmen im öffentlichen Raum und bedrohten die Privatsphäre von Passanten, so die Begründung. Die Optiker und Meta hatten die Vorwürfe bereits im Vorfeld zurückgewiesen. Die Datenbrille mache mit einem deutlich erkennbaren Lichtsignal auf eine laufende Videoaufnahme aufmerksam.

In der Kategorie Behörden und Verwaltung ging der Negativpreis an Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). Anlass ist die geplante Nutzung der Steuer-Identifikationsnummer als behördenübergreifendes Kennzeichen im Rahmen der Registermodernisierung. Nach Ansicht des Vereins droht damit die Entstehung umfassender Persönlichkeitsprofile über verschiedene Verwaltungsbereiche hinweg.

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) wurde in der Kategorie Zivilgesellschaft ausgezeichnet. Die Initiatoren werfen dem Landeskirchenamt vor, Kirchengemeinden per IT-Gesetz zur Nutzung von Microsoft-Diensten wie Microsoft 365 zu verpflichten. Dadurch würden sensible Daten über das Engagement und die Seelsorge von Mitgliedern in die Cloud eines US-Konzerns verlagert, statt auf datenschutzkonforme Alternativen zu setzen.

Weitere Auszeichnungen gingen an die Europäische Kommission für geplante Neuregelungen im Gesetzespaket «Digitaler Omnibus» sowie präventiv an die Deutsche Telekom wegen einer möglichen Verschmelzung mit der US-Tochter T-Mobile US. Dadurch würden Datenschutzstandards ausgehöhlt, warnt Digitalcourage. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte, Spekulationen in den Medien zu einer «geplanten Fusion» begleiteten die Telekom zwar schon eine Weile. «Aber einen Preis, der auf solchen unbestätigten Gerüchten beruht, werden wir weder annehmen noch kommentieren.»

Rena Tangens, Sprecherin von Digitalcourage, verteidigte die Auswahl. «Einige Preisträger sind exemplarisch gewählt – wir wollen damit ein Thema für die Öffentlichkeit greifbar machen», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. In diesem Jahr würden auch präventive BigBrotherAwards vergeben, «bei denen wir vor Entwicklungen warnen, bevor ein Schaden entstanden ist». Man wolle nicht erst klagen, «wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist». Mit den Awards wolle man Bewusstsein wecken, Debatten anstoßen und etwas bewirken.

Die BigBrotherAwards werden seit dem Jahr 2000 in Deutschland verliehen. Die Vorwürfe der Aktivisten stoßen bei den Betroffenen regelmäßig auf Widerspruch. Unternehmen und Behörden betonen, die bestehenden Datenschutzgesetze strikt zu beachten. Der Preis soll nach Angaben der Organisatoren auf Missstände im Umgang mit persönlichen Daten aufmerksam machen und die öffentliche Diskussion über Datenschutz und Privatsphäre fördern.

17Aufrufe

Franziska Thielmann

Autor

Reporterin

Franziska Thielmann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

Weiter im RessortTechnologie