Die CSU-Landesgruppe im Bundestag hat zum Auftakt ihrer zweitägigen Sommerklausur im fränkischen Kloster Banz eine umfassende technologische Offensive vorgestellt. Parteichef Markus Söder betonte, dass technologischer Fortschritt entscheidend für den Wohlstand Deutschlands sei. «Wenn es nicht gelingt, technologisch die Nummer 1 zu bleiben und eines der stärksten Länder der Welt, dann haben wir kaum eine Chance, ökonomisch so stark zu bleiben, wie es einmal war», sagte Söder. Zu den Gästen der Klausur zählen der Astronaut Alexander Gerst, die Unternehmerin Bonita Grupp und Ungarns Außenministerin Anita Orban.
Ein zentraler Punkt der Vorschläge ist der massive Ausbau der Drohnenflotte der Bundeswehr. In einem Abschlusspapier, das die 44 CSU-Abgeordneten verabschieden wollen, heißt es, die Bundeswehr solle mehr als 100.000 Drohnen aller Größenordnungen vorhalten. Die Ukraine soll im Rahmen eines Verteidigungsabkommens verpflichtet werden, ihr Know-how weiterzugeben. Die Ukraine habe nach dem russischen Angriff erhebliche Fähigkeiten im Drohnenkampf aufgebaut. Sven Kruck vom bayerischen Drohnen-Spezialisten Quantum Systems erklärte in Banz, dass bereits heute bis zu 70 Prozent der Frontstellungen von unbemannten Systemen gehalten würden. Man müsse aus diesen Erfahrungen lernen. Quantum Systems habe derzeit 600 Kräfte in der Ukraine im Einsatz, um Lehren aus den Gefechtseinsätzen zu ziehen.
Auch im Weltraum will die CSU die Verteidigungsfähigkeit stärken. Geplant ist der Aufbau einer Satellitenflotte mit mehr als 1.000 Satelliten für sichere Kommunikation, Aufklärung und ein hochpräzises Lagebild, etwa durch Radarsatelliten und Spezialkameras. Deutschland könne so die kollektive Verteidigung in der NATO und der EU maßgeblich unterstützen und Pionierarbeit bei der Absicherung des Weltraums leisten. Darüber hinaus sollen Labore im All entstehen, in denen unter Schwerelosigkeit Medikamente, etwa gegen Krebs, besser und wirksamer hergestellt werden können. Die CSU fordert zudem mehr eigene Trägerraketen und Startplätze, um nicht von Unternehmen wie SpaceX abhängig zu sein. «Trägerraketen und Startplätze sind heute das Nadelöhr europäischer Souveränität», heißt es in dem Papier.
Neben Verteidigung und Raumfahrt setzt die CSU auch auf andere Schlüsseltechnologien. Deutschland müsse bei Künstlicher Intelligenz und der Herstellung von Mikrochips unabhängiger von den USA und anderen internationalen Lieferanten werden. Um die Robotik zu fördern, sollen weitere sogenannte Roboter-Gyms entstehen, in denen Roboter menschliche Fähigkeiten erlernen. Bis 2030 könnten über eine Million neue Roboter in Betrieb genommen werden, um Lücken zu schließen, die durch den Mangel an Fachkräften in vielen Berufen entstehen – von der Industrie bis zur Pflege. Zur Unterstützung der Start-up-Szene wollen die CSU-Abgeordneten mehr Wagniskapital bereitstellen und die Unternehmensnachfolge im Mittelstand erleichtern. Die Vorschläge sollen am Dienstag offiziell verabschiedet werden.
