Nvidia-Chef Huang kritisiert deutschen Umgang mit neuen Technologien
Jensen Huang bemängelt in London, Deutschland denke zu viel über Risiken neuer Technologien nach und sei weit zurückgefallen. Gleichzeitig plant Nvidia beim Gipfel «Invest in Germany» in Berlin eine Kooperation mit Investitionen in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro.
Der Chef des US-Chipherstellers Nvidia, Jensen Huang, hat den deutschen Umgang mit neuen Technologien scharf kritisiert. Deutschland denke zu viel über neue Technologien nach und sei dadurch weit zurückgefallen, sagte Huang nach Angaben aus London. Die Bundesrepublik habe den Anschluss verloren, weil sie Innovationen stärker als Risiko denn als Chance betrachte.
Huang äußerte die Kritik bei einem Auftritt in der britischen Hauptstadt. Seine Einschätzung fällt in eine Phase, in der Deutschland ohnehin über seine Wettbewerbsfähigkeit in Zukunftstechnologien diskutiert. Der Nvidia-Chef gilt als einer der einflussreichsten Manager der Branche, weil sein Unternehmen die weltweit gefragten Grafikprozessoren für Anwendungen der künstlichen Intelligenz liefert.
Zugleich plant der Konzern eine engere Zusammenarbeit mit Deutschland. Beim Gipfel «Invest in Germany» in Berlin will Nvidia eine Kooperation eingehen, die Investitionen in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro umfasst. Der Schritt zeigt, dass das Unternehmen trotz der kritisierten Rahmenbedingungen weiter auf den Standort setzt und Geschäftsmöglichkeiten in Deutschland sieht.
Die Kritik und die geplante Investition stehen in einem Spannungsverhältnis. Einerseits bemängelt Huang, dass Deutschland neue Technologien zu skeptisch behandele und dadurch an Tempo verliere. Andererseits will Nvidia mit der geplanten Kooperation offenbar an der deutschen Entwicklung im Bereich künstlicher Intelligenz und verwandter Technologien mitwirken. Die Bundesregierung hat den Gipfel «Invest in Germany» als Plattform für ausländische Investoren etabliert.
Für Deutschland geht es bei der Debatte um mehr als einzelne Investitionen. Der Standort konkurriert mit anderen europäischen Ländern um Ansiedlungen in der Halbleiter- und KI-Branche. Huang hatte bereits in der Vergangenheit betont, wie wichtig Rechenkapazität und der Zugang zu modernster Technologie für die wirtschaftliche Entwicklung sind. Seine jüngste Kritik dürfte die Diskussion über den Umgang mit neuen Technologien in Politik und Wirtschaft weiter befeuern.
Ob die geplante Kooperation die Kritik des Nvidia-Chefs relativiert, ist offen. Klar ist, dass der Konzern trotz seiner Vorbehalte in Deutschland investieren will. Die Details der Zusammenarbeit sollen beim Gipfel in Berlin vorgestellt werden. Für Beobachter ist die Ankündigung ein Signal, dass Deutschland für die internationale Technologiebranche weiterhin ein relevanter Markt bleibt, auch wenn die Standortbedingungen aus Sicht von Investoren verbessert werden müssen.
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