Schleswig-Holstein: 49 Prozent der Landesbeschäftigten bewerten Open-Source-Umstellung positiv
Eine repräsentative Umfrage unter 2.700 Beschäftigten der schleswig-holsteinischen Landesverwaltung zeigt: 49 Prozent bewerten die Umstellung auf Open-Source-Lösungen positiv, 41 Prozent negativ. 74 Prozent haben sich bereits an die neue Arbeitsumgebung gewöhnt. Die FDP fordert unterdessen eine externe Prüfung der IT-Strukturen der Justiz.
Fast die Hälfte der Beschäftigten in der schleswig-holsteinischen Landesverwaltung bewertet die Umstellung auf Open-Source-Lösungen positiv. Das geht aus einer repräsentativen Online-Befragung hervor, die im Auftrag der Open-Source-Unternehmen Univention, Nextcloud, Heinlein und Open-Xchange durchgeführt wurde. An der Erhebung nahmen 2.700 Beschäftigte teil. 49 Prozent der Befragten beurteilen die Transformation als positiv, 41 Prozent sehen sie negativ.
Das Kommunikationsunternehmen boy, das die Umfrage durchführte, teilte mit, dass das Akzeptanzniveau im Vergleich zu früheren Werten in der laufenden Transformation höher liege. Zudem gaben 74 Prozent der Befragten an, sich bereits an die neue Arbeitsumgebung gewöhnt zu haben. Rund 64 Prozent von ihnen erreichten diesen Punkt innerhalb der ersten drei Monate.
Bei Open-Source-Lösungen ist der Quellcode öffentlich und kann an individuelle Bedürfnisse angepasst werden. Schleswig-Holstein stellt seine Verwaltung schrittweise auf solche Lösungen um. Bereits 2024 begann das nördlichste Bundesland mit der Einführung von LibreOffice als Standard-Bürosoftware. Anfang Oktober 2025 wurde das Mailsystem der Landesverwaltung vollständig umgestellt.
Für das Gelingen der Transformation spielt die kollegiale Unterstützung eine zentrale Rolle. 74 Prozent der Befragten nahmen ein Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen wahr. Für 60 Prozent war die kollegiale Unterstützung das beste Format, um sich in die neue Arbeitsumgebung einzuarbeiten.
«Mich hat vor allem überrascht, wie gut eine Verwaltung einen so tiefgreifenden und anspruchsvollen Transformationsprozess bewältigt hat», sagte Peter Ganten, Geschäftsführer von Univention. «Die Ergebnisse zeigen, dass eine solche Veränderung nicht nur technisch machbar ist, sondern auch von den Beschäftigten angenommen werden kann.» Dies sei vor allem für künftige Umstellungen wertvoll und gebe Hinweise darauf, was bereits gut funktioniere.
Nach Angaben der Staatskanzlei vom Januar umfasst die Open-Source-Strategie des Landes weitere Bereiche der Landes-IT. So soll die Software Nextcloud Schritt für Schritt Microsoft SharePoint als zentrale Plattform für Zusammenarbeit ablösen. Nextcloud wird bereits in zahlreichen Verwaltungen genutzt. Auch der Einsatz des Betriebssystems Linux als Alternative zu Windows wird erprobt.
Kritik kommt von der FDP. Die Liberalen sehen die Justiz durch die Umstellung beeinträchtigt und haben einen Antrag in die kommende Landtagssitzung eingebracht. Darin soll die Landesregierung aufgefordert werden, die IT-Strukturen der Justiz durch einen externen Dienstleister auf ihre Leistungsfähigkeit prüfen zu lassen. Wie es in dem Antrag heißt, ist die schleswig-holsteinische Justiz zunehmenden Belastungen ausgesetzt. Gründe seien unter anderem steigende Eingangszahlen, eine an vielen Stellen unzureichende personelle Ausstattung und neue Aufgabenbereiche. So dürfe sich nicht auch die Digitalisierung zulasten der Leistungsfähigkeit der Justiz auswirken.
Die Umstellung der Landesverwaltung auf Open-Source-Anwendungen ist ein langfristig angelegtes Projekt. Die nun veröffentlichten Umfragewerte liefern erstmals ein umfassendes Stimmungsbild unter den Beschäftigten. Sie zeigen, dass die Akzeptanz im Laufe der Transformation gestiegen ist und dass der Austausch unter Kolleginnen und Kollegen ein wesentlicher Faktor für die Bewältigung der Veränderung ist. Gleichzeitig bleibt die politische Debatte über die Folgen für einzelne Bereiche der Landesverwaltung, insbesondere die Justiz, kontrovers.
4




