Yandex-Bot-Traffic bricht nach Drohnenangriffen auf Rechenzentren ein
Nach ukrainischen Drohnenangriffen auf mehrere Yandex-Rechenzentren ist der automatisierte Datenverkehr aus dem Netzwerk des russischen Technologiekonzerns zeitweise nahezu vollständig eingebrochen. Messungen des US-Internetdienstleisters Cloudflare zeigen einen Rückgang auf rund 0,4 Prozent des Höchstwerts der vorangegangenen zwei Wochen.
Nach ukrainischen Drohnenangriffen auf mehrere Rechenzentren des russischen Technologiekonzerns Yandex ist der automatisierte Datenverkehr aus dessen Netzwerk zeitweise nahezu vollständig eingebrochen. Das zeigen Messungen des US-Internetdienstleisters Cloudflare, wie das Fachportal «Tom's Hardware» berichtet. Die Zahl der automatisierten HTTP-Anfragen sank demnach zeitweise auf rund 0,4 Prozent des höchsten Werts der vorangegangenen zwei Wochen.
Der Rückgang begann nach dem Angriff auf das Yandex-Rechenzentrum in Sasowo am 8. Oktober. Anschließend wurden auch Anlagen in Kaluga und Wladimir getroffen. Die Angriffe führten zu erheblichen Störungen bei Cloud-Diensten des Konzerns. Aus den Daten lässt sich allerdings nicht schließen, dass russische Propaganda-Bots ausgefallen sind. Erfasst werden auch automatisierte Zugriffe von Suchmaschinen, die Webseiten durchsuchen und indexieren. Welche Dienste genau betroffen sind, geht aus den Messungen nicht hervor.
Die Angriffe auf die Yandex-Infrastruktur sind Teil einer Reihe von Drohnenoperationen, die die Ukraine in den vergangenen Wochen gegen Ziele in Russland geflogen hat. Die russische Grenzregion Belgorod meldete am Montag einen Toten nach einem ukrainischen Drohnenangriff. Die Drohne habe ein Auto auf einer Straße nahe der Grenze getroffen, teilte die regionale Einsatzzentrale mit. Zudem wurde im von Russland kontrollierten Teil der ostukrainischen Region Donezk nach Angaben der dortigen prorussischen Verwaltung eine weitere Person bei einem ukrainischen Angriff getötet.
Unabhängig von den militärischen Auseinandersetzungen bleibt die von US-Präsident Donald Trump verkündete begrenzte Waffenruhe für Angriffe auf Energieanlagen umstritten. Kurz nach der überraschenden Ankündigung, dass alle Angriffe auf Energieanlagen im Ukraine-Krieg sofort gestoppt werden, warf die Führung in Kiew dem russischen Militär vor, seine Attacken fortgesetzt und ein Heizkraftwerk schwer getroffen zu haben. Außenminister Andrij Sybiha sprach von einem klaren Verstoß gegen die begrenzte Feuerpause, die laut Trumps Ankündigung vom Sonntagnachmittag (MESZ) unmittelbar in Kraft treten und für beide Kriegsparteien gelten sollte.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas begrüßte die von Trump verkündete Waffenruhe für Angriffe auf Energieanlagen grundsätzlich, sieht aber keine Anzeichen für eine russische Bereitschaft, sich daran zu halten. Zugleich warnte Kallas vor einer drohenden Ölkatastrophe an den europäischen Küsten durch die sogenannte russische Schattenflotte. Die Schiffe seien «ökologische Zeitbomben», da sie oft alt, schlecht gewartet und unzureichend versichert seien, sagte Kallas dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. «Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die nächste große Ölkatastrophe an unseren Küsten von der Schattenflotte ausgehen wird», so Kallas. Die Flotte diene zudem der Finanzierung des russischen Krieges gegen die Ukraine und sei in der Vergangenheit als Ausgangspunkt für hybride Angriffe genutzt worden.
Die Europäische Union hat im Kampf gegen die Schattenflotte nach Angaben von Kallas in den vergangenen Monaten sechs Inspektionen vorgenommen. Jeder dieser Einsätze an Bord koste Russland Zeit und Geld. Der größte Druck auf Moskau entstehe jedoch durch diplomatische Maßnahmen. So hätten afrikanische Länder auf Bitte der EU Hunderte Schiffe aus ihren Registern gestrichen. «Der Verlust der Flagge macht einen Tanker anfälliger für Inspektionen und Festsetzungen und führt dazu, dass Behörden, Versicherer, Banken und Händler zögern, mit ihm Geschäfte zu tätigen», erklärte Kallas. Bislang habe die EU rund 670 Schiffe mit Sanktionen belegt. Die EU hatte ihre Marine-Mission «Irini» vor drei Monaten auf die Bekämpfung der russischen Schattenflotte ausgeweitet.
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