Allianz-Studie: Hitze kostet Europas Wirtschaft 113 Milliarden Euro
Die Hitzewelle dieses Sommers hat die europäische Wirtschaftsleistung nach Schätzungen der Allianz um 113 Milliarden Euro gemindert. Deutschland verzeichnet mit 25 Milliarden Euro die zweithöchsten Einbußen nach Italien. Für 2027 droht durch El Niño ein weiterer Rückschlag.
Die Hitzewelle des diesjährigen Sommers hat die europäische Wirtschaftsleistung nach einer Schätzung des Versicherers Allianz um 113 Milliarden Euro reduziert. Wie der Münchner Dax-Konzern mitteilte, entfällt der größte Teil dieser Einbußen auf Produktionsausfälle und geringere Wertschöpfung, die durch sinkende Arbeitsproduktivität, längere Pausen und höhere Fehlzeiten entstehen. Die europaweiten Verluste summieren sich damit auf knapp ein halbes Prozent der für dieses Jahr erwarteten Wirtschaftsleistung.
Deutschland liegt mit geschätzten Einbußen von 25 Milliarden Euro auf Platz zwei der am stärksten betroffenen Länder, hinter Italien mit 28 Milliarden Euro. Frankreich folgt mit einer Minderung des Bruttoinlandsprodukts um 20 Milliarden Euro auf dem dritten Platz. Die Berechnungen stammen aus dem erstmals veröffentlichten «Climate Risk Tracker», den Volkswirte und Fachleute des Kreditversicherers Allianz Trade in Hamburg sowie der deutschen Sachversicherung erstellt haben. Grundlage sind Wetter- und Schadendaten sowie die Modellierung der erwarteten ökonomischen Auswirkungen.
Neben den hitzebedingten Produktivitätsverlusten hat die Allianz auch die tatsächlichen Schäden durch Unwetter, Überschwemmungen und andere Naturereignisse erfasst. Für Deutschland beziffert der Konzern diese Schäden in den vergangenen fünf Jahren auf 50 Milliarden Euro. Die jährlichen Schäden lagen damit im Durchschnitt doppelt so hoch wie im Vergleichszeitraum der Jahre 2000 bis 2019. Weltweit sind die Naturkatastrophenschäden laut Allianz dagegen nur um etwas mehr als die Hälfte gestiegen, nämlich um 54 Prozent.
«Deutschland ist von klimabedingten Schäden besonders stark betroffen», sagte Frank Sommerfeld, Chef der Sachversicherung. Eine maßgebliche Ursache sei, dass sich Europa in nördlichen Breiten stärker erwärmt habe als andere Kontinente. An der Spitze der betroffenen Länder steht Norwegen: Dort lag die Durchschnittstemperatur im Jahr 2025 um gut 3,7 Grad höher als im Mittel der Jahre 1950 bis 1970. Deutschland und Frankreich verzeichneten mit einem Plus von gut 2 Grad Werte im oberen Mittelfeld.
Die Höhe der Schäden hängt jedoch nicht allein von der Intensität der Naturgewalten ab. In dicht besiedelten Ländern mit hoher Wirtschaftskraft fallen die Schäden höher aus als in dünn besiedelten Regionen, in denen weniger Fabriken, Wohnhäuser, Autos und andere Werte vorhanden sind. Auch das Naturphänomen «El Niño» spielt eine Rolle. Die alle paar Jahre wiederkehrende Erwärmung der Wassertemperaturen im Ostpazifik kann das Wetter auch in weit entfernten Regionen beeinflussen.
Für das kommende Jahr zeigen sich die Fachleute des größten europäischen Versicherers wenig zuversichtlich. Die UN-Weltorganisation für Meteorologie erwartet überdurchschnittliche Wärme in weiten Teilen Südamerikas, im südlichen Afrika und in Australien, während auf dem indischen Subkontinent und im südlichen Mittelamerika weniger Regen fallen dürfte. Sollte 2027 durch El Niño erneut ein sehr warmes Jahr werden, könnte das die Wirtschaftsleistung in den 144 untersuchten Ländern um rund 392 Milliarden Euro mindern. Am stärksten getroffen würde demnach voraussichtlich China.
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