Audi-Chef tritt bei Trump-Auftritt auf und löst Kritik der SPD aus
Audi-Vorstandschef Gernot Döllner dankte US-Präsident Trump bei der Ankündigung eines neuen Werks in Georgia. Die SPD-Verkehrsexpertin Isabel Cademartori nennt den Auftritt eine Schande.
Der Audi-Vorstandschef Gernot Döllner hat bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump auf der Bühne gestanden und sich bei ihm für dessen Unterstützung bedankt. Anlass war die Ankündigung eines neuen Audi-Werks im US-Bundesstaat Georgia. Die SPD-Verkehrsexpertin Isabel Cademartori bezeichnete den Auftritt als Wahlkampfhilfe für einen Autokraten und sprach von einer Schande, insbesondere mit Blick auf die Geschichte des Volkswagen-Konzerns.
Trump hatte das Projekt am Samstag bei einer Veranstaltung im Ort Perry in Georgia verkündet. Audi plant demnach, für vier Milliarden Dollar, umgerechnet rund 3,6 Milliarden Euro, ein Werk zu errichten und dort erstmals in den USA zu produzieren. Vorgesehen ist die Fertigung von jährlich 200.000 Sportgeländewagen, sogenannten SUV, und rund 4.500 Arbeitsplätze sollen entstehen. Trump sagte bei der Veranstaltung, der Bau eines riesigen Werks, das jährlich 200.000 Autos produzieren werde, solle bereits im nächsten Monat beginnen. Audi erklärte dagegen in einer Mitteilung, der Baubeginn sei für das kommende Jahr geplant.
Cademartori, die Bundestagsabgeordnete und Co-Vorsitzende der SPD Baden-Württemberg ist, kritisierte, während Beschäftigte in Deutschland um die Zukunft ihrer Arbeitsplätze zitterten, verkünde Audi bei Trump Milliardeninvestitionen in einen politisch besonders umkämpften Bundesstaat, der für die künftigen Mehrheitsverhältnisse im US-Senat entscheidend sein werde. Damit gäben Audi und der VW-Konzern Trumps Strategie recht, mit einem Handelskrieg Arbeitsplätze auf Kosten Europas in die USA zu holen. Sie warf dem Konzern vor, damit zu helfen, dass Demokratieabbau, Gewalt gegen Minderheiten und Korruption unter diesem Präsidenten unkontrolliert weitergehen könnten. Offensiv Wahlkampf für einen Autokraten zu betreiben, der einen Handelskrieg gegen Deutschland führe, sei ein neuer Tiefpunkt für den VW-Konzern, sagte die Sozialdemokratin.
Auf die Geschichte des Konzerns, auf die sie sich in diesem Zusammenhang bezog, ging Cademartori nicht näher ein. Volkswagen wurde in der Zeit des Nationalsozialismus gegründet und diente dem Regime Hitlers als Vorzeigeunternehmen. Audi ist eine Tochtergesellschaft von Volkswagen.
Auch der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), der als Vertreter des Landes Niedersachsen im VW-Aufsichtsrat sitzt, äußerte sich zu dem Vorhaben. Er sagte, die USA seien ein wichtiger Markt für Volkswagen, und es sei strategisch richtig, diesen Markt noch besser zu erschließen. Mehr Produktion dort sei jedoch nur dann eine Chance, wenn auch die Werke und Beschäftigten in Deutschland davon profitierten. Wachstum in Amerika müsse Arbeit und Wertschöpfung hier sichern und dürfe sie nicht verdrängen, machte der Politiker deutlich. Nach Angaben aus den Berichten hat das letzte Wort über das Projekt der VW-Aufsichtsrat.
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