EU-Gespräche in Peking: Zölle auf chinesische Hybridautos könnten Nachfrage in Deutschland um zwölf Prozent senken
Die EU droht China mit Zöllen auf Plug-in-Hybride. Eine Deloitte-Analyse zeigt: Bei voller Weitergabe der Kosten würden die Preise um zehn Prozent steigen und die Nachfrage in Deutschland um zwölf Prozent sinken. Chinesische Hersteller könnten jedoch zunächst auf Margen verzichten, um Marktanteile zu sichern.
Die Europäische Union erwägt im Handelsstreit mit China offenbar Zölle auf chinesische Plug-in-Hybridautos. Wie die Beratungsgesellschaft Deloitte in einer aktuellen Analyse zeigt, könnten solche Abgaben die Preise für diese Fahrzeuge in Deutschland um durchschnittlich rund zehn Prozent erhöhen, sofern die Hersteller die Zusatzkosten vollständig an die Kunden weitergeben. Die Folge wäre ein Rückgang der Gesamtnachfrage nach Plug-in-Hybriden hierzulande um etwa zwölf Prozent. Das geht aus der Untersuchung hervor, die sich als Vergleichsmaßstab die 2024 verhängten Zölle auf reine Elektroautos aus China zunutze macht.
Diese Zölle auf batterieelektrische Fahrzeuge hätten damals unmittelbar Wirkung gezeigt und in den großen europäischen Märkten die Absätze chinesischer Stromer sinken lassen. Würden nun ähnliche Abgaben auf Plug-in-Hybride erhoben, träfe das vor allem die chinesischen Hersteller, die in diesem Segment stark aufgestellt sind. Deloitte nennt zwar keine expliziten Zahlen für einzelne Anbieter, doch die Logik der Analyse lässt einen deutlichen Effekt bei ihnen erwarten.
Allerdings hält Harald Proff, Leiter des Automobilsektors bei Deloitte, eine automatische Weitergabe der Zölle an die Kunden für unwahrscheinlich. «Wahrscheinlicher ist, dass die Hersteller zunächst auf Margen verzichten», sagt er. «Für viele chinesische Anbieter hat der europäische Markt derzeit eine so hohe strategische Bedeutung, dass Marktanteilsgewinne wichtiger sein dürften als kurzfristige Profitabilität.» Die Preise könnten also vorerst stabil bleiben, während die Hersteller ihre Gewinnspannen opfern, um im umkämpften europäischen Markt Fuß zu fassen.
Die Zolldrohung fällt in eine heikle Phase der europäisch-chinesischen Handelsbeziehungen. EU-Handelskommissar Maros Sefcovic führt derzeit in Peking Gespräche, bei denen es um weit mehr als nur den Automarkt geht. Ziel ist es, einen größeren Handelskonflikt abzuwenden. Eine Einigung bei den Hybridautos gilt dabei als möglicher Schritt in Richtung Deeskalation. Nach Angaben von Diplomaten hat China bis zuletzt Forderungen zurückgewiesen, seine stark gestiegenen Exporte von Hybridautos freiwillig zu begrenzen. Als Druckmittel diskutiert die EU deshalb nun eine zeitlich befristete Schutzmaßnahme, die chinesische Hybridimporte durch Einfuhrquoten und hohe Zölle für darüber hinausgehende Lieferungen beschränken würde.
Eine solche Maßnahme könnte jedoch nur dann eingeführt werden, wenn sie auch für andere Handelspartner wie Japan, Südkorea und Großbritannien gelten würde. Andernfalls drohen Verwerfungen im internationalen Handel und mögliche Klagen vor der Welthandelsorganisation. Grundsätzlich hat sich die EU das Ziel gesetzt, das aus ihrer Sicht nicht mehr tragbare Handelsdefizit mit China von rund einer Milliarde Euro täglich zu begrenzen. Dazu soll auch der chinesische Marktanteil bei Hybridautos in der EU auf etwa 15 Prozent begrenzt werden.
Die Analyse von Deloitte zeigt, dass Zölle ein wirksames Instrument sein könnten, um die Einfuhren zu drosseln. Ob sie tatsächlich kommen, hängt vom Ausgang der Verhandlungen in Peking ab. Klar ist: Für die deutschen Autokäufer könnten sich die Preise für Plug-in-Hybride spürbar verändern, sollten die Hersteller die Abgaben doch weitergeben. Die chinesischen Anbieter stehen vor der Wahl, kurzfristig Gewinne einzubüßen oder Marktanteile zu verlieren.
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