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stern.de

Hohe Ölpreise bescheren Shell und Totalenergies kräftige Gewinnsprünge

Wegen des Iran-Kriegs sind die Öl- und Gaspreise stark gestiegen. Shell, Totalenergies und Repsol melden deutlich höhere Gewinne, während in Deutschland die Forderung nach einer Übergewinnsteuer wieder lauter wird.

Die durch den Iran-Krieg stark gestiegenen Öl- und Gaspreise haben den großen Ölkonzernen zusätzliche Milliardenerträge verschafft. Shell, Totalenergies und Repsol meldeten deutlich höhere Gewinne. Die Aktien der Unternehmen legten an der Börse am Donnerstag zu, während die politische Debatte über die Verwendung dieser Profite an Schärfe gewinnt.

Auslöser der Preissprünge ist der Krieg im Nahen Osten. In der Straße von Hormus ist der Tankerverkehr gestört, Liefer- und Produktionsausfälle treiben die Preise nach oben. Der Ölpreis für Brent lag im dritten Quartal im Durchschnitt bei mehr als 90 US-Dollar pro Barrel, aktuell liegt er bei rund 113 Dollar. Vor Kriegsbeginn Ende Februar waren es weniger als 70 Dollar. Die USA und Israel hatten den Iran angegriffen.

Shell verdoppelte seinen bereinigten Gewinn im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 10,8 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 9,7 Milliarden Euro. Es ist der zweithöchste Quartalsgewinn in der Unternehmensgeschichte und übertraf die Erwartungen der Analysten. Einen noch höheren Quartalsgewinn hatte der Konzern nur 2022 nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine erzielt. Der bereinigte Nettogewinn von Totalenergies stieg im Jahresvergleich auf mehr als das Doppelte und erreichte gut 9 Milliarden Dollar. Repsol vervielfachte seinen bereinigten Gewinn von 0,75 auf gut 2,7 Milliarden Euro.

Ein wesentlicher Teil der Zuwächse stammt aus dem Handel und den Raffinerien. Die Konzerne betrieben ihre Anlagen in den vergangenen Monaten so intensiv wie möglich, sodass zusätzliche Erträge die Belastungen durch Liefer- und Produktionsschwierigkeiten deutlich überwogen. Auch der Ausfall von Flüssigerdgaslieferungen aus dem Persischen Golf bescherte den großen Energiekonzernen unerwartete Gewinne, obwohl sie im Nahen Osten Produktionsausfälle hinnehmen mussten.

Die Unternehmen wollen einen Teil der Gewinne an die Aktionäre zurückgeben. Shell kündigte Aktienrückkäufe von fünf Milliarden Dollar an, zwei Milliarden mehr als im abgelaufenen Quartal. Totalenergies will im Schlussquartal und im ersten Quartal 2027 eigene Aktien für 2,5 Milliarden Dollar zurückkaufen. Repsol kündigte sein drittes Aktienrückkaufprogramm in diesem Jahr an, mit dem noch in diesem Jahr Aktien im Wert von 950 Millionen Euro zurückgekauft werden sollen. Solche Rückkäufe können den Wert der verbleibenden Aktien steigern, wenn die erworbenen Papiere eingezogen werden, weil sich dadurch der Gewinnanteil der übrigen Aktien erhöht.

In Deutschland sorgen die hohen Konzerngewinne für scharfe Kritik. Die klimapolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Lisa Badum, sprach von Rekordprofiten der Ölkonzerne, während Verbraucher unter hohen Spritpreisen und den Folgen der Klimakrise litten. Sie warf Finanzminister Lars Klingbeil von der SPD vor, mit dem Tankrabatt zusätzlich Steuergeld an die Ölkonzerne zu geben, statt die Übergewinne zu besteuern. Der finanzpolitische Sprecher der Linke-Bundestagsfraktion, Christian Görke, forderte ebenfalls eine Übergewinnsteuer. Übergewinne ließen sich definieren und national besteuern, die SPD dürfe sich nicht länger hinter der EU verstecken, so Görke. Er verwies auf ein Gesetz aus dem Jahr 2022, an dem sich ein neuer Entwurf orientieren könne.

Auch außerhalb des Parlaments wird der Protest laut. In Hamburg demonstrierten Greenpeace-Aktivisten an einer Shell-Tankstelle für eine Übergewinnsteuer. Die Umweltorganisation beklagte eine »Preiserpressung« durch die Konzerne.

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Christoph Reichert

Autor

Politischer Korrespondent

Christoph Reichert berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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