IW-Studie: Ostdeutschland stagniert bei knapp 80 Prozent des Westniveaus
Die wirtschaftliche Angleichung zwischen Ost- und Westdeutschland kommt seit Jahren nicht mehr voran. Einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft zufolge verharrt der Osten seit fünf Jahren bei knapp unter 80 Prozent des Westniveaus.
Die wirtschaftliche Angleichung zwischen Ost- und Westdeutschland stockt einer neuen Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge seit Jahren. Seit fünf Jahren verharrt Ostdeutschland demnach bei knapp unter 80 Prozent des Westniveaus. Von einem weiteren Aufholprozess kann nach Einschätzung der Wirtschaftsforscher keine Rede mehr sein.
Die Zahl markiert eine Zäsur in der wirtschaftlichen Entwicklung seit der Wiedervereinigung. Über Jahrzehnte hatte der Osten schrittweise zum Westen aufgeschlossen, getragen von Investitionen, Infrastrukturausbau und dem Aufbau wettbewerbsfähiger Industrie- und Dienstleistungsstrukturen. Dieser Prozess ist nun offenbar zum Erliegen gekommen. Statt einer weiteren Annäherung zeigt sich eine dauerhafte Lücke von mehr als 20 Prozent.
Für die betroffenen Regionen hat die Stagnation konkrete Folgen. Bleibt die wirtschaftliche Leistungskraft dauerhaft unter dem Westniveau, wirkt sich das auf Beschäftigung, Einkommen und die finanzielle Ausstattung der Kommunen aus. Auch die Ansiedlung neuer Unternehmen und die Bindung qualifizierter Fachkräfte werden erschwert, wenn die wirtschaftliche Dynamik fehlt. Der Befund dürfte die Debatte über den Stand der deutschen Einheit und über die Wirksamkeit von Förderprogrammen neu befeuern.
Das IW hatte die wirtschaftliche Angleichung zwischen Ost und West regelmäßig untersucht. Die aktuelle Auswertung bestätigt einen Trend, der sich bereits in den Vorjahren abgezeichnet hatte: Der Aufholprozess verliert an Tempo und ist inzwischen praktisch zum Stillstand gekommen. Ob und wie der Osten wieder näher an das Westniveau heranrücken kann, hängt von der weiteren Entwicklung von Industrie, Arbeitsmarkt und Investitionen ab.
Die Analyse fällt in eine Phase, in der die gesamtdeutsche Wirtschaft ohnehin mit schwachem Wachstum und strukturellen Herausforderungen kämpft. Für Ostdeutschland kommt hinzu, dass die Ausgangsbasis niedriger ist und die Lücke zum Westen über Jahre hinweg kaum kleiner geworden ist. Die wirtschaftliche Angleichung bleibt damit eine der zentralen offenen Fragen der deutschen Einheit.
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