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Montag, 28. September 2026

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Rheinland-Pfalz startet Kampagne für Fachkräfte aus Kenia und den Philippinen

Das Wirtschaftsministerium, die IHK und die Handwerkskammern in Rheinland-Pfalz bündeln ihre Kräfte, um gezielt Fachkräfte aus vier außereuropäischen Ländern anzuwerben. Die Kampagne startet digital und setzt auf das Welcome Center als zentrale Anlaufstelle.

Rheinland-Pfalz hat eine neue Kampagne zur Gewinnung von Fachkräften aus außereuropäischen Ländern gestartet. Wirtschaftsminister Michael Ebling (SPD) stellte das Vorhaben gemeinsam mit den Industrie- und Handelskammern (IHK) sowie den Handwerkskammern (HWK) in Mainz vor. Ziel ist es, dem wachsenden Arbeitskräftemangel in Betrieben und Handwerk entgegenzuwirken.

Die Kampagne konzentriert sich im ersten Schritt auf Kenia und die Philippinen. In einer zweiten Phase sollen Kolumbien und Usbekistan hinzukommen. Alle vier Staaten hätten Migrationsabkommen mit Deutschland abgeschlossen oder stünden kurz davor, erklärte Ebling. Sie verfügten über eine große, relativ junge Bevölkerung mit guten Englisch- oder Deutschkenntnissen. Zudem seien die Länder bislang kaum in anderen Bundesländern für die Anwerbung aktiv.

Die Suche nach potenziellen Fachkräften erfolgt ausschließlich digital über soziale Medien wie LinkedIn und Instagram. Ergänzend werden Websites für Unternehmen und junge Fachkräfte beworben. Die Kosten für die Kampagne bezifferte das Ministerium auf rund 350.000 Euro. Informationen stellt das Welcome Center auf seiner Homepage bereit – nicht nur auf Deutsch, sondern auch in Englisch, Französisch, Spanisch, Arabisch und Usbekisch.

Das Welcome Center Rheinland-Pfalz ist eine gemeinsame Initiative der IHK, der HWK und des Wirtschaftsministeriums und existiert in dieser Form seit 2025. Es berät Unternehmen und internationale Fachkräfte zu Fragen der Einreise, Anerkennung und Integration. Die Beratung ist dezentral aufgebaut: An acht Standorten in Kaiserslautern, Koblenz, Ludwigshafen, Mainz und Trier sowie telefonisch und digital stehen Ansprechpartner zur Verfügung. Auch die Stabsstelle Fachkräfteeinwanderung im Wirtschaftsministerium in Mainz ist eingebunden.

«Das Welcome Center unterstützt Unternehmen ebenso wie Fachkräfte ganz praktisch bei Fragen zu Einreise, Anerkennung und Integration», sagt Karina Szwede von der Arbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern Rheinland-Pfalz. «Wer internationale Fachkräfte gewinnen will, muss den Weg nach Rheinland-Pfalz einfach und attraktiv machen.» Axel Bettendorf von der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern betont: «Das Prinzip ‚Alles aus einer Hand‘ im Welcome Center hat sich im Handwerk sehr bewährt.» Damit seien die Voraussetzungen geschaffen, die dringend benötigten Fachkräfte aus dem Ausland schnell in die Handwerksbetriebe zu bringen.

Die Notwendigkeit der Kampagne belegen Zahlen: Deutschland ist nach Einschätzung von Experten auf Fachkräfte aus dem nichteuropäischen Ausland angewiesen. Das Statistische Bundesamt und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) werden als Belege angeführt. Die Handwerkskammer Koblenz meldet, dass Ende 2025 von rund 7.300 Auszubildenden über alle Gewerke hinweg 1.048 eine ausländische Staatsangehörigkeit hatten. «Das hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert», so ein Sprecher. Auch bei den Meister-Absolventen steigt der Anteil: Unter 678 Jungmeisterinnen und Jungmeistern waren 26 Nationalitäten vertreten – ein neuer Rekord. Das Handwerk brauche dringend Nachwuchs und Fachkräfte, ohne Menschen aus dem Ausland würde es gar nicht funktionieren.

Neben dem Welcome Center gibt es mit der Zentralen Ausländerbehörde in Kaiserslautern eine weitere wichtige Anlaufstelle, die Unternehmen bei der Einreise internationaler Fachkräfte unterstützt, sagt Karsten Tacke, Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung der Unternehmerverbände (LVU). Dieses Angebot solle bekannter werden und besser mit der Beratung der Kammern verzahnt werden. Die Betriebe benötigten klare Ansprechpartner und verlässliche, zügige Verfahren bei Visum und Anerkennung. «Wer Fachkräfte gewinnen und halten will, muss ihnen und ihren Familien zudem das Ankommen in Rheinland-Pfalz erleichtern», so Tacke. Entscheidend sei, dass aus einem Kontakt auch eine Einstellung werde.

Wie viele ausländische Arbeitskräfte derzeit in Rheinland-Pfalz beschäftigt sind, zeigt eine Hochrechnung der Bundesagentur für Arbeit Rheinland-Pfalz/Saarland: Im Februar waren rund 237.800 Menschen mit ausländischem Pass sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das entspricht etwa 16,0 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Die meisten kommen aus Rumänien (28.127), gefolgt von der Türkei (22.154) und Polen (21.182). Auf Platz vier liegt die Ukraine (14.270), danach folgen Syrien und Italien. Aus Übersee stammen 131.943 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Ausländische Arbeitskräfte arbeiten vor allem im verarbeitenden Gewerbe, im Handel, im Baugewerbe, im Verkehr, in der Lagerei und im Gastgewerbe.

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Elena Mertens

Autor

Nachrichtenredakteurin

Elena Mertens berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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