Russische Angriffe auf ukrainische Häfen treffen Exporte und vergrößern Finanzloch
Russland greift gezielt die beiden größten Wirtschaftszweige der Ukraine an. Der Militärexperte Gustav Gressel sieht Kiew vor größeren Problemen als erwartet, während westliche Unterstützung schwindet.
Die russischen Angriffe auf ukrainische Häfen haben die Ausfuhren des Landes schwer getroffen und die wirtschaftliche Lage der Ukraine deutlich verschlechtert. Der Russland-Experte Gustav Gressel erklärte, Moskau attackiere damit «die zwei größten Wirtschaftszweige der Ukraine» und vergrößere das Finanzloch in Kiew gezielt. «Da steht die Ukraine jetzt vor größeren Problemen, als man eigentlich gedacht hat», sagte Gressel.
Die Hafeninfrastruktur ist für die Ukraine von zentraler Bedeutung, weil über die Schwarzmeerhäfen ein großer Teil der Agrar- und Metallausfuhren abgewickelt wird. Diese Exporte bringen dringend benötigte Deviseneinnahmen in das kriegsgebeutelte Land. Mit den Angriffen auf die Häfen trifft Russland nicht nur die Logistik, sondern auch die staatlichen Finanzen der Ukraine. Das ohnehin angespannte Budget steht dadurch unter zusätzlichem Druck.
Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich. Der ukrainische Staat ist auf ausländische Unterstützung angewiesen, um Gehälter, Renten und den Wiederaufbau zu finanzieren. Wenn Exporte wegbrechen, sinken die Steuereinnahmen und die Devisenreserven. Das vergrößert das Finanzloch, von dem Gressel spricht. Die Ukraine muss daher nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich ums Überleben kämpfen.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Unterstützung aus dem Westen brüchig geworden ist. Die USA unter Präsident Donald Trump haben laut Medienberichten mit dem Ende von Waffenverkäufen und der Weitergabe von Geheimdienstinformationen gedroht. Zeitweise funktionierte der Satellitendienst Starlink nicht mehr richtig, was die Kommunikation innerhalb des ukrainischen Militärs beeinträchtigt. Ohne US-Geheimdienstinformationen dauert es länger, russische Angriffe zu erkennen. Ohne US-Waffen fehlen Raketen zur Abwehr. Diese Faktoren schwächen die Ukraine sowohl militärisch als auch wirtschaftlich.
Trump begründet seinen Kurs mit den hohen Energiepreisen in den USA, für die er ukrainische Angriffe auf russische Energieanlagen verantwortlich macht. Tatsächlich ist die Einfuhr von russischem Öl und Flüssiggas in die USA bereits seit 2022 gesetzlich verboten. Die Energiekosten in den USA sind erst seit Anfang 2026 stark gestiegen, nachdem sich die USA auf einen Angriff auf den Iran eingelassen haben. Kritiker werfen Trump vor, einen Krieg gegen den anderen auszuspielen und die Ukraine im Stich zu lassen.
Die russischen Angriffe auf die Häfen sind Teil einer Strategie, die darauf abzielt, die ukrainische Wirtschaft dauerhaft zu schwächen. Gressel zufolge geht es Moskau darum, die beiden wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes zu treffen und Kiews Finanzprobleme zu verschärfen. Die Ukraine steht damit vor einer doppelten Herausforderung: Sie muss ihre Verteidigung aufrechterhalten und gleichzeitig den wirtschaftlichen Kollaps verhindern.
Ob die internationale Gemeinschaft die Lücke füllen kann, die durch die nachlassende US-Unterstützung entsteht, ist unklar. Die Europäische Union und andere Partner haben finanzielle Hilfen zugesagt, doch die Unsicherheit bleibt groß. Für die Ukraine geht es nicht nur um militärische Siege, sondern auch um die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit. Die Angriffe auf die Häfen haben diese Aufgabe noch schwieriger gemacht.
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