Start-ups sollen Pharmastandort Marburg nach Stellenabbau stabilisieren
Nach massiven Stellenstreichungen bei CSL Behring, Biontech und Innexis will Marburg einen Forschungs- und Entwicklungs-Campus für Unternehmensgründungen aus der Pharma- und Biotechbranche öffnen. Rund 1.500 Arbeitsplätze könnten in der Stadt verloren gehen.
Marburg will den drohenden Verlust von rund 1.500 Arbeitsplätzen in der Pharmabranche mit einem neuen Gründerzentrum abfedern. Auf dem erst vor wenigen Jahren errichteten Forschungs- und Entwicklungs-Campus von CSL Behring sollen künftig Start-ups aus den Bereichen Pharma, Biotechnologie und Life Sciences Labor- und Büroflächen nutzen können. Das teilte die Philipps-Universität Marburg mit, die das Projekt gemeinsam mit dem Unternehmen und dem Standortbetreiber vorantreibt.
„Wir hoffen, dass wir das bis Jahresende ans Laufen bekommen“, sagte Universitätspräsident Thomas Nauss. Die Flächen werden frei, weil CSL seine in der Tochter CSL Innovation gebündelten Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in Marburg einstellt. Ursprünglich war geplant, den Campus als Drehscheibe für Gründer zu etablieren. Diese Idee soll nun trotz der Schließung umgesetzt werden. Wissenschaftler und Branchenexperten sollen dort Seite an Seite arbeiten können, erklärte eine CSL-Sprecherin. „Das stärkt den Forschungsstandort Marburg und nutzt die vorhandene hochwertige Infrastruktur.“
Der Hintergrund ist ein tiefgreifender Einschnitt für den Standort. CSL, das Biotechnologieunternehmen Biontech und der Standortbetreiber Innexis hatten in den vergangenen eineinhalb Jahren Stellenstreichungen angekündigt. Bei CSL steht ein Sparkurs hinter den Einschnitten. Biontech begründete die Kürzungen mit einer zu geringen Auslastung, Überkapazitäten und Kosteneinsparungen. Das Mainzer Unternehmen, das während der Corona-Pandemie durch seinen Impfstoff weltbekannt wurde, prüft für Marburg und weitere Standorte mögliche Veräußerungsoptionen. Die Nachrichten hatten in der mittelhessischen Stadt Sorgen um die für Marburg wichtige Branche ausgelöst.
Die Pläne für das Gründerzentrum setzen auf die vorhandene Infrastruktur des Campus. Statt leerstehender Labore sollen dort junge Unternehmen angesiedelt werden, die von der Nähe zu Forschungseinrichtungen und Fachkräften profitieren. Die Universität erhofft sich davon neue Impulse für den Wissenschaftsstandort und eine Perspektive für Beschäftigte, die von den Stellenstreichungen betroffen sind. Ob sich genügend Start-ups finden und wie schnell der Betrieb anläuft, ist offen. Klar ist: Marburg versucht, den Verlust etablierter Arbeitsplätze durch unternehmerische Neugründungen zumindest teilweise auszugleichen.
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